Syker Vorwerk

Chi sa, chi sa – wer weiß, wer weiß?

Wer weiß, wie viele Menschen die neue Ausstellung im Syker Vorwerk besuchen werden? Wer weiß, mit welchen Impressionen sie wieder herauskommen. Wer weiß, wer weiß? Chi sa, chi sa?
11.08.2018, 09:45
Lesedauer: 2 Min
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Von Lena Mysegades
Chi sa, chi sa – wer weiß, wer weiß?

Nicole Giese-Kroner (links) und Johanna Adam vor dem Naturhaus; hinter ihnen die Beckettsche Textfläche.

Janina Rahn

Syke. Wer weiß, wer weiß, wer weiß: Die Ausstellung "chi sa chi sa chi sa" der beiden Künstler Simon Hehemann und Stefan Vogel spielt bewusst mit dem Nicht-Gewussten. Chi sa heißt auf italienisch "wer weiß". Wer durch die Ausstellung der beiden jungen Künstler wandert, wird danach nur wissen, dass wir nichts wissen können. Der dreiwöchige Aufbau der Installationen von Hehemann und Vogel im Vorwerk in Syke ist bald abgeschlossen: Am Sonntag, 12. August, ab 12 Uhr eröffnet die Ausstellung. Johanna Adam und Nicole Giese-Kroner haben die Ausstellung gemeinsam kuratiert. Beide Künstler haben an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg studiert.

Die Ausstellung ist wie ein Pacours angeordnet. „Trotzdem die Künstler keine bestimmte Richtung vorgeben wollen, ist eine bestimmte Durchgehensweise schon von ihnen angedacht“, sagt Nicole Giese-Kroner. Zuerst ist da ein aus Tunnel aus Netz und Gips, durch den die Besucher gehen und dabei in verschiedene Zustände aus Bewusstsein und Unbewusstsein versetzt werden. Und am Ende des Tunnels ist dann ein Licht.

Im zweiten Teil des Parcours angelangt, sieht der Ausstellungsbesucher einen Waldraum, in dem eine mit Baumästen gebaute Behausung steht. Dahinter ist eine Becketsche Textfläche: Samuel Becket, der berühmte Schriftsteller, ist bewusst von Hehemann gewählt worden, da der Autor in seinem Buch „Wie es ist“ eine freie Textfläche kreiert hat, die ein selektives Lesen beim Rezipienten auslöst. Wie es ist, ist kein klassischer Roman, sondern ein Buch, bei dem der Leser frei ein- und wieder aussteigen kann.

Da stehen Worte aus Beckets Text wie Farbe oder Dreck, die dann Farbe des Drecks im Dreck ergeben, wenn der Betrachter weiter liest. „Die Künstler haben hier bewusst die Wörter gewählt, die künstlerische Materialien sind", meint Adam. Am Waldhäuschen ist auch eine Klingelinstallation angebracht: Sie kann auch betätigt werden. Wer wohnt hier denn? „Niemand Konkretes“, ist die Antwort von Adam. Auf den Klingeln stehen vielmehr Titel vergangener Ausstellungen und Projekte der Kunstschaffenden – wie zum Beispiel Loco Motion. In der Behausung liegt eine körperliche Hülle aus Gips, die das Ich, das im Körper wohnt, darstellen soll. Auch hier ist wieder eine Assoziation zum Schriftsteller gewollt. Denn auch Samuel Becket hat sein Ich als „Ich in drei Buchstaben“ zusammengefasst. Hier zeigt sich, wie wichtig, den beiden Künstlern die Malerei mit Wörtern ist – die sogenannte Dada-Poesie, die bestimmte Bilder im Kopf der Betrachtenden erzeugt.

Der dann folgende Teil der Installationsräume zeigt einen Vogel, genauer einen Fasan, der durch ein Guckloch in eine erleuchtete Hülle blickt. „Der Fasan hat den Tunnelblick“, wie Adam sagt. Auf ihm liegen Spaghetti, die sich auch immer wieder durch die Ausstellung ziehen. Adam weiß weiter, dass die Spaghetti für Gedankenfäden stehen. „Gedanken, die sich immer ändern. Kein Gedanken ist wie der andere,“ erzählt die Bonner Kuratorin.

Und dann ist da noch der „Gedankenraum“, in dem Papierkügelchen am Boden und an der Wand kleben. Sie stehen für kreisende Gedanken. In diesem Raum zu sehen ist auch eine mit Vaseline gefüllte Badewanne. Der Gedankenraum ist wieder von einem Gips-Tunnel aus zu sehen. Am Ende des Tunnels ist dann – Überraschung – wieder der Fasan. Dann kommt eine Gipsinstallation, von der eine Kugel gegen den Uhrzeigersinn hoch und runter läuft. „Hier sieht man auch die Freunde am Spiel der beiden“, sagt Adam. Über der Installation schwebt ein geplatzter Autoreifen. Er hat etwas urknallartiges. Der Reifen erinnert wieder an einen Vogelflügel. Beckett wiederum wurde als vogelköpfiger Ire bezeichnet. Die Ausstellung lässt Analogien zu. Wer sie besucht, kann diese für sich selbst entdecken: Die Ausstellung ist vom 12. August bis zum 14. Oktober im Vorwerk in Syke zu sehen.

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