Dehoga fordert Öffnungsperspektive

Protestaktion der Gaststättenbetreiber in Syke

Rund 50 Angestellte und Zulieferer der regionalen Gastronomie haben sich am Montagmorgen vor dem Syker Kreishaus versammelt. Sie fordern eine verlässliche Öffnungsperspektive für ihre Betriebe.
01.03.2021, 17:52
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing
Protestaktion der Gaststättenbetreiber in Syke

Rund 50 Mitarbeiter und auch Zulieferer der regionalen Gastronomie versammelten sich vor dem Syker Kreishaus, um ihre Forderungen deutlich zu machen.

fotos: Vasil Dinev

„Wir können. Wir müssen. Lasst uns öffnen!“ Unter diesem Motto versammelten sich am Montagmorgen rund 50 Demonstranten aus dem Hotel- und Gaststättenbereich vor dem Kreishaus in Syke. Die drei Kreisverbände des Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) aus der Grafschaft Hoya, Diepholz-Sulingen und Nienburg hatten am Freitag auf Initiative des Landes- und Bundesverbands zur Demonstration aufgerufen. Bundesweit wurde an diesem Tag eine gemeinsame Petition an Vertreter der Politik überreicht. „Wir sitzen alle in einem Boot und solidarisieren uns in dieser Zeit“, sagten die drei Vorsitzenden der jeweiligen Kreisverbände, Andree Meyer, Wilhelm Nordloh und Friedrich-Wilhelm Gallmeyer, zu dieser Gemeinschaftsaktion. In der Petition fordern Gastwirte, Hoteliers und Restaurantbetreiber eine verlässliche Perspektive zur Öffnung für das Gastgewerbe. Sie soll die zuständigen Personen vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch erreichen.

Das Gastgewerbe befinde sich seit März 2020 insgesamt seit nunmehr 25 Wochen im Lockdown, führte Andree Meyer, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Grafschaft Hoya, aus. Dazwischen habe es zwar Phasen der Öffnung gegeben, doch unter „wahnsinnigen Bedingungen“, die betriebswirtschaftlich schwer zu verkraften waren. Für die zumeist familiär geführten Betriebe sei das schlichtweg katastrophal, betonte er. Rücklagen sind mittlerweile aufgebraucht, Überbrückungskredite verbraucht. Soforthilfen und Überbrückungsgelder gebe es zwar, doch sie kommen häufig zu spät und reichen längst nicht aus, um alle Einbußen und die weiterlaufenden Kosten aufzufangen. „Das geht an die Substanz“, sagte er unter dem Beifall der Anwesenden. Mit Topfdeckeln und Rasseln bekundeten die Angestellten und Zulieferer lautstark ihre Zustimmung.

Vieles sei zudem nicht nachvollziehbar, so Meyer weiter. So habe es im Gastro-Bereich keine Infektionen gegeben, dennoch dürfen Gaststätten und Restaurants nicht öffnen. Unterschiedliche Auflagen in den einzelnen Bundesländern stoßen auf Unverständnis und immer noch herrsche Unklarheit darüber, was erlaubt ist und was nicht. „Wir Gastwirte sind es nicht gewohnt, abends in der Stube zu sitzen“, sagte Meyer. „Wir wollen unser Geld selbst verdienen, nicht auf Förderungen angewiesen sein.“

„Wir sind am Ende unserer Kraft“, unterstrich auch Annette Arndt, zweite Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands Grafschaft Hoya, beim Verlesen der Petition. Und als ob das noch betont werden müsste, kippte in diesem Moment einer der Dehoga-Aufsteller mit Werbung für den Gastrobereich um. Annette Arndt verwies auf die vielen tausend Mitarbeiter der Branche – die Dehoga beziffert sie auf 200.500 inklusive rund 4800 Auszubildenden – die mit ihren Betrieben leiden und seit Monaten in Kurzarbeit sind. „Sie mussten beträchtliche Einkommenseinschnitte verkraften“, verlas sie aus der Petition. Eine der Anwesenden machte zudem auf den menschlichen Aspekt aufmerksam – nicht nur für die Angestellten, sondern auch all diejenigen, denen der soziale Aspekt eines Gaststätten- oder Restaurantbesuchs fehlt. „Es ist Zeit, für diejenigen etwas zu tun, die nicht krank sind“, fand sie.

Der Landtagsabgeordnete Volker Meyer (CDU) nahm die Petition auch im Namen von Landrat Cord Bockhop und des Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig entgegen, die andere Termine wahrnehmen mussten. „Ich kann Ihren Frust verstehen“, sagte Meyer. „Ich kann ihn aber nicht wegnehmen.“ Allerdings sei er wie die Dehoga der Meinung, dass sich die Öffnung nicht mehr nur an Inzidenzen und R-Werten orientieren dürfe. Er stimmte zudem zu, dass mit den Öffnungen nicht bis zum Sommer gewartet werden könne. „Das belastet nicht nur die Gastronomie sondern auch andere Bereiche.“ Darum setze er seine Hoffnungen ebenfalls auf die Impfungen und stellte in Aussicht, dass diese im zweiten Quartal deutlich an Fahrt aufnehmen könnten.

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