Bassumer Medaille: Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich Rainer Schneider bei der DRK-Bereitschaft in Bassum

Der Mann mit dem Helfersyndrom

„Im Laufe der Jahre sind Freundschaften entstanden.“ Rainer Schneider Bassum·Wildeshausen.
17.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der Mann mit dem Helfersyndrom
Von Christoph Starke

Weserstadion. Wir schreiben das Jahr 1997. Der König des Pop hält Hof. Michael Jackson tanzt seinen weltberühmten Moonwalk, singt seine Überhits „Thriller“, „Bad“ und „Black Or White“. Rainer Schneider ist auch im Weserstadion. Allerdings nicht zum reinen Vergnügen, sondern als ehrenamtlicher Helfer der Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Bassum. Die Megashow des Stars bekam Rainer Schneider trotzdem voll mit. Es sei nämlich recht ruhig geblieben.„Das Konzert konnten wir von Anfang bis Ende genießen, es ging allen gut“, blickt er auf ein Ereignis zurück, „das für immer im Kopf drin ist“.

Rainer Schneider hat viel erlebt im Bassumer DRK. Dort ist er zusammen mit Günther Brockmann Bereitschaftsleiter und MPG-Beauftragter. MPG steht für Medizin-Produkte-Gesetz. Die Aufgabe ist vergleichbar mit der eines Gerätewarts bei der Feuerwehr. Außerdem leitet er das Jugend-DRK in Bassum und die Schnelle-Einsatz-Gruppe Nord des DRK auf Kreis-Diepholzer-Ebene.

Für sein Engagement ist er vor Kurzem mit der Bassumer Medaille geehrt worden. Dabei wohnt der 53-Jährige nicht einmal in der Lindenstadt, sondern in Wildeshausen.

„Ich habe ein Helfersyndrom“, sagt Rainer Schneider über sich. Ein Helfersyndrom, das ihm von seiner Familie vorgelebt wurde. „Mein Papa und mein Onkel waren im Roten Kreuz. Als Kind durfte ich öfters mit, fand ich toll.“ Er trat in seiner damaligen Heimat Harpstedt in die DRK-Jugend, später in die Bereitschaft ein. Nach der Kreisreform Ende der 1970er-Jahre hätte es allerdings keine Bereitschaft mehr in Harpstedt gegeben, sodass sich Schneider fragen musste: „Wo gehe ich hin?“In Bassum kannte er die Helfer von Lehrgängen und entschied sich für das Rote Kreuz in der Lindenstadt. „Wir in Bassum sind eine reine Sanitätsbereitschaft, wir sind nur für die Notfallversorgung bei Veranstaltungen da“, erzählt er. „Das fängt beim Pflaster an und hört beim Kreislaufkollaps auf.“ 400 bis 800 Arbeitsstunden kämen da bei ihm im Jahr zusammen.

Tragische und brenzlige Situationen hat er in den mehr als 30 Jahren beim DRK sicherlich erlebt. Aber wirklich an einzelne dramatische Szenen könne er sich nicht erinnern. „Man verdrängt oder vergisst es ein bisschen. Wenn etwas Schlimmes passiert, redet man darüber und dann ist es ad acta gelegt“, sagt Schneider, der gelernter Altenpfleger ist und zurzeit als Fachpflegekraft im Maßregelvollzugszentrum in Zeven arbeitet. Er bezeichnet sich selbst als Workaholic, sein DRK-Ehrenamt als Ausgleich zu seinem Job.

Die Auszeichnung mit der Bassumer Medaille sieht Rainer Schneider als Anerkennung für das ganze Helfer-Team der DRK-Bereitschaft in Bassum. Zurzeit zähle das Team sieben Aktive. Es sei aber schwer, neue Kräfte zu finden. „Wir freuen uns über jeden“, hofft Schneider auf mehr Zulauf.

Gerne erinnert er sich an die Kürbisfeste auf dem Hof Nüstedt in Döhren. Da sei man in erster Linie für die Kinder da, wenn die die Kürbisse schnitzen. „Da steigt unser Pflasterverbrauch immens“, erzählt er schmunzelnd. Auch beim Brokser Markt ist die Bassumer Bereitschaft vor Ort, ebenso wie auf der Kartbahn in der Lindenstadt, beim Schwarmer Grasbahnrennen oder beim Kartoffelfest an der Freudenburg.

Schneider liebt sein Ehrenamt. Das DRK aufgeben komme für ihn nicht in Frage. Aber es habe schon Momente gegeben, wo ihm sein Ehrenamt nicht so viel Spaß machte, räumt er ein. „Dann besteht die Möglichkeit, sich ein bisschen herausziehen, sodass man zwei, drei Monate keine Dienste macht“, erzählt er. Schneider findet es nicht nur toll zu helfen, sondern schätzt auch den Zusammenhalt bei der Bereitschaft in Bassum. „Im Laufe der Jahre sind Freundschaften entstanden“, lässt Schneider wissen.

Er selbst musste vor einigen Jahren auch schon einmal die Hilfe des DRK in Anspruch nehmen. „Da hatte ich einen Verkehrsunfall“, erinnert er sich. „Und dann kam der Rettungswagen aus Bassum. Das Schöne daran war, dass ich die Leute auf dem Fahrzeug kannte.“

Wenn neben Job und Ehrenamt doch Zeit bleibt, liest Rainer Schneider gerne historische Kriminalromane. Außerdem hat er einen Hund, mit dem er am liebsten lange spazieren geht.

Und auch im Ehrenamt schätzt er die ruhigen Zeiten. „Der schönste Dienst ist immer der, in dem nichts passiert“, findet Rainer Schneider. Wie damals 1997 bei Michael Jackson.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+