Zu Gast in: Eva und Wolfram Zurhorst laden zum Erlebnisabend "Liebe dich selbst" in den Syker Ratssaal Beziehungstipps von Bestseller-Autoren

Sie haben ihre eigene Ehekrise gemeistert und teilen ihre Erfahrungen nun mit anderen - Eva und Wolfram Zurhorst. Ihr Buch "Liebe Dich selbst - und es ist egal, wen Du heiratest" stand vier Jahre lang ununterbrochen auf den Bestseller-Listen. Am morgigen Donnerstag ist das Paar ab 19 Uhr auf Einladung von Sykes Gleichstellungsbeauftragter Agatha große Macke zu Gast im Ratssaal. Jörn Dirk Zweibrock sprach vorab mit den beiden über ihre Vision, mit "Liebe Dich selbst" Menschen wieder in Verbindung mit sich selbst und ihren inneren Kräften zu bringen.
09.02.2011, 05:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste

Sie haben ihre eigene Ehekrise gemeistert und teilen ihre Erfahrungen nun mit anderen - Eva und Wolfram Zurhorst. Ihr Buch "Liebe Dich selbst - und es ist egal, wen Du heiratest" stand vier Jahre lang ununterbrochen auf den Bestseller-Listen. Am morgigen Donnerstag ist das Paar ab 19 Uhr auf Einladung von Sykes Gleichstellungsbeauftragter Agatha große Macke zu Gast im Ratssaal. Jörn Dirk Zweibrock sprach vorab mit den beiden über ihre Vision, mit "Liebe Dich selbst" Menschen wieder in Verbindung mit sich selbst und ihren inneren Kräften zu bringen.

Frage: Siebter Himmel oder Ehehölle - wie sehen Sie heute Ihre Beziehung?

Wolfram Zurhorst: Wir stehen mitten im Leben. Es fühlt sich fantastisch an. Meine Frau und ich sitzen aber nicht nur zusammen auf dem Sofa, es gibt natürlich auch mal Krach. Das Tolle ist heute nicht etwa, dass alles perfekt ist, sondern dass alles so lebendig und immer wieder neu ist, weil keiner von uns mehr an seinen alten Vorstellungen klebt.

Waren Sie denn schon mal in Syke?

Eva Zurhorst: Nein, da oben im Norden ist ein neues Pflaster für uns. Syke ist ja nicht München oder Berlin. Mein Mann und ich haben aber die Erfahrung gemacht, dass es in kleineren Städten intensiver ist. In Großstädten sitzen die Leute wie im Kino. Vielleicht reden ja in Syke plötzlich die Nachbarn über ihre Beziehung.

Sie müssen aber nicht, oder?

Eva Zurhorst: Niemand muss. Zu Beginn des Abends halten wir eine Art Vortrag, gehen dann aber schnell in die offene Runde. Wir wollen das Publikum ja nicht volltexten. Ziel ist es, den Besuchern zu vermitteln, dass Beziehungsprobleme keine Krankheit sind, sondern ganz einfach zum Alltag dazugehören.

Wie kann man sich Ihren "Liebe-Dich-selbst-Abend" im Syker Rathaus denn vorstellen?

Wolfram Zurhorst: Wir verstehen uns nicht als Therapeuten, sondern möchten den Menschen Impulse für ihre eigene Lebenssituation geben.

Ihre These lautet: "Liebe Dich selbst - und es ist egal, wen du heiratest". Warum?

Eva Zurhorst: Eine Beziehung ist ein Weg. Wenn es mal kracht, muss es nicht gleich heißen, dass wir den falschen Partner geheiratet haben. Ich hatte gerade gestern eine Frau in meiner Praxis, die Probleme mit ihrem Mann hat. Sie will ihrem Partner unbewusst den Lebensentwurf ihrer Mutter überstülpen. Als ihr das im Gespräch langsam klar wurde, sah sie die Beziehung zu ihrem Partner auf einmal in einem ganz anderen Licht. Eine Menge Zündstoff war wie weggeblasen.

Warum projizieren wir so viel von unseren alten Geschichten auf den anderen?

Eva Zurhorst: Wir müssen lernen, dass wir von der Leinwand zurück in unseren eigenen Film gelangen. Wenn Männer beispielsweise laut werden, können viele Frauen damit überhaupt nicht umgehen. Weil sie früh gelernt haben, dieses Gefühl zu unterdrücken. Frauen sind diesbezüglich oftmals wutamputiert. Sie müssen lernen, ihre eigene Wut zu leben, sie auch mal rauszulassen. Sonst vertrocknet die Leidenschaft.

Warum haben in sogenannten Dreiecksbeziehungen alle Angst vor Nähe?

