Das Porträt Klar, direkt und herzlich

Petra Raue bleibt Schulleiterin an der Luise-Chevalier-Schule. Die Entscheidung der Landesschulbehörde fiel mitten in der Corona-Zeit. Nun freut sie sich auf die kommenden Aufgaben.
25.08.2020, 15:13
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Von Sarah Essing

Syke. „Wir sind hier! Wir sind laut, weil man uns Frau Raue klaut!“ Lautstark und ausgestattet mit bunten Plakaten zogen im Februar Schüler, Eltern und Lehrer der Luise-Chevalier-Schule durch Syke, um für ihre bis dahin kommissarische Schulleiterin Petra Raue zu demonstrieren (wir berichteten). Nun ist sicher: Petra Raue bleibt – endgültig. Mitten in der Corona-Zeit kam die Mitteilung von der zuständigen Schulbehörde, dass die bislang kommissarische Schulleiterin die Stelle offiziell bekommen hat. „Das war ein langer Weg“, sagt die 51-Jährige selbst und ist dem Kollegium, den Eltern und den Schülern dankbar. „Die Unterstützung, die ich bekommen habe, hat mich getragen.“ Nun ist sie bereit fürs neue Schuljahr – auch wenn dazu aufgrund der Corona-Pandemie noch einige Fragen offen sind.

„Man muss das Beste daraus machen“, sagt die Pädagogin ganz allgemein zur Situation an Schulen in Corona-Zeiten. An der Luise-Chevalier-Grund-und-Oberschule war die Hauptangst, dass man den Kontakt zu den Schülern verliert. „Viele unserer Schüler haben keinen oder nur wenig Zugang zu digitalen Medien“, sagt sie. Da sei zunächst viel telefoniert worden, dann war es möglich weitere Endgeräte anzuschaffen, mit denen digital gelernt werden konnte (wir berichteten). Aber: „Immer nur E-Mails austauschen, reicht nicht“, ist Petra Raue überzeugt.

Denn wie wichtig die Beziehungsarbeit mit Schülern ist, hat sie in ihren zwölf Jahren Tätigkeit an einer Realschule in Gelsenkirchen gelernt. Und zwar nicht nur, weil Manuel Neuer in einer ihrer achten Klassen saß, bei dem schon damals Fußball eine große Rolle spielte. – Übrigens: Vorteile verschaffte ihm das nicht. Petra Raue war, ist und bleibt Borussia-Mönchengladbach-Fan. „Das ist familiär bedingt“, sagt sie mit einem Lachen.

Nach dem Lehramtsstudium für Mathe und Religion für Sekundarstufe I und II in Münster absolvierte sie ihr Referendariat an einem Gymnasium im lippischen Kurstädtchen Bad Salzuflen. Ein sehr ländliches, sehr idyllisches Umfeld. Da war der Wechsel in den Ruhrpott ein Schritt in eine völlig andere Welt. „Am Gymnasium gab es keine Disziplinprobleme“, sagt sie mit einem Lachen. Hausaufgaben, Bücher, Hefte vergessen? Auch so etwas kam dort nicht vor. In Gelsenkirchen hingegen schon. Wie damit umzugehen ist, „das musste ich erst lernen“, sagt sie. Doch die Menschen im Ruhrgebiet haben ihr dabei geholfen. Sie seien sehr klar, sehr direkt, aber herzlich, sagt Petra Raue. „Das habe ich sehr geschätzt.“ Und so hat sie dort auch erfahren: „Wenn die Beziehung stimmt, dann klappt's auch mit dem Lernen.“ Das brauchen ihre Schüler in Syke auch, sagt sie.

In die Hachestadt kam sie „der Liebe wegen“, wie sie sagt. Sie lernte ihren Mann kennen und folgte ihm gen Norden. 2011 wurde sie als Mathe- und Religionslehrerin an der damals noch GTS (Ganztagsschule) 2001 genannten Haupt- und Realschule angestellt. Aber unterrichtet hat sie fachfremd auch Politik, Geschichte, Erdkunde und – Musik. Letzteres eine besondere Freude für die eingefleischte Musikliebhaberin. Sie spielt nicht nur Gitarre und „ein bisschen“ Klavier – hauptsächlich zur Liedbegleitung – selbst, sondern hört Musik natürlich auch gern. Am liebsten von Singer/Songwritern wie Paul Simon, aber „eigentlich sehr gemischt“. Wie etwa beim Modernen Orchester des TuS Syke, das sie organisatorisch unterstützt und dessen Konzerte sie moderiert. Einen Ausgleich zum Berufsalltag findet sie im eigenen Garten oder bei Spaziergängen mit dem Hund. „Und ich lese wahnsinnig gerne“, gesteht sie.

Als stellvertretende Schulleiterin gehörte Petra Raue mit zu der Arbeitsgruppe, die 2017 mit den Vorbereitungen für die Umbildung der GTS 2001 in eine Grund- und Oberschule begann. „Die Schülerzahlen sanken, es war nicht absehbar, dass wir alle Räume wieder voll kriegen“, erinnert sie sich an die Zeit. „Da war uns klar, wir müssen uns anders aufstellen.“ Die Idee einer Oberschule stand schon länger im Raum, doch erst als die Stadt darauf aufmerksam machte, dass die Grundschule am Lindhof förmlich „überquoll“ nahm die Umwandlung der GTS in eine Grund- und Oberschule konkret Gestalt an. Nach den Sommerferien 2018 war es soweit und Petra Raue wurde neue Schulleiterin. Kommissarisch zunächst, bis nun die Entscheidung fiel.

Jetzt freut sie sich auf die kommenden Aufgaben. Ideen gibt es schon reichlich. „Wir wollen die Berufsorientierung ausweiten“, sagt die Pädagogin. Mit dem Deutschen Roten Kreuz steht eine Kooperation im Bereich Sozialarbeit und Kinderbetreuung im Raum, im Werkhof und in der Lehrküche soll verstärkt ausgebildet werden, verrät sie. Ab Klasse 7 sollen die Schüler in Kleingruppen zudem in die Berufsorientierung einsteigen. Es soll ihnen ermöglicht werden, verschiedene Bereiche kennenzulernen, ehe sie sich ab Klasse 9 für ein Profil entscheiden müssen. Immer vorausgesetzt, dass die Schulen nach den Sommerferien den Regelbetrieb wieder aufnehmen, aufnehmen können.

Aber immerhin habe die Corona-Zeit an der Luise-Chevalier-Schule schon eins gezeigt: „Das Lernen in Kleingruppen klappt super.“ Und sie ist stolz darauf, wie gut ihre Schüler den Wiedereinstieg vor den Ferien hinbekommen haben. „Da waren unsere Schüler ganz toll, sehr diszipliniert und haben das richtig gut gemacht“, lobt sie. Wenn es nach ihr geht, kann es also wieder losgehen, aber: „Wir werden abwarten müssen, was der Sommer so mit sich bringt.“

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