Husky tötet in Ristedt ein Schaf / Veterinäramt verordnet Leinenzwang

Beutezug durch Nachbars Garten

Syke-Ristedt. Es ist ruhig geworden im Garten von Waltraud Schraps. Bis vor Kurzem blökten dort noch die Schafe - nun sind sie weg. Ein Husky aus der Nachbarschaft hatte sich Zutritt zu dem Gelände verschafft und zwei Tiere gerissen.
24.03.2010, 05:00
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Beutezug durch Nachbars Garten
Von Malte Bürger

Syke-Ristedt. Es ist ruhig geworden im Garten von Waltraud Schraps. Bis zum vergangenen Freitag blökten und grasten dort noch ihre drei Schafe - nun sind sie weg. Ein freilaufender Husky aus der Ristedter Nachbarschaft hatte sich durch einen beherzten Sprung in den Mittagsstunden Zutritt zu dem umzäunten Gelände verschafft und zwei Tiere gerissen, eines davon starb, ein weiteres überlebte schwerverletzt. 'Nur unsere Dicke hat Glück gehabt, die muss um ihr Leben gerannt sein', erzählt Waltraud Schraps.

Es ist einer der seltenen Momente, in denen der Tierfreundin ein Lächeln über die Mundwinkel huscht. Denn ansonsten fällt es ihr derzeit schwer, in den Garten und die Stallungen hinter dem Haus zu blicken. Dort, wo vor kurzem noch ihre drei Lieblinge lebten, erinnern jetzt nur noch einige Strohreste an die Schafe. 'Die anderen beiden werden hier jedenfalls nicht mehr herkommen, das kann ich ihnen einfach nicht antun. Ich hänge an den Tieren, das sind meine Kinder', erklärt die Blumenhändlerin mit zitternder Stimme. Die beiden Tiere hat sie vorerst woanders zur Erholung untergebracht. 'Obwohl es eigentlich nicht sein kann, dass ich meine Schafe wegbringen muss, eigentlich sollte das mit dem Hund passieren.'

Nachdem sie am Freitag die blutige Entdeckung im Stall gemacht hatte, alarmierte sie umgehend die Polizei. 'Dort haben die Beamten dann auch die Hundehalterin angetroffen, die einen sehr aufgelösten Eindruck machte', schildert Hartwig Zierath, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Polizei Syke. Sie gab zudem an, dass der Hund zum allerersten Mal vom Grundstück ausgerissen sei. Dass es sich bei dem Angreifer auch tatsächlich um den Husky gehandelt hat, steht jedoch außer Frage: am Maul des Vierbeiners wurden eindeutige Blutspuren nachgewiesen.

Aufgrund der daraus resultierenden Anzeige von Waltraud Schraps gegen die Hundehalterin, die nicht für ein Gespräch zu erreichen war, ermittelt nun die Polizei - allerdings ausschließlich im Sinne einer Sachbeschädigung. 'Unsere strafrechtlichen Ermittlungen richten sich nicht gegen den Hund, sondern gegen die Halterin. Es geht um Fragen, ob das Gelände ausreichend umzäunt war und es sich um einen erstmaligen Vorfall handelt', erklärt Zierath. Wenn es um die Zukunft des Hundes gehe, sei dagegen das Veterinäramt des Landkreises Diepholz zuständig.

Dort hat man sich auch bereits intensiv mit dem Fall befasst. 'Wir prüfen in jedem Einzelfall, unabhängig von der Rasse des Hundes, ob er gefährlich ist oder nicht', erzählt Heinz-Jürgen Greszik, Mitarbeiter im Veterinäramt. So liege es zwar auch in der Natur eines Huskys, dass er einen ausgeprägten Jagdinstinkt habe, deshalb sei er aber nicht automatisch eine Gefahr für den Menschen oder andere Tiere.

Genau das haben auch die Ermittlungen in diesem Fall ergeben. 'Ein Leinenzwang ist in diesem Fall völlig ausreichend, weil der Hund sonst nicht gesteigert aggressiv ist', berichtet Greszik. So verhalte sich der Hund zu Hause völlig unauffällig und reagiere alles andere als aggressiv auf die Menschen und weitere im Haus lebende Tiere. Dementsprechend seien andere Maßnahmen - wie beispielsweise eine Einschläferung des Hundes - kein Thema.

Waltraud Schraps hält es dennoch nicht mehr in Ristedt. Sie ist bereits auf der Suche nach einer neuen Heimat. Einer Heimat, in der sie ihren geliebten Schafen wieder ein neues, sicheres und in erster Linie ruhiges Heim bieten kann. Eine Heimat, wie sie sie in Ristedt nicht mehr vermutet.

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