Neue Ausstellung im Café Alte Posthalterei

Der Syker, der Licht ins Dunkel bringt

Ein Glühfaden, der durchbrennt. Eine Zitrone, die in ein Glas fällt und das Wasser spritzen lässt. Momente, in denen faszinierende Bewegungen entstehen. Diese hat André Ahrens eingefangen.
04.09.2017, 17:49
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Von Dominik Albrecht
Der Syker, der Licht ins Dunkel bringt

Projektil an Glühbirne: Das Bild der zerspringenden Glühbirne war André Ahrens erstes Werk.

Janina Rahn

Syke. Wenn aus der abgedunkelten Nachbarwohnung Schüsse ertönen und in deren Badezimmer rote Spritzer die Dusche zieren, sollte man entweder die Polizei rufen oder André Ahrens wohnt nebenan. Im letzteren Fall muss sich allerdings keiner Sorgen, denn er ist Fotograf und wahrscheinlich gerade dabei, neue Bilder zu machen. Die Ergebnisse seiner ersten Arbeiten stellt er unter dem Titel „Faszination Licht“ ab Donnerstag, 7. September, im Café Alte Posthalterei in Syke aus. Die Vernissage ist am Sonnabend, 9. September, um 18 Uhr.

„Für viele Menschen ist Licht eine Selbstverständlichkeit, wir schenken ihm viel zu wenig Aufmerksamkeit“, findet André Ahrens. Und das, wo das Licht doch so viele Möglichkeiten biete. Darüber hinaus sei Licht ein wunderbares Mittel, um Momente einzufrieren. Also hat sich der studierte Elektrotechniker seine Kamera geschnappt und sein Zimmer abgedunkelt. Moment, also doch kein Licht? Doch, allerdings nur für Millisekunden, bringt André Ahrens Licht ins Dunkel: „Ich habe einen komplett dunklen Raum, mache einmal den Verschluss meiner Kamera auf und der Blitz sowie dessen Brenndauer alleine definieren das Bild.“

André Ahrens hat sich schon zu Schulzeiten Videoaufnahmen gewidmet, später folgten 3D-Animationen. Fotografie ist für ihn immer ein technisches Mittel gewesen: „Fotos sind für mich keine Ausdrucksform. Für mich liegt der Reiz in der Herausforderung, das Bild zu machen.“ Daher sieht sich Ahrens als Fotograf, nicht als Künstler.

So begibt sich der Ingenieur und wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni Hannover (Studiengang Elektrotechnik) seit etwa fünf Jahren hobbymäßig auf die Jagd nach der einen Sekunde. Die eine Sekunde, in der eine Zitrone beim Eintauchen in Wasser selbiges spritzen lässt. Die, in der das Projektil aus einem Luftgewehr auf eine Glühbirne trifft und sie effektvoll zerspringen lässt. So beeindruckend die Bilder auch wirken, die geopferten Glühbirnen und Maiskörner haben keine Sekunde Studioluft geschnuppert. André Ahrens hat viele Bilder in seiner hannoverschen Studenten-WG aufgenommen, den Rest in seiner eigenen Wohnung. Im Badezimmer letzterer entstand beispielsweise ein Foto von einem Weinglas, aus dem der rote Rebsaft schwappt. Die Kamera wurde auf dem Toilettendeckel positioniert, hatte von dort gute Sicht auf das gefüllte Glas in der Dusche. „Aus praktischen Gründen, die kann man abspülen“, erklärt der Syker.

Mit der 30 Bilder umfassenden Ausstellung im Café und Spieker möchte der Fotograf die Bilder einer anderen Zielgruppe zugänglich machen. „Die Generation, die sich in ein Café begibt, um Tee zu trinken, ist eine andere als die, die mit dem Smartphone in der Bahn sitzt“, weiß Ahrens. Gleichzeitig ist sich der Syker bewusst, dass Bilder dieser Art längst kein Novum mehr sind. Dennoch lohnt sich seiner Meinung nach ein Blick auf seine Bilder: „Die Menschen, die die Bilder hier sehen werden, haben sich vielleicht noch nicht mit den Bildern auseinandergesetzt und entwickeln eine Faszination für sie.“

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