Weyhe Bovenschultes Aufstieg: Stolz und Bedenken

Weyhe. Dass Weyhes Erster Gemeinderat Andreas Bovenschulte am 5. Juni auf dem Landesparteitag zum neuen Chef der Bremer SPD gekürt wird, gilt mittlerweile als sicher. Die Politiker im Weyher Rat haben für Bovenschulte Lob parat - aber manche sehen auch Fragen.
04.06.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Hauke Gruhn

Weyhe. Dass Weyhes Erster Gemeinderat Andreas Bovenschulte am 5. Juni auf dem Landesparteitag zum neuen Chef der Bremer SPD gekürt wird, gilt mittlerweile als sicher. Wie sich aber sein Beruf als Vize-Verwaltungschef und sein Ehrenamt als Parteivorsitzender künftig vereinbaren lassen, darüber wird nicht nur in der Hansestadt diskutiert. Die Politiker im Weyher Rat haben für Bovenschulte viel Lob parat - aber manche sehen auch offene Fragen.

Wie zum Beispiel Marco Genthe. Der FDP-Ratsherr sieht mit der Doppelfunktion einige Konflikte auf Bovenschulte zukommen. 'Wenn wir an die Flugrouten denken, dann gibt es zwischen Bremen und Weyhe durchaus unterschiedliche Interessen. Als Erster Gemeinderat soll er für eine möglichst geringe Belastung der Weyher Bürger sorgen - aber die Bremer Ortsvereine werden ihm ebenfalls gehörig Druck machen.' Auch das Thema Lkw-Sperrung auf der Kattenturmer Heerstraße betreffe Weyhe indirekt. 'Da sitzt dann im Zweifel ein Diskussionspartner an beiden Tischen', befürchtet Genthe. Ein Problem sei zudem die zeitliche Belastung. 'Landeschef einer Partei zu sein, ist schon eine anspruchsvolle Aufgabe. Ich selbst kann meine Ämter als Kreisvorsitzender und Schatzmeister des FDP-Bezirks Osnabrück nur wahrnehmen, weil ich als Rechtsanwalt Freiberufler bin.'

Rein fachlich schätzt Genthe die Zusammenarbeit mit dem Ersten Gemeinderat. 'Herr Bovenschulte ist meistens sehr tief im Thema drin. Er weiß schon, was er tut - das muss man fairerweise sagen.' Politisch trennen beide jedoch Welten - siehe die Diskussion um das Weyher Leitbild im September 2009. Bei der Wahl Bovenschultes hatte sich die FDP im Februar 2007 enthalten, weil erst kurz vorher bekannt geworden war, dass Bovenschulte SPD-Mitglied ist. 'Mit seiner Person scheint uns nicht die parteipolitische Neutralität gewahrt', hatte FDP-Fraktionschef Günther Borchers seinerzeit bemängelt. Diese Gefahr sieht Marco Genthe nun erneut. Insgesamt habe er 'schwere Bedenken' ob der Doppelfunktion.Gelassener betrachtet Elmar Könemund, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Weyher Rat, die Situation. 'Herr Bovenschulte hat ein festes Arbeitsverhältnis bei der Gemeinde. Da darf er gewisse Pflichten nicht verletzen, und ich schätze ihn so ein, dass

er das auch nicht tut.' Der Parteivorsitz in Bremen sei ein Ehrenamt, betont Könemund. Er kann der Konstellation durchaus auch Positives abgewinnen. 'Der Informationsfluss könnte besser werden', vermutet der Grüne. 'Aber ich mag da auch keine genauen Vorhersagen zu treffen, wie sich das alles entwickeln wird.' Die Zusammenarbeit mit dem Ersten Gemeinderat Bovenschulte verlaufe 'alles in allem sehr positiv', so Könemund.

Bei Frank Seidel, Fraktionschef der SPD im Weyher Rat, überwiegt eindeutig die Freude über Bovenschultes Aufstieg. 'Das ist schon gewaltig, da muss man den Hut ziehen und darf ruhig ein wenig stolz sein.' Dass er nun voraussichtlich Bremer Landesvorsitzender werde, zeige, wie angesehen Bovenschulte inzwischen sei. 'Interessenkonflikte sehe ich momentan nicht', betont Seidel. 'Aber das wird sich noch zeigen.' Das Beispiel der Diskussion über die Flugrouten tauge auch nicht als 'Sollbruchstelle', so der SPD-Fraktionschef. 'Es gibt in der Sache doch überhaupt keine klare Bremer Linie - das ist dort doch bei den Stadtteilen untereinander wie ein Hahnenkampf.' Er erwarte natürlich, dass Andreas Bovenschulte als Erster Gemeinderat die Weyher Interessen vertrete. 'Aber damit hätte er dann bei den Flugrouten auch gleichzeitig einen großen Teil der Bremer hinter sich.' Das Verhältnis zwischen Bremen und Weyhe sei derzeit unproblematisch, so Seidel. 'Da werden keine Anwälte und Gerichte

bemüht, da wird miteinander gesprochen.' Bislang habe Weyhe durchaus von Andreas Bovenschultes Kontakten nach Bremen profitiert, ist er sich sicher. Dass die nötige parteipolitische Neutralität des Ersten Gemeinderates nun mit Bovenschultes wahrscheinlicher Wahl zum Bremer SPD-Vorsitzenden Schaden nehmen könnte, schließt er aus. 'Er hatte vorher ein Parteibuch - und er wird vermutlich auch in Zukunft eines haben...'

Bovenschulte als Senator?

CDU-Fraktionsvorsitzender Dietrich Struthoff hat keinerlei Probleme mit der politischen Karriere Bovenschultes. 'Ich wünsche ihm dafür viel Glück.' So wie er den Ersten Gemeinderat kenne, werde der sein Amt in Weyhe weiter gewissenhaft ausfüllen. Doch Struthoff traut Bovenschulte sogar noch mehr zu als 'nur' den SPD-Landesvorsitz in Bremen: 'Das ist doch nur der Einstieg. Wer weiß, vielleicht wird er ja bald Senator.' Es sei zwar schade, wenn Bovenschulte dann irgendwann Weyhe den Rücke kehre, aber man könne und werde ihm dann keine Steine in den Weg legen, betont Struthoff. 'Zunächst einmal gehe ich aber davon aus, dass er seine Arbeit hier fortsetzen wird.' Eine fehlende Überparteilichkeit sieht er bei Bovenschulte nicht. 'Wir sind nun einmal eine Parteiendemokratie, da kann ich niemandem verwehren, sich in einer Partei zu engagieren.'

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+