Open-Air-Theater Der weibliche Blick

Das Bremer Tourneetheater bietet mit dem Projekt "Cats on Fire" einen Theaterabend von Frauen, mit Frauen, für alle. Im Syker Vorwerk begeisterte es mit kontrastreichen und spannenden Szenen.
02.09.2021, 21:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss

Syke. Für einen mal ganz anderen Theatergenuss im Freien sorgten am Mittwochabend fünf darstellende Künstlerinnen im Garten des Syker Vorwerks. Open-Air, bei leicht kühlen Temperaturen, aber immerhin trocken, konnten die Besucher bei einer Handvoll kleiner Spielstätten diverse ungewöhnliche Aufführungen erleben. Erlebnisse aus dem weiblichen Blickwinkel, betrachtet und umgesetzt mit Nachdenklichkeit und Humor in Farben, Formen, Dekorationen und Klangwelten von den Solokünstlerinnen Barbara Begerow, Silke Bollhorst, Marion Minetti, Tinka Klindtwort und Nomena Struß.

Bis es dahin kam, erhielten beim Eingang alle Gäste, sowohl männliche als auch weibliche, verschiedenfarbige Bändchen mit Bildchen und darauf eine Nummer: beispielsweise Gruppe 3 mit dem Foto einer roten Katze mit offenem Maul, feuerspeiend – aha! Da ist ja der Titel der Darbietung: „Cats on fire“, zu Deutsch Katzen in Flammen oder im übertragenen Sinn, Katzen mit Feuer.

Nach einer musikalisch-textlichen Begrüßung, gesprochen mit hoher Geschwindigkeit von Organisatorin Sissi Zängerle, ordnete sich also jeder der farblich entsprechenden Gruppe sowie einer Guidess zu. Die Guidess war der gegenderte Guide, sie diente als Führerin und Erklärerin zu den folgenden kurzen –  manchmal gerade zwölf Minuten langen – Erlebnissen an den verschiedenen Spielorten.

Und los ging's mit großen Schritten auf verschlungenen Wegen. „Ich wusste gar nicht, dass der Park um das Vorwerk so groß ist“, meinte eine Teilnehmerin. Die Gruppen verloren sich schnell aus den Augen, jede in eine andere Richtung zu kleinen verwinkelten Plätzen. Wer wo startete, spielte ohnehin keine Rolle, denn man landete immer beim ersten Aufführungsort. Gruppe 3 also bei Nomena, die sie hinter Büschen unter einem weißen Segel erwartete. Gartenliegen mit Decken standen für die Gruppe bereit, dazu der Hinweis, man könne hier ausruhen, entspannen. Die Musik, die Nomena Struß dazu ausgewählt hatte, passte ebenso wie ihre mit tiefer Stimme gesprochenen Erläuterungen: „Lasst uns ein klein wenig träumen …“. Bis zu ihrem plötzlich krassen, lauten „Eile mit Weile.“ Dazu hielt sie ihre linke Hand hoch, auf der zwei Weinbergschnecken wahrscheinlich genau das probten. Nomena Struß entführte mit einem Flashback ins Jahr 2020 und ihre Erfahrungen damit.

Doch es blieb kaum Zeit zum Nachdenken, schon ging's wieder weiter zu Tinka Klindtwort und deren Motto: „Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden“, führte die Guidess zum nächsten Spielort über. Und tatsächlich drehte sich viel ums Spielen. Es wurde im Kontrast zu vorher laut und bewegt. Darauf folgte wieder der Kontrast bei Barbara im Seilkreis mit ihrem Thema Verbundenheit. Rote Farbe als herausragendes Element bei Akteurin Marion und ihrer amüsant-komischen  Performance „Frau sein dürfen …“.

Ganz in weiß hingegen präsentierte sich Silke, die ihren Ort beim Gewächshaus aus recycelten Fenstern des Vorwerks gefunden hatte, für ihre Darstellung von Schönheit. Dieses Fazit zur „schillernden, lodernden, fragilen Kraft unserer Weiblichkeit“ und den krönenden musikalisch-poetischen Abschluss sowie den Rest des hier nicht aufgelösten Geschehens können Interessierte und Neugierige noch erleben: Für die Aufführung am Freitag, 3. September, 19 Uhr gibt es noch Tickets. Sie sind erhältlich bei Nordwest-Ticket und an der Abendkasse des Vorwerks, Am Amtmannsteich 3.

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