Syker Porträts im Erzählcafé Der Wald trägt seine Handschrift

Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier sieht sich nicht nur als „Holz-Förster“. Er fühlt sich in besonderem Maß der Beziehung von Mensch und Wald und der nachhaltigen Waldentwicklung verbunden.
10.04.2018, 17:15
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Der Wald trägt seine Handschrift
Von Jürgen Juschkat

Syke. Er ist der Herr der tausend und abertausend Bäume in den Wäldern in und rund um Syke. Der 57-jährige Heinz-Dieter Tegtmeier ist nämlich Leiter der Revierförsterei Syke, die ihren Sitz im Katasteramt an der Schloßweide hat. Der in Leese im Landkreis Diepholz geborene Tegtmeier fing 1991 vor Ort als Revierförster an und sagt heute: „Es war damals noch ein deutlich kleineres Revier, doch es hat mittlerweile sehr viele Veränderungen gegeben. Dahingehend ist das Revier größer geworden.“ Am Donnerstag, 12. April, wird Heinz-Dieter Tegtmeier ab 19.30 Uhr im Rahmen der Vortragsreihe „Syker Porträts“ im Erzähl-Café über sich und seine Arbeit sprechen.

Tegtmeiers Wirkungsfeld ist 1800 Hektar groß und umfasst Westermark, Friedeholz und den Bereich Bassum. Das zuständige Forstamt hat seinen Sitz im rund 50 Kilometer entfernten Ahlhorn. Für den Revierförster ist einst ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen. „Bereits bei der Berufsberatung in der zehnten Klasse wusste ich, dass Förster mein Traumberuf ist“, erklärte der 57-Jährige, der bekanntlich auch diesen Berufsweg eingeschlagen hat.

Zusätzliche Arbeit fällt auch für den Syker Revierförster immer an, wenn Unwetter mit Sturm oder sogar Orkan Schäden angerichtet haben. „Anfangs ist Frust dabei, wenn größere Schäden und Flächenwürfe entstanden sind. Doch das ist die Kraft der Natur“, sagt Tegtmeier. Es sei zwar zusätzliches Arbeitsvolumen, aber auch die Chance, an einigen Stellen den Wald umzubauen. „Der Umbau des Waldes hin zu mehr Vielfalt und Stabilität geht weiter – auch wegen der klimatischen Veränderungen – und die Arbeit des Försters geht keineswegs zu Ende“, ergänzt Johannes Huljus die Ausführungen Tegtmeiers.

„Die Bestände sind älter geworden“, hat der aktuelle Syker Wald-Fachmann festgestellt. „In 30 Jahren können Bäume ganz schön dick werden“, schmunzelt Tegtmeier. Ein Förster arbeitet eigentlich immer für die nachfolgenden Generationen, doch gerade im Syker Wald, dem Friedeholz und der Westmark, stehen erst 45 Jahre nach der schweren Sturmkatastrophe von 1972 schon wieder mächtige Bäume und es gibt zurzeit viel Arbeit. „Viel wächst zu und viel kann geerntet werden“, sagt Tegtmeier. Und so halten zahlreiche Syker Säger und Käufer von Brennholz gerade in diesen Zeiten den Förster mächtig auf Trab.

In diesen Tagen sind aber auch Waldarbeiter damit beschäftigt, in der Westermark Buchen zu pflanzen. Der Sturm Friederike hatte im Januar mit schweren Windböen dort seine Spuren hinterlassen. „80 bis 90 Jahre alte Bäume wurden umgehauen, auch standfeste Douglasien“, stellte der Revierförster fest, der sich zwischenzeitlich ein Bild von den Neuanpflanzungen macht.

Tegtmeier vergleicht den Wald mit einem bunten Kirchenfenster und spricht von „Mosaikwirkung“, wenn er vom Mischwald spricht. „Die Tendenz geht zu mosaikartig hin“, sagt er und verweist auf kleinflächige Bepflanzung wie hier neben den hohen Kiefern. Durch entsprechende Aufforstung werden auch Nadelholzbereiche zu Mischbeständen. Halbschatten kommt übrigens den Buchen entgegen, die zu den Haupt-Wirtschaftsbaumarten zählen.

In der Westermark wird zum Setzen der neuen Bäume ein kleiner Bagger mit zusätzlichen, speziellen Langzähnen eingesetzt. In das vorbereitete Loch wird der noch junge Baum gesteckt und anschließend der Waldboden wieder rangeschoben. Das geht nach einem genauen Arbeitsplan, den der Förster mit den Forstarbeitern abgesprochen hat. „Der Wald trägt seine Handschrift“, lobt Johannes Huljus den Syker Revierförster. Er war selbst einmal Förster und kennt sich in diesem Metier bestens aus. „Hier gibt es den Erholungswald für Bremer“, weiß er nur zu gut. Auf die Frage, ob er selbst alles nach seinem Geschmack gestalten könne, sagt Tegtmeier: „Die Freiheiten sind größer geworden, aber es gibt natürliche Zwänge.“

Der Revierförster klärt auch auf, so beim Waldprojekt der KGS Leeste, welches es schon mehr als 20 Jahre gibt. Seine Hände im Spiel hat Tegtmeier aber unter anderem auch bei „Wald und Kunst“ und bei den immer mehr werdenden Waldkindergärten. „Das ist eine schöne Auswirkung durch die Zusammenarbeit mit den Schulen“, hat der 57-Jährige festgestellt.

Die Vielfalt heimischer Baumarten, auch das enorme Wachstum der importierten Nadelhölzer wie Douglasie oder amerikanische Küstentanne, sorgen für eine hohe Produktivität des Waldes in der Region, doch Tegtmeier sieht sich nie als nur ein „Holz-Förster“. Er fühlt sich vielmehr in besonderem Maße der Beziehung von Mensch und Wald, den Schulen in der Umweltbildung und der nachhaltigen Waldentwicklung verbunden.

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