Das Porträt Den passenden Ausdruck finden

Sprache liegt Jürgen Puls am Herzen. Dieser Leidenschaft folgt der Wahl-Syker mit seiner Tätigkeit als Amateurschauspieler, Schreiber und Sprecher.
17.12.2021, 14:10
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Rita Behrens/rbe

Der etablierte Amateurschauspieler, Schreiber und Sprecher Jürgen Puls kennt sich in seinem Metier weitreichend aus. Erst vor wenigen Monaten präsentierte er zusammen mit Wilfried Stüven und Andreas Hein-Köchler eine eigens inszenierte Lesung mit Musik unter dem Titel „Immer schön denken“. Als Trio „Wilder Honig“ erfreuten sie im Okeler Nostalgiemuseum das Syker Publikum mit dadaistischen Texten von Friedhelm Kändler.

In der Hachestadt lebt Jürgen Puls mit seiner Frau seit sechs Jahren. Hier engagiert er sich im Förderverein der Stadtbibliothek Syke und wirkt stetig an den Buchgesprächen im Barrier Buch-Café Seitenblick mit. „Lebensfreude behalten,gar nicht egoistisch gedacht“, sei für ihn das wichtigste im Leben, sagt der heute 75-Jährige. Vor circa drei Jahren trug Puls seine Kurzgeschichte „Im Dunklen“ mehrfach in der Öffentlichkeit vor. Gleichwohl will sich der Verfasser selbst nicht als Schriftsteller bezeichnen. Dass seine skurrile Erzählung („Franco kommt“) 2017 im Weser Kurier erschien, gefiel ihm trotzdem.

Als Sprecher hat der Wahl-Syker hingegen an diversen Projekten mitgewirkt. Das gilt etwa für die öffentlichen Lesungen zwischen 2015 und 2019 in Bremen. Dafür waren historische Texte zur Bremer Pogromnacht von 1938 von Achim Saur rekonstruiert worden war. Noch 2020 kam seine Stimme im Rahmen des Hörstückes „Alles Lüge!“ von der Speicherbühne Bremen zum Einsatz. Aufgrund seiner Erfahrung und „Sprecherausbildung mit Stimmübungen“ weiß er, dass mit Hilfe der Stimmtechniken weitreichende Interpretationen evoziert werden können. Doch Puls bekennt, das Sprechen sei eigentlich nur seine „zweite Leidenschaft“.

Dreiklang als Ergebnis

„Sprache liegt mir am Herzen“, sagt er weitergehend. Es gehe darum, „den passenden Ausdruck zu finden“. Schon früh sei Erich Fried sein Vorbild gewesen, „der unglaublich exakt seine Gedanken und Gefühle ausdrückte“. Aber auch als Romantiker habe er den Lyriker wahrgenommen. Dabei fallen ihm dessen Liebesgedichte ein. Durch Fried fühlte er sich als junger Mann animiert, selbst Gedichte zu schreiben. Auch dessen politische Auffassung als Linker wirkte normgebend. Wie der gebürtige Bremer berichtet, arbeitete er daher Ende der 1970er-Jahre ehrenamtlich im “Netzwerk Selbsthilfe“, um jungen Leuten – nach heutigem Sprachgebrauch – Start-ups zu ermöglichen. Die berufliche Kompetenz erwarb er mit seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem folgenden Diplom-Studium in Betriebswirtschaft. Im bremischen öffentlichen Verwaltungsbereich übte er adäquat die Tätigkeit des Controllers aus. Aber es beunruhigte ihn, dass der dauerhafte Umgang mit Zahlen „zu einem Denken in kleinen Kästchen“ führen könnte. Deshalb entwickelte sich der Wunsch, schöpferisch tätig zu werden.

