Nachbarschaftshilfe

„Buddies“ helfen gern

„Wir helfen gern!“, dachten sich Jaqueline und Mario Wohlgemuth aus Syke im Frühjahr. In Corona-Zeiten sollte hilfsbedürftigen Menschen geholfen werden. Dazu gründeten die beiden eine Gruppe.
16.11.2020, 18:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Sarah Essing
„Buddies“ helfen gern

Freude am Helfen: Jaqueline Wohlgemuth und ihr Ehemann sorgen sich um ihre Mitmenschen.

Michael Galian

Syke. „Man muss doch irgendwie helfen.“ Das habe ihr Mann Mario gesagt, im Frühjahr, als Corona sich ausbreitete und der Lockdown begann, erinnert sich Jaqueline Wohlgemuth. Und zwar all denjenigen, die nicht mehr rausgehen wollten oder sollten, weil sie zur Risikogruppe gehören. Senioren, chronisch Kranke, Menschen, die keinen haben, aber noch nicht so auf Hilfe angewiesen sind, dass sie offizielle Institutionen nutzen könnten. Diese Idee ließ das Ehepaar aus Syke nicht mehr los. „Also hat mein Mann bei Facebook eine Gruppe gegründet, um Mitstreiter zu suchen.“ Und er hat sie gefunden (wir berichteten).

„Die Resonanz war total gut“, sagt Jaqueline Wohlgemuth und ihre Augen leuchten dabei vor Freude. Quasi „minütlich“ stießen neue Mitglieder zu der Gruppe, die rasch auf 400 Menschen anwuchs. Sie erklärten ihre Bereitschaft, das Vorhaben zu unterstützen, behilflich zu sein, wenn es erforderlich ist. Mit Rat, Tipps, Informationen, aber auch mit Taten. Von letzteren gibt es zurzeit rund 30, die aktiv sind. Das sind die sogenannten „Buddies“, vom amerikanischen Wort „buddy“ für Kumpel. „Dazu haben wir eine Datenbank angelegt“, schildert Jaqueline Wohlgemuth das Werden der Gruppe. Name, Kontaktdaten und Bereich, in dem sie tätig sein wollen/können. „Aber jeder gibt nur raus, was er möchte, das ist alles sehr privat“, versichert die Mutter von zwei Kindern, die mit ihrem Mann die Datenbank pflegt. Doch so kann geschaut werden, welcher Buddy am besten passt, wenn etwa jemand aus Okel oder Schnepke anruft. „Wir haben Mitstreiter in allen Ortsteilen von Syke“, freut sich die 31-Jährige.

Hat sich eine Paarung gefunden, bleibt es dabei – auch um die Anzahl von Kontakten möglichst gering zu halten. Darauf ist auch die weitere Vorgehensweise der Hilfsangebote ausgelegt. So kommt etwa das Geld für den Einkauf in einen Umschlag und die vollen Tüten werden bis zur Haustür gebracht. „Zu den Abstands- und Hygieneregeln haben wir einen Text vorbereitet, der erläutert, wie es funktioniert“, berichtet sie.

Das Angebot sei gut angenommen worden, kann sie ein erstes Fazit ziehen. „Wir hatten bisher ausschließlich positives Feedback“, freut sie sich. Und zwar nicht nur von denjenigen, die das Angebot angenommen haben, sondern auch von den „Buddies“. „Die haben ebenfalls viel Freude daran“, kann Jaqueline Wohlgemuth berichten. Deshalb hält sie es nicht für ausgeschlossen, diese Art von Nachbarschaftshilfe auch nach Corona weiterzuführen. „Es macht ja auch Spaß, und wir machen das gerne.“

Während der Sommermonate waren die Anfragen immer weniger geworden, hat Jaqueline Wohlgemuth festgestellt. „Die Leute waren ja auch froh, dass sie mal wieder raus konnten.“ Nun rollt jedoch die erwartete zweite Welle der Pandemie und sie rechnet daher damit, dass die Anfragen wieder steigen. „Jetzt kommen wieder ein paar dazu“, hat sie schon festgestellt und versichert: „Im Grunde kann alles angefragt werden.“ Einkaufen steht ganz oben auf der Liste der Unterstützungsangebote, vor allem auch, wenn es um den Kauf von Getränkekisten oder anderen schweren Sachen geht. Doch das Angebot der Gruppe gilt auch für anderweitige Unterstützung. Als Beispiel nennt sie Gassi gehen, Fahrten zu Arztterminen, aufpassen auf die Kinder. „Man kann sich in jedem Fall an uns wenden, und wir versuchen dann eine Lösung zu finden“, sagt Jaqueline Wohlgemuth.


Wer helfen möchte, kann bei Facebook nach der öffentlichen Gruppe „Corona in Syke – füreinander da!“ suchen. Anfragen werden zudem per E-Mail an sykewirhelfen@web.de beantwortet. Menschen, die die Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, können zudem unter der Telefonnummer 0 42 42 / 6 55 81 22 anrufen.

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