Betriebliches Mobilitätsmanagement

Flott unterwegs

Auf dem Land braucht man ein Auto. Wirklich? Und gilt das auch für Unternehmen? Dieser Frage geht der der Bundesdeutsche Arbeitskreis für umweltbewusstes Management nach. Auch in Syke.
29.06.2020, 10:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing
Flott unterwegs

Ein Lasten-E-Fahrrad, ein Pedelec und ein Faltrad können im Zuge des Modellprojekts kostenlos ausgeliehen und ausprobiert werden.

Gregor Fischer

Syke. „Gerade hier im ländlichen Raum hört man häufig, dass es zum Auto keine Alternative gibt“, sagt Sykes Erster Stadtrat Thomas Kuchem. Doch ist das tatsächlich so? Die Stadt Syke wollte es genauer wissen und ließ sich daher vom Unternehmen B.A.U.M. (Bundesdeutscher Arbeitskreis für umweltbewusstes Management) für ihre Mitarbeiter zum Thema Mobilität beraten. Dabei wurde der Ist-Zustand festgestellt und auf dieser Basis Vorschläge gemacht, wie die Mobilität nachhaltig und effizient besser gestaltet werden kann, erläutert Kuchem weiter. Im Zuge dieser Beratung konnte sich die Stadt nun für das Modellprojekt „Nachhaltige Mobilität durch betriebliches Mobilitätsmanagement im Rahmen von 'Land Mobil – unterwegs in ländlichen Räumen'“ bewerben. Als eine von niedersachsenweit fünf Kommunen haben nun auch Syker Betriebe und Unternehmen die Möglichkeit an einer kostenfreien Erstberatung zum betrieblichen Mobilitätsmanagement teilzunehmen, kündigt Kuchem an.

Auch und gerade im ländlichen Raum zeigen sich die Herausforderungen für eine veränderte Mobilität. Der ÖPNV ist dabei in der Fläche häufig nicht in der Lage, attraktive Angebote allein bereitzustellen, ist man bei der Stadt überzeugt. Daher müssen andere Möglichkeiten gefunden und bereitgestellt werden. In ihrer Bewerbung für das Modellprojekt hat die Stadt Syke als Beispiele unter anderem Fahrgemeinschaften, effizientere Fahrzeuge und Fahrzeugnutzung und dabei vor allem die verstärkte Nutzung des Fahrrads in den Blick genommen. Das können Unternehmen auch, ist Kuchem überzeugt.

Die nun durch B.A.U.M. angebotene Beratung zum betrieblichen Mobilitätsmanagement beinhaltet die ganzheitliche Betrachtung aller im Betrieb anfallenden Verkehre und Mobilitätsformen, teilt die Stadt mit. Darunter fallen sowohl die Fahrten der Mitarbeiter morgens zur Firma und abends nach Hause als auch die Verkehre am Tag, wie zum Beispiel Fahrten zu anderen firmeneigenen Betriebsstätten, andere Betrieben oder auch Lieferungen und Fahrten zum Austausch von Waren oder Dienstleistungen. „Die Unternehmen haben dadurch die Möglichkeit, ihre personenbezogene Mobilität unter den Aspekten Effizienz, Klimaschutz, Innovation und Steigerung der Arbeitgeberattraktivität zu verbessern“, heißt es dazu seitens der Stadt. Betriebe sollen damit motiviert werden, Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Die Beratung besteht im Wesentlichen aus einem Beratungsgespräch vor Ort und einem anschließenden Beratungsbericht mit konkreten Empfehlungen.

Als Ergänzung und auch als Impuls zur Änderung des Mobilitätsverhaltens haben die teilnehmenden Unternehmen die Möglichkeit, jeweils eine Auswahl von Fahrrädern – dazu gehören je ein Lasten-E-Fahrrad, ein Faltrad und ein Pedelec – kostenfrei auszuleihen. Der Verleih erfolgt für eine Zeitspanne von jeweils vier bis acht Wochen. Das Modellprojekt läuft von Herbst 2020 bis zum 30. September 2022. Zunächst können sich fünf Syker Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten für die kostenlose Erstberatung bewerben. „Das sind jedoch nur die ersten, die die Fahrräder ausleihen können“, betont Kuchem. Bei entsprechender Nachfrage kann jedes Unternehmen, auch diejenigen mit weniger als 20 Mitarbeiter, eine Ausleihe der Fahrradflotte beantragen und ausprobieren. Denkbar wären dabei zum Beispiel die Nutzung für kleinere Auslieferungen, für den Weg zur Post oder für den Transport von Materialien für kleinere Reparaturen und vieles mehr. „Je mehr mitmachen, desto besser“, hebt der Erste Stadtrat hervor. Denn mit der Teilnahme an dem Modellprojekt verpflichten sich die Betriebe und Unternehmen auch zur Führung eines Fahrtenbuches. Diese Daten werden gesammelt und ausgewertet. Die daraus resultierenden Erkenntnisse können dann wiederum auf andere Kommunen angewandt werden. Und je mehr Daten gesammelt werden können, desto genauer, ergiebiger und damit letztendlich hilfreicher können die gewonnenen Erkenntnisse werden, so Kuchem.

Interessierte Unternehmen können sich unter der Rufnummer 0 42 42 /16 40 bei der Stadt melden. Die Gesamtkoordination auf Seiten der Stadt hat Thomas Kuchem als Wirtschaftsförderer inne. Er steht auch für weitere Fragen dazu zur Verfügung. Die letzte Entscheidung über die Teilnahme liegt bei B.A.U.M..

Info

Zur Sache

Gründung eines Arbeitskreises

B.A.U.M., der Bundesdeutsche Arbeitskreis für umweltbewusstes Management, wurde 1984 als überparteilicher, gemeinnütziger Verein von Hamburger Unternehmen gegründet. Sein Ziel war und ist es, umweltgerechtes Management weiterzuentwickeln und zu verbreiten. Dazu wurde 1991 die B.A.U.M Consult Beratungsgesellschaft gegründet. Sie soll dabei helfen, die im Verein entwickelten Ideen zum Umweltmanagement umzusetzen. Die Beratungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Qualität und Arbeitssicherheit, Energie und Klimaschutz, Regionalentwicklung und -vermarktung sowie regenerative Energien und Management von EU-Projekten.

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