Seine künstlerischen Ambitionen führten bereits 1992 dazu, mit Gil Staug ein erstes politisches Theaterprojekt in Bremen auf die Beine zu stellen. Zwar „kostete es noch Überwindung auf die Bühne zu gehen“, aber mit den Beteiligten ohne Konkurrenzdenken im „theaterIMprovisorium“ zusammenzuarbeiten, war eine völlig neue Erfahrung. Sie wirkte wie eine „Initialzündung“, etwas zu tun, „was unheimlich viel Spaß macht“. Damit spricht er offenkundig seine erste Leidenschaft an. Ebenso zeigt sich, dass sowohl Schauspielern als auch Szenisches Lesen eindeutig ganzheitliche Ereignisse sind: Alles geschieht im Dreiklang mit Kopf, Herz und Hand.

Die hanseatische Amateur-Theatergruppe bestand bis 2013. Sie finanzierte alles selbst. Größter Wert wurde auf die Probenarbeit gelegt und die Entwicklung eigener Stücke mit Improvisationen und selbstgeschriebenen Texten, hebt der Amateur-Darsteller hervor. So wurde 1994 etwa für Friedrich Schillers Ballade „Die Bürgschaft“ eine groteske Rahmenhandlung erfunden. Texte von Pablo Neruda und „etwas von Puls“ sowie Szenisches Spiel aus dem Steggreif seien dabei gewesen, berichtet er. Teilweise habe er gleich mehrere Rollen gespielt, wie etwa auch in dem Projekt „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm. Das Stück wurde 2004 als Mischung aus Dramatik und heiteren Szenen aufgeführt. „Eine sehr sparsame Inszenierung“, erinnert er sich sehr gerne, denn: „auf der Bühne bedeuten wenige Requisiten auch viele Freiheiten.“ Vieles setzte das Ensemble im Spektrum des Absurden, Politischen und Satirischen um.

Auf den Bühnen unterwegs

Anderweitig übernahm Puls 2010 die Rolle des Schiffszimmermanns Hinrich. Gefertigt wurde ein Video-Clip zur Hafengeschichte für das Vegesacker Spicarium. Zudem agierte er 2012 in zwei Stücken der Speicherbühne und zeichnete sich zugleich als Mitverfasser des Werkes „Echte Werte“ aus. Gleiches gilt für die theatralische Szene „Das gekaufte Wort“ (J. Puls, W. Stüven) zum Thema „Genuss pur“, die in diesem Jahr zur Aufführung kam. Des Weiteren stellte er sich den Herausforderungen auf den Freilichtbühnen der Verdener Domfestspiele und der Allerbühne. Sie seien von besonderer Art, so etwa als es wie 2019 in Strömen regnete („Der Raub der Sabinerinnen“) und überhaupt, für den physischen Einsatz werde erhebliche Energie benötigt.

Auch im nächsten Jahr wird Jürgen Puls wieder bei den Verdener Domfestspielen dabei sein. Er übernimmt die Rolle des Bürgermeisters Brendel in dem Drama „Die Rebellische Hexe“. Für die Termine vom 29. Juli bis 13. August gibt es bereits Karten beim Service Nordwestticket. Des Weiteren vermittelt die Homepage von Jürgen Puls unter www.juergenpuls.com einen bildhaften Eindruck über einige seiner Auftritte.

Zur Sache

Lesung mit Kuchen in Okel

Eine Lesung in Kombination mit einem Stück Kuchen – damit möchte das Nostalgie-Museum interessierten Besuchern den vierten Advent versüßen. Jürgen Puls liest am Sonntag, 19. Dezember, ab 16 Uhr außergewöhnliche Kurzgeschichten rund um die Weihnachtszeit. Mal amüsant, mal nachdenklich, aber immer mit Herz und einer Prise Humor, kündigen Elke und Wolfgang Kaeding vom Museum an. Sie weisen darauf hin, dass die 2G-Regel gilt. Dafür ist die Vorlage eines gültigen Impfpasses und Personalausweises notwendig. Um eine Anmeldung unter der Rufnummer 0 42 42 / 12 22 wird gebeten. GLO

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht