Blühstreifen

Kleine Paradiese vor der Haustür

Blühstreifen sind inzwischen in aller Munde. In Syke gibt es sie schon länger. Um Kräutern und Gräsern eine Chance zu geben, werden Wiesen und Randstreifen einfach später gemäht.
17.08.2020, 17:33
Lesedauer: 2 Min
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Von Sarah Essing
Kleine Paradiese vor der Haustür

Blühstreifen mit den unterschiedlichsten heimischen Kräuter und Gräsern bieten nicht nur Hummeln, sondern einer Vielzahl von Insekten Nahrung und Lebensraum.

Fotos: Michael Galian

Syke. Blühstreifen sind in aller Munde. Seit das Bewusstsein darüber gewachsen ist, dass aufgrund des schwindenden Lebensraums für Insekten und Kleintiere die Artenvielfalt und damit die ökologische Balance, die auch für die Menschen wichtig ist, gefährdet sind, werden sie vielerorts extra angelegt und sorgsam gepflegt. In Syke geht Stadtbiologin Angelika Hanel bereits seit einigen Jahren auch einen anderen Weg. Sie lässt die Gräser und Kräuter auf städtischen Wiesen einfach mal stehen. Dafür gibt es aber nicht nur Lob, sondern häufig genug auch immer noch Kritik.

Wer von der Landesstraße 340 in die Gesseler Straße einbiegt, sieht rechts liegend eine dieser Wiesen. Im weiteren Verlauf der Ferdinand-Salfer-Straße sprießt es dann noch deutlich üppiger. Gegenüber des Sportplatzes, auf dem Fußgängerübergang am Kreisel, links, rechts und auf dem als „Rodelberg“ bekannten Hügel surrt und brummt es zurzeit mächtig. Lautes Grillenzirpen empfängt die Passanten. „Das reinste Heuschreckenparadies“, lacht Angelika Hanel. Dadurch fühlen sich auch andere Tiere dort wohl: Fledermäuse, Vögel, Kleinnager und kleine Reptilien wie Eidechsen.

Hinzu kommen Tausende von Hummeln, Bienen, verschiedenste Fliegenarten und Schmetterlinge, die die Blütenpracht anfliegen, die sich dem Auge präsentiert. Besonders schön anzusehen sind die Wiesenflockenblumen, deren lilafarbenen Kelche die Hügel förmlich überziehen. Gelbe Einsprengsel stammen vom Johanniskraut oder sogar vom Johanniskreuzkraut, mit dem es ohnehin leicht zu verwechseln ist. „Pferdehalter und Rinderzüchter mögen das Johanniskreuzkraut gar nicht“, weiß die Stadtbiologin. Es gefährdet das Leben und die Gesundheit der Tiere. „Aber hier kann das heimische Kraut ruhig wachsen.“ Denn die für Weidetiere giftige Pflanze ist für manche Insektenarten gerade im nahrungsarmen Hochsommer nicht nur eine, sondern auch häufig die einzige Nahrungsquelle.

Dazwischen wiegen sich die üppigen Dolden der Schafgarbe im Wind, Wilde Möhre und verschiedene Distelarten wuchern üppig, während die Gräser durch die Sonne der vergangenen Tage und aufgrund mangelnden Regens schon die Stengel hängen lassen. „Unsere heimischen Wildpflanzen und Kräuter können mit Hitze und Trockenheit besser umgehen“, sagt Angelika Hanel. Umso wichtiger sei, auch ihnen einen Platz zu bieten, nicht nur dem sorgfältig gestutzten Rasen.

Die Stadt Syke bietet diesen Platz. In diesem Fall geschieht dies dadurch, dass manchmal einfach stehen gelassen wird, was auf nicht genutzten Flächen ohnehin wächst. Es gebe reichlich Samenpotenzial im Boden, sagt Angelika Hanel. „Es musste einfach nur aktiviert werden, und aktiviert heißt in diesem Fall: in Ruhe lassen.“ Mit anderen Worten: Nicht so früh mähen. „Wir mähen hier erst im Oktober“, sagt Angelika Hanel. Dadurch haben die Pflanzen Zeit, Früchte und Samen zu entwickeln, aus denen im nächsten Jahr neue Pflanzen entstehen. „Dadurch wächst hier das, was da ist.“ Das sei zwar zeitaufwendiger für die Mitarbeiter der Stadt, lohne sich auf lange Sicht jedoch, findet die Stadtbiologin.

„Gemäht wird nur, wenn die Verkehrssicherheit gefährdet ist“, sagt Angelika Hanel mit Blick auf den Kreisel und den dortigen Fußgängerüberweg in Nachbarschaft zum Schulzentrum. Sind Schilder nicht mehr zu sehen, ist die Sicht der Verkehrsteilnehmer eingeschränkt, dann wird gestutzt. „Doch es gibt immer noch Leute, die meinen, es müsse ‚ordentlich‘ aussehen“, weiß Angelika Hanel, dass dieser „Wildwuchs“ nicht nur Freunde hat. Immer wieder gibt es Beschwerden bei der Stadt. Aber: „Wir wollen der Natur mehr Raum geben“, sagt Angelika Hanel.

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