Buchprojekt

Neu entdecktes Lebensgefühl

Mit einem Buch und einer CD erfüllt sich Christian Gerds einen Traum. In beidem stehen die Erlebnisse und Erfahrungen des Sykers bei einem Brasilien-Urlaub im Fokus.
20.12.2020, 13:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Rita Behrens

Syke. 20 „Miniaturen aus einem riesigen Land“ hat Christian Gerds gerade noch pünktlich zur Vorweihnachtszeit unter dem Titel „Flamengo“ veröffentlicht. Sie zeigen ein in der Fremde neu entdecktes Lebensgefühl. Der Einband des Buches und der CD laden geradezu ein, sich auf die Spuren der Erzähler und Figuren zu begeben. Wer es zur Hand nimmt, dem fallen sicherlich zuerst die beiden Personen mit ihren pinkfarbenen Schirmen auf. Wer ihren Blicken folgt, sieht auf das „Museum der Zukunft“ in Rio de Janeiro. „Kleine Situationen und Begegnungen“, so formuliert es der Autor und Musiker, „die doch die Augen öffnen und unvorhergesehene Lichtblicke bieten“, werden dargestellt. So bestehe die Möglichkeit, sich zumindest auf eine mentale Reise nach Brasilien einzulassen.

Innerhalb von zwei Jahren gelang es dem Syker, sein Projekt mit Unterstützung des Oldenburger Schardt-Verlages adäquat zu verwirklichen. Zuvor jedoch hatte er den eigenen „Abenteuer-Urlaub in Brasilien“ im Herbst 2016 in einem Tagebuch und anhand vieler Fotografien dokumentiert. Die Auswahl des Bildmaterials für das Buch erfolgte intuitiv. Die Fotos sind den vier Kapiteln „Wunder“, Wahrnehmungen“, „Wechselspiel“ und „Was bleibt?“ vorangestellt. Sie stimmen ebenso wie das Titelbild wirkungsvoll auf die Texte ein. Die lateinamerikanische Kultur und die Natur Brasiliens wirkten auf den Reisenden nachhaltig. Die Kombination von Text, Bild und Musik vermittelt multimedial die erlebte Fremde. Doch nicht nur die äußeren, sondern auch die inneren „unentdeckten oder vergessenen Welten“ werden erfahrbar.

Insofern offenbart sich insgesamt auch eine Spiegelung der Reise des Verfassers zu sich selbst. Es liege „kein Reisebericht vor“, betont Christian Gerds. Gleichwohl wird die Leserschaft mit der literarisch-fiktionalen und musikalischen Verarbeitung des Erlebten konfrontiert. Es geht dabei nicht um die klischeehafte Darstellung eines verloren gegangenen, ursprünglichen Paradieses. Der Autor weiß: „Sogar die Wahrnehmung der Natur kann verschoben sein.“ Ihre Beschwerlichkeit zeige sich dem Touristen bei einer Hitze von 35 Grad anders als in einer idealisierten Vorstellung. „Man erlebt eine unglaubliche Ruhe, doch auch Strapazen sind damit verbunden.“ – Ein eigenartiges, auch zwiespältiges Naturerleben spiegelt er etwa in der Geschichte „Alle Fenster offen“. Anderweitig zeigt sich das Unerwartete, das Störende während eines Konzerts, lyrisch aufbereitet, im „Teatro Amazonas“.

Flamengo steht quasi als Synonym für eine andere facettenreiche und sinnliche Welterfahrung. Leser können sowohl über die Figuren und Erzähler dieser nachspüren. So könnten sie sich selbst der „Sehnsucht nach einem anderen Leben“ bewusst werden, erklärt der Urheber. „Man spürt sich selber, auch die Sorge, dass das Flamengo durch die Zivilisation verloren geht“, fügt er hinzu. In all den zusammengestellten Miniaturen finde „derjenige, der offene Augen für die kleinen wesentlichen Dinge hat, einen flamingofarbenen Faden“.

Kein Wunder also, dass Christian Gerds „ein gewisser Stolz“ erfüllt, wenn er sein Buch aufschlägt. Seit 1996 lebt er mit seiner Frau und zwei Söhnen in Henstedt. Bereits im Oktober 2019 hatte er sich mit einigen poetischen und literarischen Texten und Liedern im Barrier Buchcafé Seitenblick erfolgreich vorgestellt. Im Elternhaus in Berlin nahm die Musik bereits in seiner Kindheit und Jugendzeit eine relevante Rolle ein. Die Mutter war Musiklehrerin. Verschiedene eigene musikalische Aktivitäten prägten die künstlerische Entwicklung des heutigen Sykers. Dem Zeitgeist folgend analysierte er mit dem Bruder gemeinsam etwa Beatles-Songs oder Folkmusik, um sie nachzuspielen oder zu improvisieren. Mitte der 1970er-Jahre verknüpfte sich sein Interesse an lateinamerikanischer Musik mit politischer Solidarität („Musik für Chile“). Ein Auftritt an einem Konzertabend an der Hochschule für Künste in Westberlin und „erste Entwürfe für eigene Lieder“ prägten diese Phase.

An der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg studierte Gerds ab 1979 Musik und Sport. Später war er sieben Jahre als Gitarrenlehrer tätig, privat und an der Oldenburger Familienbildungsstätte. Zeitgleich wirkte er in diversen Musikgruppen in der Region Oldenburg/Bremen mit. Seit 1991 arbeitet er Lehrer, seit 2018 an der OBS Schwaförden, zuvor in Bassum und Syke. Zwischenzeitlich nahm er Unterricht für Stimm- und Gesangsausbildung, auch Einzelunterricht bei Mechthild Hettich. Trat danach (2005 und 2006) als Solist mit poetischen Liedern auf. Mit dem Ziel, sich literarisch zu etablieren, besuchte der Liedermacher mehrere Schreibkurse. Insbesondere für die Seminare bei Uta Löffler („Textwerk“) sowie deren professionelles Lektorat seiner eigenen Entwürfe zu „Flamengo“ ist er dankbar. Ein kurzer Blick in die Zukunft: Ein neues Projekt, ein Roman, ist bereits in Arbeit. Auch Lesungen mit Musik bleiben ein anvisiertes Ziel des 61-jährigen Künstlers.


Das Buch und die CD sind über die Homepage von Christian Gerds – www.christiangerds.de – und im örtlichen Buchhandel erhältlich. Das Buch „Flamengo“, kostet 14,80 Euro; die CD 15 Euro.

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