Spielplätze wieder geöffnet

Der Ansturm bleibt aus

Die Spielplätze sind wieder geöffnet. Doch anstatt mit lautem Johlen Schaukeln und Rutschen zu stürmen, blieb der Ansturm aus. Ein Bericht aus Syke.
10.05.2020, 16:52
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Karsten Bödeker
Der Ansturm bleibt aus

Bianca Schmidt aus Syke und ihre Enkeltochter Mia waren einige der Besucher, die an diesem Wochenende auf dem Waldspielplatz zum Toben waren.

Vasil Dinev

Endlich wurde Wald-Emma mal wieder gebraucht. Mia, mit der ganzen Erfahrung ihrer dreieinhalb Jahre, stand auf dem Führerstand der hölzernen Lokomotive auf dem idyllischen Spielplatz in der Syker Westermark. Mia war eins der Kinder, die am ersten Wochenende nach der offiziellen Spielplatz-Wiedereröffnung zum Toben hergekommen waren. Denn auch Spielplätze waren, wie alles in diesen Wochen, ein coronabedingtes Thema. Mehr oder weniger professionell gestaltete Schilder hatten das Spielverbot im öffentlichen Raum signalisiert. Nun sind die Schilder weg und die Kinder wieder da – zumindest auf einigen Spielflächen. Denn so gut besucht wie die fußballfeldgroße Freifläche im Wald waren nur die wenigsten Spielplätze. Ein Blick auf einige der nun wiedereröffneten Spielanlagen in der Hachestadt am Sonnabend zeigte nur wenige Kids im Sand und auf den Spielgeräten.

Auf der Spielfläche am Suurend schaukelten die Schaukeln noch, die Kinder aber waren gerade gegangen. Im Europa-Garten spielte ein Kleinkind im Sand und zwei Teenagerinnen saßen auf der Bank. Die kleinen Spielplätze am Mühlenteich und westlich der Sulinger Straße lockten immer mal wieder ein paar Gäste an. Vielleicht müssen sich die Kinder in den Baugebieten erst wieder an die Spielplätze gewöhnen, vielleicht sind Spielplätze – zumal sowieso nur für bis Zwölfjährige attraktiv – angesichts anderer Aktivitäten in einer Stadt wie Syke gar nicht mehr so angesagt. „Das ist in Großstädten wohl anders“, mutmaßte eine Mutter.

Angesagt ist der Waldspielplatz dagegen fraglos, und angesagt ist auch der Wald. Denn schon in den vergangenen Wochen waren erstaunlich viele Eltern mit Kindern zum Spaziergang zwischen Buchen und Tannen unterwegs. Ans Verbot hielten sich die Menschen sogar auf dem Waldspielplatz. Den besuchte nicht die normale Laufkundschaft, sondern er ist oft das Ziel von kleinen Ausflügen. Ob mit Rad oder mit Auto. Ein bisschen Verpflegung war dann auch im Korb dabei.

Beatrix Rank war aus Kirchweyhe gekommen und hatte Enkelin Lilly sowie deren Freundin Charleen mitgebracht. Lilly blies Seifenblasen und berichtete von ihrer besten Freundin Mara, die sie zwischendurch mal gesehen habe. Dann sprang die Siebenjährige auch schon wieder auf, schließlich gab es im Wald gleich drei Rutschen, Sandkiste, Lokomotive, Holzhaus und Schaukeln zu entdecken. „Und die Seilbahn. Die ist das Highlight“, ergänzte Charleen. Die Elfjährige findet den Waldspielplatz richtig toll. Mit ihrer besten Freundin Milina hatte sie in den jüngsten Wochen immer mal per Video gechattet. „Wir haben zum Glück einen großen Hof“, sagt Beatrix Rank, bei der Lilly in Pflege lebt. „So richtig toben ging nicht.“ Fernsehen und Basteln standen öfter auf dem Programm als zur Schulzeit. Charleen erklärte: „Ich hab mich sogar ein bisschen eingesperrt gefühlt."

Auch Lokführerin Mia hatte einen für Kindergartenkinder großen Ausflug hinter sich. Denn sie lebt in Berne, war aber bei Oma Bianca Schmidt zu Besuch. „Wir haben zwar in Schnepke einen Spielplatz vor der Tür, aber hier ist es schöner", erzählt die Großmutter. Mia verriet, dass sie am liebsten rutsche. Zum Glück gibt es in der Westermark nicht nur Rutschen für die richtig Großen, also für die Grundschulkinder, sondern eben auch eine für kleinere Kinder und Dreijährige. „Wir haben zuletzt schon weniger Kontakt gehabt, das ist nicht schön. Und das Telefon kann das nicht ersetzen“, sprach Bianca Schmidt vielen Großeltern sicher aus dem Herzen. „Am meisten fehlt mir, dass ich meine Enkel nicht in den Arm nehmen kann.“

Auch wenn sie keine übermäßige Angst vor Corona habe, halte sie sich an das Abstandsgebot, soweit es eben mit kleinen Kindern gehe. Beim Einkauf habe Mia sogar einen Mundschutz getragen. „Ich habe ihr das erklärt und dann war das okay“, sagte die Großmama. „Wir müssen die Regeln beachten, uns aber nicht verrückt machen.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+