Zu Gast in Bruchhausen-Vilsen: Elisabeth Heinemann spricht über die Magie des Hypes „Das Internet geht nicht mehr weg“

Die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen lädt auch in diesem Jahr in Kooperation mit der Kreissparkasse wieder zu einem Wirtschaftsgespräch ein, das am Montag, 26. Mai, um 19.
24.05.2014, 00:00
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Die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen lädt auch in diesem Jahr in Kooperation mit der Kreissparkasse wieder zu einem Wirtschaftsgespräch ein, das am Montag, 26. Mai, um 19.30 Uhr im Gasthaus Dillertal beginnt. Prof. Dr. Elisabeth Heinemann ist Wirtschaftsinformatikerin, Rednerin und Kabarettistin und wird zum Thema „Die Magie des Hypes – Warum Sie nicht alles brauchen, wonach morgen kein Hahn mehr kräht“ referieren. Die Rednerin leitet nach langer Arbeit in der Industrie heute unter anderem einen Master-Studiengang in Mobile Computing, ist Vorstand in einem IT-Netzwerk sowie Aufsichtsrätin eines SAP-Dienstleisters. Thema ihres Vortrags sind die Vor- und Nachteile des Internetmarketings sowie sozialer Netzwerke. Karin Neukirchen-Stratmann sprach vorab mit Elisabeth Heinemann.

Frau Professor – unter diesem Namen findet man im Netz auch Ihre Homepage. Vermarkten Sie damit nur sich selbst oder auch die Tatsache, dass Sie als Frau nicht nur den Titel haben, sondern sich auch noch in der immer noch männerdominierten IT-Branche tummeln?

Elisabeth Heinemann: Der Name ist einfach Programm und soll überraschen. Denn die Zahl der Informatik-Professorinnen, die neben ihrer Tätigkeit als Hochschullehrerinnen Vorträge halten, Kabarett machen, satirische Kolumnen schreiben und in einer Jazzband singen, ist meines Wissens nach ja durchaus übersichtlich. Insofern: Wenn man hinter Frau Professor schaut, dann findet man durchaus alles drei.

Sie werden anlässlich des Wirtschaftsgespräches über „Die Magie des Hypes – Warum Sie nicht alles brauchen, wonach morgen kein Hahn mehr kräht“ sprechen. Sie haben selbst einen Facebook-Account – aus Überzeugung oder notgedrungen?

Aus gleich mehrfacher Überzeugung. Zum einen liefert mir dieses Medium natürlich viel Input für meine Keynotes und vor allem auch für mein Kabarett. Zum anderen muss und möchte ich natürlich immer am Puls der Zeit sein. Ich kann schwerlich über etwas Vorträge halten, wenn ich nicht weiß, wie es „in der Praxis funktioniert“ und wie es von den Menschen genutzt, respektive manchmal leider auch ausgenutzt wird. Außerdem läuft mittlerweile sehr viel Kommunikation – auch beruflich – über Facebook und manche interessanten Menschen hätte ich ohne dieses Medium wahrscheinlich nie kennengelernt.

Auch in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen laufen immer wieder Diskussionen um die Problematik im Einzelhandel und die Zunahme des Online-Handels. Was würden Sie einem Einzelhändler raten? Auf den Zug Online-Handel aufspringen? Für welche Branchen kann das relevant sein, für welche eher weniger?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen, denn auch in der gleichen Branche ist Einzelhändler nicht gleich Einzelhändler. Bei allen Aktivitäten sollte man sich immer folgende Fragen stellen: Was nutzt es meinem Kunden? Welchen Mehrwert bietet selbigen und daher auch mir als Anbieter zum Beispiel Facebook? Und habe ich die zeitlichen beziehungsweise personellen Ressourcen, daraus auch tatsächlich eine Interaktions-Plattform mit meinem Kunden zu machen? Mit dem Online-Handel verhält es sich ähnlich. Wer sind meine Kunden und sind diese internetaffin, also präferiert daran, interessiert per Mausklick einzukaufen? Oder sollte ich vielleicht eher mit dem Thema Location-based Services beschäftigen, also dem lokalen Internet, das den Benutzern mobiler Endgeräte, die sich gerade in der Nähe meines Geschäfts befinden, zum Beispiel folgenden Coupon auf das Smartphone schickt: „Wenn Du heute bei uns einkaufst, dann erhältst Du zwei T-Shirts zum Preis von einem.“ Oder setze ich vor allem auf einen regen sozialen Austausch mit meinen Kunden, um sie so zu loyalen Kunden zu machen und zu solchen, die mit Mund-zu-Mund-Propaganda mein Geschäft ankurbeln. Gerade dazu habe ich bei meinem Vortrag schöne Beispiele aus dem Mittelstand dabei.

Soziale Netzwerke wie Facebook sorgen in Schulen immer wieder für Diskussionen. Mobbingfälle nehmen zu, quer durch alle Schulformen und beginnend schon mit den fünften Klassen. Was raten Sie Eltern, wie Kinder sich schützen können?

Ganz wichtig: Aufklärung! Eltern sollten, soweit ihnen das selbst möglich ist, ihre Kinder auf dem Weg in die sozialen Netzwerke ein Stück begleiten.

Mobile Computing ist ein Fachgebiet von Ihnen. Stellen Sie Ihr Handy auch mal aus oder sind Sie immer erreichbar?

Ganz ehrlich: Ich gehöre tatsächlich der sogenannten Nutzergruppe Always-On an. Und das ist durchaus nicht nur meiner Funktion als Studiengangsleiterin des Master-Programms Mobile Computing geschuldet. Mein Smartphone ist nur dann aus, wenn ich vergessen habe es zu laden und das Netzteil zuhause auf dem Wohnzimmertisch liegt. Dann kann ich schon mal nervös werden.

Seit der NSA-Affäre sind viele Internet-Nutzer vorsichtiger geworden, andere sagen: „Ist mir doch egal wenn Amerika meine E-Mails liest“ – wie denken Sie darüber?

Ein großes Thema. Ja, die Nutzer sind vorsichtiger geworden. Aber noch lange nicht in ausreichendem Maße. Ich vermisse immer noch ein konstruktiv-kritisches Bewusstsein der breiten Masse im Umgang mit Internet & Co. Ich bin immer noch erstaunt, wie sorglos viele Internetnutzer vor allem in den sozialen Medien mit ihren Privateinstellungen umgehen und wie bedenkenlos von angeblich seriösen Unternehmen versendete E-Mails angeklickt werden, die so offenkundig vor Rechtschreibfehlern strotzen, dass sie gar nicht echt sein können.

Twittern Sie nur noch oder telefonieren Sie auch noch wie früher? Und was ist in Ihren Augen ein Unding in Sachen Internet-Kommunikation?

Ich bin eine Frau – klar telefoniere ich noch. Was in meinen Augen überhaupt nicht geht, ist der Verlust von Wertschätzung und Benehmen in der Internet-Kommunikation. Alles in allem leben wir in einer Zeit voll toller neuer Möglichkeiten und eines ist sicher: Das Internet geht nicht mehr weg.

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