Kläranlage

Schutz für die tägliche Arbeit

Im Klärwerk Syke werden Masken auch für die Arbeit benötigt. Zurzeit sind sie jedoch nur schwer zu bekommen. Ein Geschäftsmann spendierte der Stadt jetzt 100 Mund-Nasen-Masken für die Mitarbeiter der Kläranlage
27.04.2020, 17:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing
Schutz für die tägliche Arbeit

Bei der Arbeit im Klärwerk Syke benötigen Mitarbeiter wie Thomas Böse für manche Arbeiten auch eine Mundschutzmaske. Diese sind im Moment jedoch nur schwer erhältlich.

Vasil Dinev

Syke. Masken sind momentan ein heiß begehrtes Gut. Vor allem die Atemschutzmasken mit den Schutzstufen FFP2 und FFP3, die auch vor dem Corona-Virus schützen. Doch es gibt Berufssparten, die sind auch in Nicht-Pandemie-Zeiten auf Atemschutzmasken angewiesen, weil sie mit Stoffen umgehen, die nicht gesundheitsfördernd sind, wenn sie eingeatmet werden. Maler beispielsweise, Schlosser bei bestimmten Arbeitsgängen wie Schleifen oder Fräsen oder eben auch die Mitarbeiter von Klärwerken. Und auch für diese Berufssparten wurden die Masken zwischenzeitlich knapp, wie Stefan Ehlers, Leiter der Syker Kläranlage, berichten kann.

Auch im Klärwerk Syke werden die sogenannten FFP3-Masken verwendet. Nicht tagtäglich, nicht von jedem Mitarbeiter, aber doch regelmäßig. „Es ist ein Schutz, der bei besonderen Arbeiten eingesetzt wird“, erläutert Ehlers. Zum Beispiel bei Arbeiten im Zulaufbereich, wo das Abwasser noch ungeklärt reinkommt oder wenn Siebe und Kanäle gereinigt werden. Und da sich auch im noch ungeklärten Abwasser Stoffe befinden, die gesundheitsschädlich sind, sei dabei ein besonderer Schutz erforderlich. Die Masken verhindern, dass diese Stoffe, die sich ebenso wie ein Virus im Aerosol befinden, eingeatmet werden. Ein weiterer Bereich sind Schlosserarbeiten wie zum Beispiel Schleifarbeiten an Gerätschaften oder Fahrzeugen, bei denen ebenfalls mit gefährlichem Staub gerechnet werden muss, erläutert Ehlers weiter. Die Masken können einmal verwendet werden und kommen dann weg.

„Wir benötigen ungefähr 100 FFP3-Schutzmasken pro Jahr“, berichtet Ehlers. Diese werden üblicherweise auf Vorrat gekauft, sagt er, aber: „Auf die jetzige Situation waren wir nicht vorbereitet.“ Denn auf einen Schlag wurden Masken weltweit zu einer gefragten Ware. Eine Verknappung war die Folge und – aufgrund der großen Nachfrage – eine deutliche Verteuerung. „FFP3-Masken sind zurzeit schwierig bis gar nicht zu bekommen“, sagt Ehlers. Auch nicht bei ihrem bisherigen Großhändler. Dort hätte man sich zwar auf die Warteliste setzen lassen, doch derzeit sei die Nachfrage einfach zu groß, vor allem aus dem medizinischen Sektor. Und dort, so Ehlers, werden sie im Moment dringender benötigt. Zwar bekäme man im Moment reichlich Angebote für Masken, darunter aber auch unseriöse. Hinzu kommt: „Die Masken, die es jetzt gibt, sind nicht die, die wir eigentlich brauchen“, so Ehlers.

Umso größer war die Freude bei der Stadt daher, dass Olaf Thomas, Geschäftsführer bei „hotelbedarf24“, eine Lösung für das Problem anbieten konnte. Der Online-Großhändler aus Barrien, der normalerweise Hotels mit Seifen, Cremes, Slippern, Reinigungs-, Küchenbedarf und allem weiteren beliefert, was im normalen Hotelbetrieb tagtäglich benötigt wird, musste sich für die jetzige Zeit, in der die Hotels geschlossen sind, etwas einfallen lassen. Dies geschah mit der Aufnahme von Mund-und Nasenschutzmasken in sein Angebot. 100 dieser Masken stellte Olaf Thomas jetzt der Stadt kostenlos für die Klärwerkmitarbeiter zur Verfügung.

Diese entsprechen nicht ganz der klassischen FFP-Norm. Sie sind nach dem chinesischen Standard mit KN95 gekennzeichnet. „Das entspricht in etwa der FFP2-Norm“, so Ehlers, also nicht ganz der Standard, der im Klärwerk normalerweise genutzt wird. Doch das sei angesichts der Situation nur ein kleiner Wermutstropfen. Gar kein Schutz wäre schlimmer, so Ehlers.

Denn die Arbeit im Klärwerk ruht nicht. Im Gegenteil. Gerade jetzt, wo viele von zuhause aus arbeiten und generell die Regel gilt, sich mehr die Hände zu waschen, hatten die Mitarbeiter im Klärwerk gut zu tun. Vor allem in den letzten zwei, drei Wochen sei es dabei zu größeren Einleitungen von Tensiden ins Abwasser gekommen, berichtet Ehlers. „Das duftet zwar nett“, sagt der Leiter des Klärwerks mit einem Lachen, aber die große Menge an Lösungsvermittler hat auch die Biologie des Klärwerks durcheinandergebracht.

„Wir haben momentan nun mal eine Ausnahmesituation“, ist sich Ehlers im Klaren darüber, dass diese Einleitungen nicht einmal in böser Absicht geschehen sein müssen. Dennoch hat sie die Mitarbeiter vor eine Herausforderung gestellt. Aus diesem Grund gab es auch in der vergangenen Woche den öffentlichen Aufruf, diese Einleitungen zu unterlassen. Mit Erfolg offenbar. Am letzten Wochenende konnte keine festgestellt werden, kann Ehlers berichten, und die Anlage hat sich wieder normalisiert.

Alles in allem kann Stefan Ehlers jedoch ein positives Fazit bisher ziehen. „Wir hatten im Zuge der Toilettenpapier-Krise befürchtet, dass vermehrt auf andere Dinge zurückgegriffen wird“, sagt er und meint damit Materialien, die in einer Toilette nichts zu suchen haben. Aber: „Das war nicht der Fall.“

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