Dieter Gerlach aus Gessel ist leidenschaftlicher Plattensammler und spielt seine Schätze auf dem Grammofon ab Der Lack ist noch lange nicht ab

Syke-Gessel. Jeder, der schon einmal einen Fuß in Dieter Gerlachs Partykeller gesetzt hat, kam sich vor, als würde er gerade eine musikalische Zeitreise antreten. Knippst er das Licht an, werden längst verstorbene Größen wie Marika Rökk, Marlene Dietrich und Zarah Leander wieder lebendig. Die großen Diven lächeln, quer über den Partykeller verstreut, von unzähligen Plattenhüllen. Wer sich den Weg zur Theke bahnen möchte, kommt nur schwerlich voran - läuft Gefahr, sich am ein oder anderen Grammofon zu stoßen. Angespielt auf die Abspieldrehzahl seiner Schellackplatten, sind in Gerlachs Keller 78 Umdrehungen pro Minute keine Seltenheit - auch wenn es nur O-Saft gibt.
21.06.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Syke-Gessel. Jeder, der schon einmal einen Fuß in Dieter Gerlachs Partykeller gesetzt hat, kam sich vor, als würde er gerade eine musikalische Zeitreise antreten. Knippst er das Licht an, werden längst verstorbene Größen wie Marika Rökk, Marlene Dietrich und Zarah Leander wieder lebendig. Die großen Diven lächeln, quer über den Partykeller verstreut, von unzähligen Plattenhüllen. Wer sich den Weg zur Theke bahnen möchte, kommt nur schwerlich voran - läuft Gefahr, sich am ein oder anderen Grammofon zu stoßen. Angespielt auf die Abspieldrehzahl seiner Schellackplatten, sind in Gerlachs Keller 78 Umdrehungen pro Minute keine Seltenheit - auch wenn es nur O-Saft gibt.

"Seit einem Vierteljahrhundert sammle ich Platten", plaudert der Gesseler aus dem Nähkästchen. Sein erstes Schätzchen habe er sich in Los Angeles zugelegt. Wen er damals über den großen Teich geholt hat, weiß der gelernte Kaufmann heute allerdings nicht mehr. Lediglich das Tänzchen mit Doris Day hat sich auf immer und ewig in seine Erinnerung gebrannt. Marilyn Monroe und Edith Piaf, Caterina Valente und Rosita Serrano bevölkern nicht nur Dieter Gerlachs Partykeller, sondern auch seinen Dachboden.

Dieters nostalgischer Plattenteller

Rund 1000 Schellackplatten nennt der Musikfreund sein Eigen. Warum gerade die antiquierten Platten aus Schellack? "Wegen der Nebengeräusche", liebt der Gesseler das geheimnisvolle Knistern und Krackeln solcher Tonträger aus vergangenen Jahrzehnten. CDs würden ihm einfach zu blechern klingen. "Live is live", gibt es für Dieter Gerlach keine Alternative zur Schellackplatte.

Besonders Schlager der 20er bis 50er- Jahre haben es ihm angetan. "Das war einfach eine aufregende Zeit", erinnert sich Gerlach. Aber auch von Uschi Nerkes Beat Club oder Ilja Richters Disco hat er keine Folge verpasst. Den legendären Hamburger Starclub kennt der Gesseler sogar von innen. Viele Senioren von Bremen bis Nienburg, von Worpswede bis Diepholz, teilen Dieter Gerlachs musikalische Leidenschaft. Mit seinem nostalgischen Plattenteller tourt er durch die Seniorenheime in Bremen und umzu, hält die Erinnerungen an Peter Alexander und Hans Albers wach. Wenn der Mann, der nur ungern über sein wahres Alter spricht - das hat er sich von den großen Diven abgeguckt - Rudi Schurickes "Capri Fischer" auflegt, ist er selig. Auf Flohmärkten macht er ab und an noch mal ein Schnäppchen. Bloß "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" in der Version von Lolita fehlt ihm noch in seiner umfangreichen Plattensammlung.

Klar, dass Dieter Gerlach seine musikalischen Schätzchen hegt und pflegt. Und zwar ganz traditionell mit Wasser und Seife. "Gehe ich da mit dem Reinigungsgerät ran, dauert das ewig und drei Tage", findet er. Übrigens: Ein Caruso aus dem Jahr 1900 sei die älteste Platte in seiner Sammlung, verrät der passionierte Musikliebhaber. Der ist auch stolzer Besitzer eines Tischgrammofons sowie eines Tefifons. Eines was? Eines Wiedergabegerätes für sogenannte Schallbänder. Kassetten, die von einer Abtastnadel gelesen wurden. "Tefifone konnte man auch an das Radio anschließen", erinnert sich Gerlach.

An manchen Stellen in seinem Keller gibt es bereits jetzt kein Durchkommen mehr. Plattenhüllen reihen sich an Plattenhüllen. Verständlich, dass Dieter Gerlach einen Großteil seiner Freizeit mit Sortieren verbringt. Seine Frau habe für sein Hobby, nostalgische Schellackplatten, jedoch nichts übrig: "Die hört lieber die Kastelruther Spatzen", erzählt der Gesseler schmunzelnd und legt gleich noch eine Platte auf: "Schöner Gigolo, armer Gigolo, denke nicht mehr an die Zeiten..." knistert und krackelt es auf dem Grammofon, dem mechanischen Vorläufer des Plattenspielers.

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