Planfeststellungsbeschluss für die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 wohl noch im zweiten Quartal BSAG rechnet mit Baustart 2012

Stuhr·Weyhe·Bremen. Wann kommt die Straßenbahn nach Stuhr und Weyhe? Mit Sicherheit kann diese Frage momentan zwar noch niemand beantworten. Doch mit einer weiteren großen Verzögerung rechnen die Verantwortlichen bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) und im Stuhrer Rathaus zurzeit nicht. Der Planfeststellungsbeschluss soll dem Vernehmen nach spätestens im Sommer stehen. Dann könnten die Arbeiten relativ zügig starten - wobei die angekündigten Klagen durchaus einen Unsicherheitsfaktor darstellen.
15.02.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Hauke Gruhn

Stuhr·Weyhe·Bremen. Wann kommt die Straßenbahn nach Stuhr und Weyhe? Mit Sicherheit kann diese Frage momentan zwar noch niemand beantworten. Doch mit einer weiteren großen Verzögerung rechnen die Verantwortlichen bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) und im Stuhrer Rathaus zurzeit nicht. Der Planfeststellungsbeschluss soll dem Vernehmen nach spätestens im Sommer stehen. Dann könnten die Arbeiten relativ zügig starten - wobei die angekündigten Klagen durchaus einen Unsicherheitsfaktor darstellen.

Jens-Christian Meyer, Sprecher der BSAG, die den Straßenbahnbetrieb übernehmen wird, zeigte sich auf Nachfrage zuversichtlich, dass bereits Anfang 2012 die ersten Arbeiten starten könnten. "Theoretisch könnte sogar schon dieses Jahr gebaut werden." Meyer glaubt nämlich nicht, dass die im Raum stehenden Klagen gegen das Projekt bauaufschiebende Wirkung hätten. "Das müssen natürlich die Gerichte entscheiden. Aber für einen Aufschub müssten schon elementare Gründe gegeben sein", betont Meyer. Das habe sich bereits bei den gescheiterten Klagen gegen die Linie 4 gezeigt.

Mit einer Inbetriebnahme der Linie 8 und eines Teilstücks der Linie 1 zwischen Willakedamm und Roland-Center rechnet Meyer "für 2013" - genauer könne er das noch nicht abschätzen. Als reine Bauzeit für die Linie 8 auf der BTE-Strecke gibt Meyer "gut ein Jahr" an. "Es muss trotz vorhandener Trasse alles angefasst werden." Das fehlende Teilstück der Linie 1 zur Verbindung mit der Linie 8 könne voraussichtlich relativ kurzfristig gebaut werden. Eine Weiterführung der Linie 1 über die Heinrich-Plett-Allee in Huchting scheine aber eher für 2015 realistisch, so Meyer.

Im Stuhrer Rathaus gibt man sich bezüglich der Zeitplanung für den Start der Linie 8 zurückhaltender. "2013 halte ich für eher unwahrscheinlich", erklärte Ursula Konieczny, die das Projekt seit Jahren auf Seiten der Gemeinde begleitet. "Wir hängen auch stark davon ab, wie schnell das Planfeststellungsverfahren in Bremen läuft." 2014 sei eine realistischere Jahreszahl für die Inbetriebnahme der Linie 8 in Stuhr und Weyhe. Generell ist man offenbar vorsichtiger geworden mit Prognosen im Rathaus. 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015 - viele Zahlen schwirrten und schwirren zur Straßenbahnlinie durch den Raum.

Den Hauptgrund für die Verzögerungen in der Vergangenheit sieht Konieczny in dem "sehr komplizierten Verfahren". Die Vereinbarungen hätten Zeit in Anspruch genommen, dazu die technische Umsetzung. "Da kommt eins zum anderen." Konieczny rechnet aber wie BSAG-Sprecher Meyer mit einem Planfeststellungsbeschluss von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr noch im zweiten Quartal. "Wir vermuten, dass wir den Beschluss im April oder Mai bekommen", sagt Konieczny. Rund 100 Einwendungen müssten bei dem Verfahren berücksichtigt werden. Einige Vorschläge seien bereits eingearbeitet worden, etwa eine verlängerte Abbiegespur von der Kirchhuchtinger Landstraße in die Varreler Landstraße oder eine zusätzliche Lärmschutzwand an der Wohnbebauung Lärchenstraße.

Bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr gibt man sich zum laufenden Planfeststellungsverfahren derzeit eher zugeknöpft. "Wir befinden uns noch im Verfahren, und es sind auch noch nicht alle Unterlagen da", erklärte Verfahrensleiter Jan Biewald auf Nachfrage unserer Zeitung. Wichtig sei, dass ohne einen Beschluss auf Bremer Seite der Bau nicht starten könne. "Und wir kennen die Bremer Unterlagen nicht." Und wann kommt der Beschluss für den niedersächsischen Teil der Linie 8? Biewald vorsichtig: "Bis Mitte des Jahres peilen wir das an."

Die noch fehlenden Unterlagen sind den Straßenbahngegnern vom Verein "Aktiv" seit Langem ein Dorn im Auge. Dabei geht es um Untersuchungen zu den Siedlungsstrukturen und den Pendlerbeziehungen zwischen Bremen und den Umlandgemeinden. Eine solche Bedarfsanalyse sei "unabdingbare Voraussetzung für die Beurteilung der grundsätzlichen Erforderlichkeit einer Straßenbahnlinie", heißt es in einem Schreiben des Vereins an die Landesbehörde in Hannover vom 16. Dezember 2010.

BSAG-Sprecher Meyer erklärte dazu auf Nachfrage, dass die Übermittlung noch fehlender Zahlen und Daten bereits seit einiger Zeit laufe. Es müsse aber noch einiges überarbeitet werden, von daher könne er zurzeit auch keine neuen Fakten nennen. "Nachbesserungen sind bei solchen Verfahren aber keine Besonderheit", betont Meyer.

Überall halbe Schranken?

Mit dem Planfeststellungsbeschluss könnte in einigen Monaten auch feststehen, wie die genaue Regelung an den Bahnübergängen entlang der Linie 8 in Stuhr und Weyhe verläuft. "Es werden wohl fast überall Halbschranken errichtet", teilt Ursula Konieczny mit. Der Grund: "Ganze Schranken müssten immer unter Aufsicht stehen, weil jemand eingesperrt werden könnte." Bei Halbschranken bleibe hingegen eine Fluchtmöglichkeit. Keine Beschrankung war zunächst für die Übergänge Hespenstraße und Studtriede vorgesehen, so Konieczny. "Weil das Verkehrsaufkonmmen dort geringer ist", erläutert die Planerin. Die Gemeinde Stuhr habe mittlerweile aber angeregt, auch diese Übergänge mit Halbschranken zu versehen, da sie auf Schulwegen lägen.

Der Verein Aktiv will sich derweil nicht geschlagen geben und die Straßenbahn weiter verhindern. Er wirft Stuhrs Bürgermeister Cord Bockhop vor, nicht auf ein Schreiben des von Aktiv beauftragten Gutachters Professor Jürgen Deiters geantwortet zu haben. Dieser hatte nach Angaben der Aktiv-Vorsitzenden Monika Kannowski versucht, bei der Firma Intraplan Consult wegen angeblicher Ungereimtheiten bei der Standardisierten Bewertung (die über die Förderwürdigkeit des Projektes entscheidet) nachzufragen. Die Firma habe jede Auskunft gegenüber Dritten abgelehnt. Deiters bat daraufhin Bockhop, Intraplan Consult mit der Aufklärung des aus seiner Sicht fraglichen Sachverhalts zu beauftragen. Bislang laut Aktiv ohne Antwort.

Dem widerspricht Bockhop. Das Schreiben sei am 2. Februar bearbeitet und die Antwort am 8. Februar per Post abgeschickt worden. "Man muss uns schon zubilligen, dass wir bei komplexen Themen Fachleute hinzuziehen müssen", so Bockhop, "da kann eine Beantwortung schon einmal etwas dauern." Weitere Untersuchungen durch Interplan Consult seien zudem nicht notwendig, so Bockhop.

Ob Mitglieder des Vereins Aktiv wie erwartet gegen den möglichen Planfeststellungsbeschluss klagen werden, lässt Vorsitzende Monika Kannowski derweil offen: "Wir warten erst mal die Entwicklung ab."

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