Aus Auftaktveranstaltung in Twistringen gehen drei Arbeitsgruppen hervor

Der erste Schritt zur Inklusion

Twistringen. Entscheidungen werden in der Politik oft in irgendwelchen Hinterzimmern getroffen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit? Planungsprozesse sind intransparent und für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar? Mitnichten. Dass es auch anders geht, zeigte am Donnerstagabend der Landkreis Diepholz.
19.03.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Marcel Nobis

Entscheidungen werden in der Politik oft in irgendwelchen Hinterzimmern getroffen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit? Planungsprozesse sind intransparent und für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar? Mitnichten. Dass es auch anders geht, zeigte am Donnerstagabend der Landkreis Diepholz. Im Twistringer Hildegard-von-Bingen-Gymnasium trafen sich rund 80 Vertreter aus verschiedenen Gemeinden und Institutionen des Landkreises, um über das Thema Inklusion zu diskutieren. Am Ende der Veranstaltung bildeten sich drei Arbeitsgruppen, die in den kommenden eineinhalb Jahren einen Aktionsplan ausarbeiten sollen.

„Die Frage ist doch: Wie wollen wir den Inklusionsprozess überhaupt gestalten?“, meinte Bildungsexperte Wilfried W. Steinert und brachte damit die Fragestellung des Abends an. Steinert moderierte am Donnerstag auf Einladung des Landkreises die Veranstaltung. Er begleitete bereits mehrere Inklusionsprozesse deutschlandweit und erleichterte mit seinem Fachwissen den Einstieg in die Diskussion. „Seine Beispiele sollten bei den Teilnehmer ein Aha-Erlebnis auslösen. Sie sollten zeigen, dass es machbar ist, dass Inklusion umsetzbar ist“, erklärte Landrat Cord Bockhop. Steinert lobte wiederum den Einsatz des Landkreises: „Es ist sehr viel wert, wenn sich ein Landrat an die Spitze eines solchen Prozesses setzt.“

In den Prozess möchte der Landkreis möglichst viele verschiedene Gruppen mit einbeziehen, um ein breites Spektrum an Sichtweisen zu erhalten. Diese Sichtweisen sollen im weiteren Verlauf in die Erstellung eines Aktionsplanes einfließen. Darin wird festgelegt, wie der Landkreis das Thema Inklusion in Bildungseinrichtungen, Verwaltungen und im öffentlichen Raum umsetzen soll. Eine zeitnahe Realisierung des Planes ist beabsichtigt.

Das Treffen am Donnerstagabend markierte die Auftaktveranstaltung des Prozesses. „Wer hierfür keine Zeit hatte, kann später immer noch hinzukommen“, erklärte Christina Runge, Fachdienstleiterin für Gleichstellung, Inklusion und Prävention beim Landkreis. Kreisrat Markus Pragal und Bildungsexperte Wilfried W. Steinert referierten zunächst zum Thema Inklusion und führten so in die Veranstaltung ein. „In der Inklusion wird Normalität nicht vorausgesetzt, sondern die Vielfalt. Das Vorhandensein von Unterschieden ist das Normale“, sagte Pragal. Entsprechend sei es erforderlich, Vielfalt als Norm für das gesellschaftliche Leben im Landkreis zu setzen.

Wichtigster Programmpunkt war das anschließende World-Café. An sechs Tischen lagen große Papier-Tischdecken aus, auf denen die Teilnehmer ihre Gedanken und Ideen zu vier Themenbereichen niederschrieben. Jeweils 15 Minuten diskutierten die zufällig ausgelosten Gruppen an den Tischen, danach wechselten die Teilnehmer und bildeten neue Diskussionsgruppen. „Inklusion muss mehr in den Mittelpunkt rücken“, meinte Bernd Jobs, Geschäftsführer des Jobcenters im Landkreis Diepholz, und plädierte für eine offene und dauerhafte Kommunikation. Den Punkt Kommunikation führten fast alle Tische als wichtigen Stichpunkt auf, um eine große Zahl an Bürgern zur Beteiligung zu animieren. Nicht unerheblich sei es dabei, bereits die Inklusionsveranstaltungen barrierefrei zu gestalten. Als ebenfalls wichtig erachteten die Teilnehmer einen klar strukturierten Prozess und eine zeitige Umsetzung.

Gegen Ende der Veranstaltung teilten sich die Teilnehmer, die weiterhin an der Thematik arbeiten möchten, in drei Arbeitsgruppen ein. Zum Thema „Inklusion in der Verwaltung“ fanden sich acht Interessenten, für „Inklusive Bildung“ 20 Personen und für „Inklusion im Lebensraum der Zivilgesellschaft“ 27 Personen. In diesen drei Gruppen werden die Ideen weiter ausgearbeitet, begleitet vom Landkreis und dem Bildungsexperten Steinert.

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