Das Porträt "Zusammen schaffen wir das"

Als Imke Bünstorf ihren Posten als neue Leiterin der Grundschule Heiligenfelde antrat, schien der Ausbau der Schule für den Ganztag die größte Herausforderung zu sein. Dann kam Corona.
06.09.2021, 14:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing

Syke-Heiligenfelde. "Das geht rasant voran", sagt Imke Bünstorf mit Blick auf die Bauarbeiten an der Grundschule Heiligenfelde. Der Ausbau zur Ganztagsschule während des laufenden Schulbetriebs (wir berichteten) ist allerdings nicht die einzige Herausforderung, die die neue Leiterin der Schule in ihrer bisherigen Amtszeit zu meistern hatte. Am 1. Februar 2020 übernahm sie den Posten offiziell, dann kam Corona.

"Szenario A hört sich an wie normaler Unterricht, ist es aber nicht", hat sie in dieser Zeit lernen müssen. Die Corona-Lage überlagert alles. So ein Schuljahr habe grundsätzlich immer eine eigene Dynamik, sagt Imke Bünstorf. Man müsse immer vorausdenken, um den Alltag an einer Schule administrativ zu organisieren. Während einer Pandemie sei das natürlich ungleich schwerer. Das sei nur zu schaffen gewesen, "indem alle Beteiligten sehr hohes Engagement einbringen", sagt sie. Alle haben "mehr getan als sie mussten", hebt sie hervor und schließt dabei die Eltern ein. Gerade auch mit Blick auf die zu treffenden Entscheidungen, wie mit den Vorgaben aus Hannover umzugehen ist. "Da wäre ich nichts gewesen ohne die super Elternvertreter."

Imke Bünstorf wurde vor 51 Jahren in Lüneburg geboren. Sie wuchs in Altenberge bei Münster auf und hatte von klein auf eine kreative Ader. "Ich habe immer gern gebastelt", sagt sie. Daher habe sie kurzfristig sogar überlegt, ob sie in den handwerklichen Bereich geht. Doch ein Praktikum bei einem Goldschmied hat gezeigt: "Das ist es nicht." Stattdessen entschied sie sich, den Fußstapfen ihrer Mutter, einer Realschullehrerin, zu folgen. "Ich habe früher auch auf Kinder aufgepasst und das gern gemacht, mich um andere zu kümmern", sagt sie zu ihrer Wahl. So studierte sie Deutsch, Textil und Kunst für die Grundschule. In Oldenburg. "Da wuchs die Liebe zum Norden", erinnert sie sich, und zwar nicht nur, wegen einer "sehr aktiven Textilfachschaft", in der sie viele Freundschaften schloss.

Vielfältiger Fächerkanon

Ihr Berufseinstieg hingegen gestaltete sich etwas holpriger. In Niedersachsen gab es keine Referendarsstellen. So führte sie ihr weiterer Weg einmal über die Grenze, nach Minden in Nordrhein-Westfalen. "Das war damals sehr selten in der Lehrerausbildung", sagt Imke Bünstorf zu dieser "Grenzüberschreitung". Vor allem, da in dem anderen Bundesland andere Regeln galten. So musste sie auch Mathe in ihr Fächerrepertoire aufnehmen. Anschließend fand sie eine Stelle an einer Schule in Cuxhaven. "An einer ganz, ganz kleinen Schule." Dort machte sie eine Zusatzqualifikation für ihre zweite Leidenschaft: Sport. "Tennis und Badminton begleiten mich auch schon mein Leben lang." Sie organisierte einen Triathlon und alternative Bundesjugendspiele mit ihren Lieblingssportarten. Und sie lernte ihren Mann kennen.

Als dieser beruflich nach Stuhr zog, folgte sie nach einem Jahr Pendeln. Der zweite ihrer insgesamt drei Söhne wurde geboren, und anschließend fand sie eine Stelle an der Grundschule Am Lindhof in Syke. Zwar nur als Schwangerschaftsvertretung und nur kurz, bis sie nach Neubruchhausen und in Folge an die Grundschule Mittelstraße in Bassum abgeordnet wurde, weil dort Lehrer fehlten – doch der erste Draht zur Hachestadt war geknüpft.

Freude am Organisieren und Strukturieren

In Neubruchhausen und an der Mittelstraße entwickelte Imke Bünstorf Lust auf administrativen Aufgaben. "Ich habe schon immer gerne organisiert und über das Fachliche hinausgeschaut." Sie arbeitete den Schulleitern zu und wollte bald selbst in diese Richtung gehen. Sie bewarb sich als Konrektorin an der Grundschule in Kirchweyhe und wurde genommen. Da sie nunmehr drei Jungs zu Hause hatte, als Teilzeitkraft. "Das war schwierig", sagt sie heute. Also gab Imke Bünstorf ihre Titel zurück und ging als Lehrkraft an die Luise-Chevalier-Schule – dort wurde gerade die Grundschule aufgebaut – und dann nach Heiligenfelde. "Es ist Zufall, aber ich bin in Syke sehr gut vernetzt", sagt sie. Das sei gerade in der Corona-Zeit immens wichtig gewesen. "Es war total gut und entlastend, sich mit den anderen Schulleitern auszutauschen", betont sie. Zwar sei jede Grundschule anders, doch die Grundzüge bleiben immer gleich. In dieser Hinsicht betrachtet sie ihre vielen Stationen auch als eine Bereicherung.

In Heiligenfelde erkrankte kurz darauf Wolfgang Schmidt. Eine Vertretung musste her, und Imke Bünstorf sprang ein. Seit 1. Februar 2020 hat sie den Posten auch ganz offiziell übernommen. "Mir gefällt der gute Zusammenhalt hier in Heiligenfelde", sagt sie. Dieser reiche vom Kollegium über die Eltern bis hin zum gesamten Dorf, das der Schule sehr positiv gegenüber stehe. Es herrsche so eine "grundentspannte Haltung" und "gegenseitige Rücksichtnahme". Aus diesem Grund ist sie auch überzeugt: "Zusammen schaffen wir das."

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