Syke Der Regen vertreibt das Bürgerpicknick aus dem Garten

Syke. Jung und Alt und wer immer Lust zu einem Picknick hatte, egal welcher Kultur er angehört, war eingeladen, am Sonntag, in den Europagarten in Syke zu kommen. Mitgebrachtes zu verschmausen und an einer langen Tafel mit den Tischnachbarn ins Gespräch zu kommen war das Ziel.
31.08.2015, 00:00
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Von BÄRBEL RÄDISCH

Jung und Alt und wer immer Lust zu einem Picknick hatte, egal welcher Kultur er angehört, war eingeladen, am Sonntag, in den Europagarten in Syke zu kommen. Mitgebrachtes zu verschmausen und an einer langen Tafel mit den Tischnachbarn ins Gespräch zu kommen war das Ziel. Als Ergänzung zum Bürgermahl im Ratssaal mit begrenzter Kapazität, wurde vor vier Jahren diese Veranstaltung unter freiem Himmel ins Leben gerufen. Leider machte in diesem Jahr das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Schon in den frühen Morgenstunden war den Ausrichtern Gerhard Thiel, Vorsitzender der Europa-Union im Landkreis Diepholz, und Geschäftsführer Jonathan Kolschen sowie Volker Galperin vom Verkehrs-, Verschönerungs- und Bürgerverein (VVV) nach heftigen Gewitterschauern klar, es musste ein Ausweichquartier möglichst unter einem Dach gefunden werden. Dank Johannes Huljus, Vorsitzender des Vereins Rund ums Syker Rathaus, öffnete die Alte Posthalterei an der Waldstraße ihre Türen. Noch von Optimismus getragen, stellten fleißige Helfer Tische im Garten auf und legten Kissen auf die Stühle, wobei die Kissen aber schon beim nächsten Schauer wieder zusammengerafft wurden. Timo Eggers, der mit seinem Hund Schmusebacke zum Helfen gekommen war, bedauerte das ebenso wie Ortsbürgermeisterin Gabriele Beständig. Sie begrüßte die Anwesenden – nahezu alle in einer Funktion, in politischen Gremien, Vereinen oder Parteien tätig. Hubert Bischoff und Ehefrau Sylke hingegen outeten sich: „Wir sind schlicht und einfach Syker Bürger ohne ein Amt. Wir finden, wenn eine solche Veranstaltung auf die Beine gestellt wird, muss man auch hingehen.“ Traurig fanden alle, die für das Programm zuständig waren und sich Gedanken gemacht hatten, dass sowohl das Duo Arrested Amtsbrüder ausgeladen werden musste und die Quizfragen rund um europäische Staatsoberhäupter und Hauptstädte nicht zum Zuge kam.

Ursprünglich stammt die Idee des Bürgerpicknicks aus Frankreich. Dazu passte, dass der Vorsitzende des Deutsch-Französischen Freundeskreises, Eberhard Schierenbeck, Wein aus der Partnerstadt Le Charte ausschenkte. Der stellvertretende Vorsitzende der Europa-Union im Landkreis, Heinz Kolata und seine Frau Ingeborg, packten wie auch die anderen ihr Mitgebrachtes aus. „Belgischer Vintage-Käse, italienische Salami und Paprika von der Insel Reichenau. Ein kleiner europäischer Querschnitt an Kulinarischem“, sagten die beidem dazu. Besucherin Lisa Dannemann köpfte derweil ihr erstes Frühstücksei. Sechs hatte sie dabei.

Bei einem Rundgang durchs Café fiel der Blick auf einen Teil der Ausstellung des Syker Künstlers Ekkart Scholz. Kinderzeichnungen, die seine Mutter aufgehoben hatte, zeigten, wie der kleine Junge Kriegserlebnisse, Soldaten und Bombardierung zu Papier gebracht hatte. „Nie wieder Krieg“ hieß es nach dem Zweiten Weltkrieg. Und nun sind schon wieder Hunderttausende auf der Flucht. Das Integrationsbeiratsmitglied Liane Brockmann erzählte, wie begeistert sie sei, dass es mit Flüchtlingen in Syke keine Probleme gäbe. „Im Gegenteil, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist beispielhaft, entgegen den Horrormeldungen, die derzeit die Medien beherrschen. Dazu kommt, auch die Neuankömmlinge bringen sich ein. Zwei Frauen helfen zum Beispiel bei der Tafel und einige Männer gehen jeden Tag zu einer Gärtnerei und arbeiten dort unentgeltlich.“ Ohne Regen hätten solche Gespräche an langer Tafel ein viel breiteres Publikum erreicht.

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