Boulespiel

Schwung und Fingerspitzengefühl

Boule ist französischer Nationalsport. Doch auch hierzulande findet der Kugelsport immer mehr Anhänger. In Syke heißt die Boule-Abteilung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Interessierte gern willkommen.
28.07.2021, 16:37
Lesedauer: 3 Min
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Schwung und Fingerspitzengefühl
Von Sarah Essing
Schwung und Fingerspitzengefühl

Gerhard Tolle-Deike (Mitte) lässt die Kugel fliegen. Hannelore Kirmse (von rechts), Alfred Kastens, Wolfgang Sembritzki und Micha Bustian verfolgen den Flug.

Vasil Dinev

Syke. "Am besten die Kugel auf die ausgestreckte, flache Hand legen, dann die Finger drum herumschließen." Gerhard Tolle-Deike macht es vor. "Nein, der Daumen nicht. Der bleibt an der Seite", korrigiert er. "Und jetzt die Hand umdrehen und die Kugel von unten nach oben werfen." Das klingt leichter gesagt als getan. Die Kugel ist schwer, die Handhaltung ungewohnt, und dass man beim Wurf nicht aus dem kleinen Kreis treten darf, macht die Sache auch nicht einfacher. Dennoch landet der Wurf zumindest in der Nähe des kleinen "cochonnet", französisch für Schweinchen. Also da, wo er laut den Regeln des Boulespiels auch hingehört.

Boule oder besser Pétanque, wie es im Original heißt, ist französischer Nationalsport. Kein Ort kommt dort ohne ein Feld aus, auf dem Groß und Klein, Jung und Alt diesem Kugelsport frönen können. Seit 1999 lassen Mitglieder der Deutsch-Französischen Gesellschaft Syke auch in der Hachestadt die Kugeln rollen; in einer vereinseigenen Boule-Abteilung. Nach fast einem Jahr coronabedingter Zwangspause haben die Syker Boulespieler das Training nun wieder aufgenommen. "Das Spielniveau hat schon gelitten", bedauert Abteilungsleiter Werner Pfeffer die Unterbrechung. Seit Anfang Juli sind die etwa 40 Mitglieder der Gruppe froh, dass sie wieder spielen können. "Die Stadt hat unser Hygienekonzept genehmigt", freut sich Pfeffer. Zum Wiederstart dürfen auch die Redakteure des Syker Kurier eine Runde mitspielen. 

Boule wird allein, in Zweier- oder Dreierteams gespielt, Männer und Frauen gemischt. Jedes Teammitglied erhält zwei Kugeln. Diese sind aus Metall, mit unterschiedlichen Mustern verziert und schwer. 650 bis 800 Gramm, so schreiben es die Regeln vor. Ein kleiner Ball aus Holz wird zum Spielauftakt auf die Spielbahn geworfen. Ziel der Teams sei es nun, ihre Kugeln möglichst dicht an den kleinen Ball zu werfen, erläutern Tolle-Deike und Alfred Kastens. Der erste Ball des Syker Kurier schießt weit über das Ziel hinaus. "Zu viel Kraft", lautet der fachmännische Kommentar der erfahrenen Spieler, die es besser machen. Nun sind die Redakteure wieder am Zug, und zwar "solange, bis die eigene Kugel dichter am Schweinchen liegt", wie Tolle-Deike erläutert. Um dieses Ziel zu erreichen, besteht auch die Möglichkeit, die Kugel des gegnerischen Teams mit einem Treffer "wegzuschießen".

"Das ist die Aufgabe des Schießers", sagt Hannelore Kirmse. Sie wiederum ist Legerin. "Das sind diejenigen, die versuchen, ihre Kugeln möglichst nah ans Schweinchen zu bringen", erläutert sie die verschiedenen Funktionen innerhalb eines Teams. Kommt ein dritter Spieler hinzu, ist dieser "milieu", französisch für Mitte, und damit zuständig für die Funktion, die im Spielverlauf gerade benötigt wird. "Am besten ist es, vorher festzulegen, wer Leger und wer Schießer ist", erläutert Hannelore Kirmse die taktischen Feinheiten des Spiels. Die fehlen dem lokalen Redaktionsteam eindeutig. 3:13 geht das Spiel gegen die Syker Boule-Spieler verloren. Spaß hatten sie aber allemal.

"Boule ist etwas für jedes Alter", ist Pfeffer diese Erkenntnis nicht neu. Er selbst entdeckte das Spiel mit dem Eintritt in den Ruhestand. Jeder könne sofort mitspielen, sagt er. Im Gegensatz zu Golf oder Tennis seien keine langwierigen Trainingsphasen erforderlich. Natürlich mache sich auch beim Boule die Übung bemerkbar. Dennoch können selbst Anfänger gegen langjährige Spieler bestehen oder sie sogar schlagen.

Zweimal pro Woche, montags und mittwochs, wird jeweils ab 14.30 Uhr trainiert. Auf dem eigens zu diesem Zweck angelegten Platz am hinteren Ende des Edgar-Deichmann-Parks finden sich die Spieler ein. "Wir haben einen wunderschönen Platz", schwärmt Peter Bauer. Der 87-Jährige ist immer noch mit Leidenschaft dabei. Auf festem Untergrund liegt Splitt, gerade wurden neue Bänke aufgestellt. Die Pflege haben die Spielerinnen und -Spieler selbst übernommen. Abteilungsleiter Werner Pfeffer koordiniert etwa die Teilnahme an verschiedenen Turnieren. Rund zwölf waren es pro Jahr – zumindest vor Corona. In diesem Jahr sind erstmal nur die Vereinsmeisterschaften geplant. Sie finden am Sonnabend, 31. Juli, statt. "Neugierige Zuschauer sind gern gesehen", lädt Pfeffer ein. Und wer Lust hat, selbst einmal die Kugeln rollen zu lassen, ist an den Trainingstagen immer willkommen.

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