Die Gruppe Zebra Orange des Mädchenkulturhauses Syke gestaltet eine Plakatwand mit bunten Motiven

Botschaften des Friedens

Syke. Das war ein buntes Gewusel, zwischen Farben, Schablonen, Pinseln und Papieren, gepaart mit mindestens tausend Fragen und Überlegungen. Während einige Mädchen ihren Satz: „Egal welchen Glauben man glaubt oder welche Hautfarbe man hat – alle können in Frieden miteinander leben!“ in farbigen Buchstaben rund um das Transparent schrieben, suchten andere nach kreativen Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Ideen.
14.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von MAJANNE BEHRENS
Botschaften des Friedens

Viele Farben und Sprachen, aber eine Botschaft: Die Mädchen der Gruppe Zebra Orange wollen mit dem Plakat auf ihre Art ein Zeichen für den Frieden setzen.

Janina Rahn

Das war ein buntes Gewusel, zwischen Farben, Schablonen, Pinseln und Papieren, gepaart mit mindestens tausend Fragen und Überlegungen. Während einige Mädchen ihren Satz: „Egal welchen Glauben man glaubt oder welche Hautfarbe man hat – alle können in Frieden miteinander leben!“ in farbigen Buchstaben rund um das Transparent schrieben, suchten andere nach kreativen Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Ideen. Zusammen mit der Projektleiterin Renate Bühn von Zebra Orange, dem Mädchenkulturhaus in Syke, gestalteten die Mädchen eine Plastikplane mit Friedensbotschaften, die in Syke aufgehängt werden und zu einem friedlichen Miteinander anregen soll.

„Wie heißt denn Love in arabisch?“ wollte Mia wissen. Zugleich fragte Lina nach, wie Frieden auf japanisch geschrieben wird. „Das haben wir gleich“, meinte die Künstlerin Renate Bühn. Dann schaltete sie den Computer an. Zu sehen waren Bilder aus dem ehemaligem Rembertitunnel in Bremen, der durch ein beispielhaftes Projekt couragierter Bürger zum Friedenstunnel gestaltet wurde und als Vorbild für die Syker Aktion herhält. Dort ist das Wort Frieden in viele Sprachen übersetzt und ziert als buntes Mosaik die Wände. Die Mädchen betrachteten die Fotos mit regem Interesse. „Wir wollen nämlich auch ein Zeichen setzen“, erklärte die zehnjährige Sophie, deswegen haben sie sich Friedensbotschaften ausgedacht und auf eine große Plastikplane gemalt. „Die hängen wir in Syke auf, damit alle sich freuen und was zum Nachdenken haben“, wusste Rieke und suchte nach einem geeigneten Stift, um weiterzuschreiben.

Renate Bühn, die das Projekt rund um den Frieden begleitet, studierte Kunsttherapie in Ottersberg. Zudem ist sie ausgebildete Sozialpädagogin und arbeitet als Künstlerin in verschiedenen Projekten mit. Alles gute Voraussetzungen, damit jedes der Mädchen ihre eigenen Gedanken zum Thema finden und zum Ausdruck bringen konnte. Darüber diskutierten sie und gestalteten zusammen ein großes Friedens-Transparent.

In der Mitte leuchtete das weltweite Symbol für Frieden: Peace. „Jede von uns hat mitgeholfen, es in allen Farben zu umranden“, zeigten Sarah und Maya sich stolz und fanden, das sähe aus, wie ein schöner Regenbogen. „Es soll schön aussehen“, meinten sie. Sie wollten damit gegen Diskriminierung, Streit und Gewalt aktiv sein. Das sei nicht nur zur Weihnachtszeit wichtig, betonten die Mädchen von Zebra Orange. Kriege würden wegen Streitereien entstehen und als Folge davon „müssten Menschen fliehen“, ereiferte sich Sophie. Eine Situation, von der Mariam, die sich am Projekt beteiligte, selbst betroffen ist. Die junge Syrerin kam vor drei Monaten in Syke an. Seitdem lernt sie Deutsch, zudem verständigte sie sich mit der Gruppe auf Englisch. „Salam“ schrieb sie kunstvoll in arabisch auf das Plakat, während Leonie einen bunten Farbklecks dazu kreierte.

„Jeder schreibt anders, deswegen mache ich verschiedene Buchstaben“, besprach sich Mia mit der Kursleiterin. Nicht immer ging es bei den Gesprächen um künstlerische Inspiration, auch Gedanken über Sprache als solches gehörten dazu. „Sagst du Jede anstatt Jeder, meinst du nur ein Geschlecht von beiden“, gab die Künstlerin zum Satz „Jeder ist willkommen!“ zu bedenken. Sie machte den Vorschlag beide Worte zu verwenden, dann wären tatsächlich alle angesprochen. „Sollen ja auch alle zusammen leben und sich nicht streiten“, war der einhellige Kommentar dazu. Manchmal wäre das nicht leicht, dachten die Mädchen über Situationen mit Geschwistern oder Konflikten in der Schule nach. „ Man muss eben lernen, dass jede und jeder seine Meinung haben darf“, war das Resümee der Gruppe, die ihre Friedensbotschaften als Zeichen für Vielfalt und Toleranz verstehen.

Unterstützt wurde das Projekt von der Stadt Syke und der Firma Printhaus, die die Plastikplane und Werbefläche an der Bassumer Lanstraße stifteten. Dort werden die Botschaften bis zum Jahresende zu sehen sein und hoffentlich viele Passanten zum Denken Anregen. Danach suchen die couragierten Künstlerinnen nach einem neuen Platz, denn schließlich sei die Sehnsucht nach Frieden ein Wunsch ohne jahreszeitliche Begrenzung.

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