Bassumer Medaille für Waltraut Niehaus Bücher sind ihre Leidenschaft

Büchern kann sie nicht viel anfangen. Aber das mache nichts, sagt Waltraut Niehaus, denn bei der Auswahl der Bücher für die Bassumer Bibliothek bekommt sie Unterstützung einer Kollegin.
07.04.2015, 00:00
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Bücher sind ihre Leidenschaft
Von Eike Wienbarg

Die skandinavischen Krimis sind nicht ihr Fall, auch mit den von vielen Jugendlichen favorisierten Fantasy-Büchern kann sie nicht viel anfangen. Aber das mache nichts, sagt Waltraut Niehaus, denn bei der Auswahl der Bücher für die Bassumer Bibliothek bekommt sie Unterstützung einer Kollegin.

„Der persönliche Geschmack muss zurückgestellt werden“, erklärt der gute Geist der Bassumer Bücherei. Trotzdem ist Waltraut Niehaus aus der Bücherei seit 28 Jahren nicht mehr wegzudenken. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde die 76-Jährige nun mit der Bassumer Medaille geehrt.

Eines ist Waltraut Niehaus sehr wichtig: Die Bücherei funktioniert nur im Team. Ingesamt zehn ehrenamtliche Mitarbeiter sind in Bassum tätig, um die Bürger mit Büchern zu versorgen. Gemeinsam werden Einsatzzeiten besprochen, je nach den Möglichkeiten der Ehrenamtlichen. „Ein sehr guter Zusammenhalt ist nötig“, erklärt Waltraut Niehaus.

17.000 Ausleihen pro Jahr muss das Bücherei-Team bewältigen. Die Kundschaft setzt sich vor allem aus Frauen mit kleinen Kindern und Rentnern zusammen. „Deswegen haben wir auch nur einen kleinen Sachbuchbestand und dafür mehr Belletristik und Kinderbücher“, sagt Niehaus.

Ihre Affinität zu Büchern hat Waltraut Niehaus schon seit ihrer Kindheit. „Mein ganzes Leben lang habe ich gern gelesen“, berichtet sie. Schon als kleines Mädchen habe sie sich gerne zum Lesen zurückgezogen. Damit erklärt sie auch die Wahl ihres Ehrenamts. Als sie die Anzeige in der Zeitung las, dass die Bassumer Bücherei Hilfe suchte, meldete sie sich spontan. „Das würde als Ehrenamt passen“, dachte Niehaus sich damals.

Mit der Bücherei machte Waltraut Niehaus schon in den ersten Jahren bewegte Zeiten mit. Als Niehaus anfing, war die Bibliothek noch in der Grundschule an der Mittelstraße untergebracht. 1995 folgte der Umzug in das städtische Gebäude an der Kirchstraße.

2001 stand der Wechsel in die Räume neben dem Bürgerservice an. Dort musste die Bücherei ein wenig zusammenrücken. „Wir haben nur Platz für den Büchereibetrieb und kein Platz für Lesungen“, erklärt Niehaus mit ein wenig Wehmut. Am Anfang sei der Bücherei keine große Chance eingeräumt worden. Aber alles habe sich eingespielt.

Auch privat gab es für Waltraut Niehaus schon schwierige Zeiten. Die 1938 bei Danzig Geborene kam im Jahr 1945 mit ihrer Familie nach Sachsen-Anhalt und begann später in Ost-Berlin ein Landwirtschaftsstudium. 1961 floh sie aus der damaligen DDR nach Gießen. Grund war die damals beginnende Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Diese bekam Niehaus als Studentin direkt mit, da sie zusammen mit Funktionären auf die Höfe musste. „Da konnte ich meine Zukunft nicht drauf aufbauen“, erklärt Niehaus ihre Flucht.

In Gießen studierte sie weiter und lernte dort auch ihren Mann kennen. Eine Promotion und der Umzug nach Bassum folgten. Zunächst arbeitete Waltraut Niehaus in der Landwirtschaftskammer in Hannover. Als ihre Kinder zur Welt kamen, entschloss sie sich, zu Hause zu bleiben. „Wie es in den 1960er-Jahren so war“, sagt sie heute. Um trotzdem einer Tätigkeit nachzugehen, heuerte sie in der Bücherei an.

Die Tätigkeiten der Ehrenamtlichen in der Bibliothek nahmen in den vergangenen Jahren stark zu, sagt Niehaus. Mit der EDV, E-Books oder der Fernleihe seien die Mitarbeiterin trotz guter Kooperation und Aufgabenteilung mittlerweile ein wenig überfordert. „Wir haben nur eine Kollegin, die sich gut mit der EDV auskennt“, berichtet Niehaus. Diese Tatsache hat die Stadt Bassum nun zu neuen Überlegungen gebracht.

„Wir haben festgestellt, dass die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen stoßen“, erklärt Bassums Bürgermeister Christian Porsch. Um den Ehrenamtlichen unter die Arme zu greifen, hat die Stadt deswegen eine Halbtagsstelle für den Job in der Bücherei ausgeschrieben. Laut Porsch solle bis spätestens Ende Mai eine Kraft gefunden sein.

Waltraut Niehaus freut sich über professionelle Unterstützung. Sie wünscht sich auch eine gute Zusammenarbeit. Aber ans Aufhören denkt die Ehrenamtliche nicht. Trotzdem: Sie sieht selbst ein, dass sie nicht alles allein leisten kann – zum Beispiel den Kontakt zu Kindergärten oder Schulen, den Niehaus für sehr wichtig hält.

Wenn die Stelle besetzt wird, hat Waltraut Niehaus dann auch mehr Zeit für ihre Freizeit. Dort steht vor allem ihre Familie mit ihren zwei Kindern und vier Enkelkindern im Vordergrund. Oder ein gutes Buch.

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