Weißer Ring nutzt Tag der Kriminalitätsopfer, um seine Kreis-Diepholzer Außenstelle vorzustellen

„Da wusste ich, was ich zu tun hatte“

Twistringen·Landkreis Diepholz. Im Jahre 2013 verschwand in den Niederlanden ein junger Mann. Seine Eltern, im Landkreis Diepholz ansässig, vermuteten ein Verbrechen und wandten sich unter anderem an den Weißen Ring.
19.03.2016, 00:00
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„Da wusste ich, was ich zu tun hatte“
Von Micha Bustian

Im Jahre 2013 verschwand in den Niederlanden ein junger Mann. Seine Eltern, im Landkreis Diepholz ansässig, vermuteten ein Verbrechen und wandten sich unter anderem an den Weißen Ring. Die Institution zum Schutz von Kriminalitätsopfern begleitete das Ehepaar über die Jahre. 2014 wurde in einem Sumpfgebiet in Holland eine Leiche gefunden, aber erst 2015 stand fest, dass es der gesuchte 32-Jährige war. Die Eltern konnte ihr Kind begraben, jetzt werden sie vom Weißen Ring zum Prozess begleitet. Ein Beispiel von vielen Fällen, mit dem sich der Weiße Ring beschäftigt. Gestern, am Tag der Kriminalitätsopfer, stellte sich die Außenstelle Landkreis Diepholz im Hotel Zur Börse in Twistringen vor.

36 Fälle begleitete die Diepholzer Gruppe des Weißen Rings im Jahr 2013. Im Jahr darauf waren es 52 Fälle und 2015 standen 46 zu Buche. Stand Donnerstag –– so hatte es der Diepholzer Außenstellenleiter Werner Käding errechnet – waren es für 2016 wieder bereits 17 Fälle. „Das hat mich erstaunt, immerhin ist erst März.“ Auch wurden in 2016 bereits 1000 Euro an finanzieller Opferhilfe gezahlt – mehr als im gesamten Jahr 2014. Finanziert wird das zumeist von Spenden, aus testamentarischen Zuwendungen, aber auch aus Geldbußen, die Gerichte einziehen.

200 Mitglieder zählt der Weiße Ring im Landkreis Diepholz. Zu wenig, wie Werner Käding findet. „Mitgliedschaft bedeutet nicht gleich aktive Mitarbeit“, erklärt er. Für die hat sich beispielsweise Elke Butt entschieden. Warum? „Ich war Schöffin bei Gericht und sah eine Frau weinend auf dem Flur sitzen. Ihr gegenüber saß der Mann, der ihr Gewalt angetan hatte. Ich fragte den Richter, ob wir uns nicht um die Frau kümmern sollten. Seine Antwort: Keine Zeit, wir machen hier Strafrecht. Da wusste ich, was ich zu tun hatte.“ Gemeinsam mit Ingeborg Wagner betreut sich jetzt Syker Opfer. Erich Zühlsdorf, Manfred Soboll und Fredric Schulz kümmern sich um Stuhr und Weyhe, Wilfriede Wienbergen um Bruchhausen-Vilsen, Edda Bartsch und Ingrid Bengsch um Sulingen sowie Werner und Jutta Käding um den Rest des Landkreises Diepholz. Alles ehrenamtlich.

„Wir suchen noch Menschen, die sich um Kriminalitätsopfer im Südkreis und im Raum Bassum/Twistringen kümmern“, sagt Werner Käding. Und Verstärkung für die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, denn „zu den Opfern gehen wir immer zu zweit. Zur Absicherung.“

Wer Interesse an einer Mitgliedschaft oder Mitarbeit hat, kann sich unter Telefon 0151/55164743 oder per E-Mail an die Adresse werner.kaeding@web.de melden.

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