Eva Zurhorst: Auch hier werden wir wieder mit unserem sogenannten Schatten konfrontiert. Die Geliebte lebt das, was die betrogene Ehefrau nicht mehr oder noch nicht lebt. Meist hat sie sich da ein Stück ihrer Weiblichkeit bewahrt, wo die Ehefrau nur noch zu "der Mutti" verkümmert ist. Aber das heißt nicht, dass es ihr besser ginge. Oft hat die Geliebte große Angst, sich wirklich auf eine Beziehung mit allen Abhängigkeiten und Pflichten einzulassen - was ihr aber nicht bewusst ist. Sie glaubt, dass alles nur an dem Mann liegt, der nur endlich zu ihr stehen müsste. Und der, der fremdgeht, hat meist Angst, seine Wahrheit zu leben. Er splittet sich auf in Beziehungspflicht und Liebeskür. Alle drei brauchen eigene Entwicklung und nicht etwa einen perfekten Partner.

Bei einer Trennung sollte man dem anderen verzeihen und in Liebe gehen?

Eva Zurhorst: Wer sich als Opfer der Missetaten des anderen versteht, bleibt ewig abhängig. Eine Trennung sollte eine Befreiung, der Weg zurück zu sich selbst sein.

Sie denken, die meisten Scheidungen seien überflüssig, halten ein Plädoyer für die Ehe?

Eva Zurhorst: Es geht in unseren Büchern nicht um Durchhalten um jeden Preis. Wer an dem Punkt angelangt ist, an dem er weiß, dass sich das Verhalten des anderen nicht dauerhaft ändern wird, sollte einen Schlussstrich ziehen. Immer dann, wenn man alles versucht hat, der andere aber immer wieder durch Fremdgehen, Gewalt oder Sucht für Verletzung sorgt - dann ist das wichtigste Wort ein klares "Nein".

Sie sagen, wer sich selbst liebt, braucht auch keine Angst davor zu haben, seinen Job zu verlieren?

Wolfram Zurhorst: Heute gehört es einfach dazu, sich im Job total auszulaugen. Berufliches und Privates kann man nicht trennen. Wer sich im Beruf auslaugt, kann in seiner Beziehung kaum was geben, missbraucht sie oft als eine Art Rehaklinik. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Es geht darum, ein Gleichgewicht und mehr Authentizität in beiden Bereichen zu finden.

Sitzen erfahrungsgemäß eigentlich mehr Frauen oder Männer bei Ihren Veranstaltungen im Publikum?

Eva Zurhorst: Erstaunlicherweise ist es inzwischen gemischt. Früher waren es aber hauptsächlich Frauen.

Wolfram Zurhorst: Wir haben Gäste von Mitte 20 bis Mitte 70.

Eva Zurhorst: Obwohl unsere Kernzielgruppe von Mitte 30 bis Mitte 50 geht. Bei denen ist der erste romantische Schub nämlich schon vorbei.

Haben Sie drei Tipps für eine glückliche Beziehung parat?

Eva Zurhorst: Ein Patentrezept gibt es dafür nicht. Aber ich würde sagen, Ehrlichkeit, Mut, sich unbeliebt zu machen und sich Zeit für seine eigenen Wünsche und Träume zu nehmen.

Wolfram Zurhorst: Mut, mit sich selbst allein zu sein, möchte ich noch hinzufügen. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass ich früher immer vermieden habe, mit mir selbst allein zu sein. Ich dachte immer, es wäre cool, einen großen Freundeskreis zu haben und allein würde mir langweilig.

Spielt da nicht auch Angst mit? Angst, ins Grübeln zu kommen?

Wolfram Zurhorst: Vollkommen richtig. Ich hatte Angst, von meinen eigenen Gefühlen übermannt zu werden.

In Ihren Büchern plädieren Sie für eine gleichberechtigte Partnerschaft. Also weg vom "Geldesel-Besuchsonkel" und der "Selbstaufgabe-ich-bin-für-alle-da-Frau".

Wolfram Zurhorst: Ich finde, beide Partner sollten ihr persönliches Mischungsverhältnis zwischen Job und Privatem finden und offen für Lebensphasen sein. Mal verdient der eine, mal der andere das Geld. Das ist wie ein Kreislauf.

Eva Zurhorst: Dass beide gleichzeitig arbeiten und sich um die Kinder kümmern, geht nur selten. Wie eine Beziehung durchläuft auch das Berufsleben eine Entwicklung. Nach den ganzen Büchern, ist es für mich jetzt das größte, einfach zu Hause zu sein und zu kochen. Und mein Mann verspürt wieder richtig Lust, Gas zu geben. Er möchte ein richtiges Kerlsprojekt machen. Ein Hotel nach dem "Liebe-Dich-selbst-Konzept" bauen.

Karten für den Erlebnisabend "Liebe Dich selbst" gibt es im Vorverkauf im Bürgerbüro des Rathauses, der Syker Stadtbibliothek und der Buchhandlung Schüttert. Informationen und Anmeldungen bei Agatha große Macke unter der Telefonnummer 04242/164540.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+