Der Waldkindergarten in Syke hat noch freie Plätze / Sorgsamer Umgang mit der Natur Die Frischluft-Knirpse

Dass Stadtkinder denken, die Milch käme aus dem Tetra-Pack und nicht aus der Kuh, ist ein gern genommenes Beispiel, um die Entfremdung der Kinder von der Natur beispielhaft darzustellen. Die Lösung wäre ganz einfach. Sie heißt Waldkindergarten. Der in Syke hat noch Plätze frei.
09.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Die Frischluft-Knirpse
Von Micha Bustian

Dass Stadtkinder denken, die Milch käme aus dem Tetra-Pack und nicht aus der Kuh, ist ein gern genommenes Beispiel, um die Entfremdung der Kinder von der Natur beispielhaft darzustellen. Die Lösung wäre ganz einfach. Sie heißt Waldkindergarten. Der in Syke hat noch Plätze frei.

Syke. Freitagmorgen, 8.15 Uhr. Auf dem Parkplatz vor dem Syker Waldstadion warten Anja Wohlfarth, Angelika Gremm, Nicole Fromm und Susanne Kohl-Hoff auf ihre Schützlinge, auf die Waldzwerge. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort ist, der muss den Weg zum Waldkindergarten mit seinen Eltern antreten, Pünktlichkeit ist also gefragt. Vom Parkplatz geht ein Weg hinein ins Friedeholz, die erste Gabelung rechts und dann gleich hinter zwei Kunstwerken der Reihe Wald-Weg-Zeichen wieder rechts – dort haben die Waldzwerge ihr Revier abgesteckt.

Eine ordentliche Strecke für die Beinlängen drei- bis fünfjähriger Kinder. "Nach dem Marsch können sie sich im Sitzkreis auch erst einmal ausruhen", schmunzelt Anja Wohlfahrt. Denn die Leiterin des Kindergartens Wundertüte, dem die Waldzwerge angeschlossen sind, weiß sehr wohl, dass Steppkes in dieser Altersklasse kaum müde zu laufen sind. Bester Beweis: Sekunden später testen Lina und Luna laut kreischend Wohlfarths Standfestigkeit, um anschließend selber lachend auf dem Waldboden herumzukugeln.

Waldkindergarten – das heißt im Idealfall vier Stunden jeden Tag an der frischen Luft. Die Waldzwerge haben es sich gemütlich gemacht im Friedeholz. Auf dem rund anmutenden Areal finden sich eine Toilette, ein Waschplatz, eine Handwerks-Ecke, der mit bunten Sitzkissen auf Baumstümpfen ausgestattete Sitzkreis, eine Feuerstelle, eine Schaukel, Buddelkuhlen, ein riesiges Tipi und ein alter Bauwagen. Der wurde gerade renoviert und ist eine Art Katastrophenschutz für die Waldzwerge bei Malheuren, die in diesem Alter durchaus passieren können. Normalerweise allerdings sollten Kinder, die im Sommer zum Waldkindergarten kommen, im Winter darauf trocken sein.

Von 8 bis 12 Uhr jeden Tag werden bis zu 15 Frischluft-Knirpse werktäglich betreut. Der normale Tagesablauf ist es, der Anja Wohlfarth begeistert. Für die Eltern sei es zwar ein höherer Aufwand als bei einer Indoor-Kindergartengruppe, "aber für die Kinder ist es gut zu sehen, dass nicht alles selbstverständlich ist, was sie zu Hause haben". Womit Anja Wohlfarth bei den Vorteilen eines Waldkindergartens angekommen ist. Sorgsamen Umgang mit der Natur nennt sie als erstes, hautnahe Erfahrungen mit Temperatur, Sonnenlicht, Wind und Geräuschen schließen sich an. "Außerdem gibt es hier keine begrenzenden Mauern. Die Kinder lernen so, aufeinander aufzupassen, aufeinander Rücksicht zu nehmen." Susanne Kohl-Hoff fügt noch Motorik, Koordination und Achtsamkeit an. "Am Anfang stolpern die meisten noch über jede Wurzel, aber das gibt sich schnell."

Die größte Angst der Eltern wäre, so Berichtet Anja Wohlfarth, dass ihre Kinder in einem Waldkindergarten nicht ausreichend auf die Schule vorbereitet werden. Eine Angst, die die Institutsleiterin schwer nachvollziehen kann. Motorik, Auffassungsgabe, Sozialisation – das alles wäre gewährleistet. Und auch die direkte Schulvorbereitung würde im "Sechser-Club" geleistet. Nur das die Materialien anders sind als in einem Backsteinhaus.

Neben ihrem Alltag gehen die Waldzwerge einmal monatlich im Barrier Hallenbad schwimmen, regelmäßig in die Bücherei oder mit Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier auf Exkursion. Bei Schnee zieht der gesamte Tross dann auch gerne zum Rodeln in die Wolfsschlucht. Zu kalt? Gibt’s nicht. "Wenn die Kinder richtig gekleidet sind, sind sie gerne den ganzen Tag draußen", meint Angelika Gremm. Zu gefährlich? Gibt es sehr wohl. Bei Unwetterwarnungen und Gewittern ziehen sich die Waldzwerge ins nahegelegene Schützenhaus zurück. "Dort steht uns ein Raum mit Spielzeug zur Verfügung", erklärt Anja Wohlfarth.

Spielzeug? Kinderkram. Finden zumindest Tjeark und Mino. Sie schnappen sich jeder einen Hammer und eine Kiste mit Nägeln und beginnen gemeinsam mit Erzieherin Nicole Fromm, einen alten Ast zu bearbeiten. "Das ist mir zu laut", befindet Siri und verschwindet in Richtung Buddelkuhle – wo es allerdings auch nicht richtig mädchenhaft zugeht.

Wer sein Kind gerne in den Syker Waldkindergarten Waldzwerge schicken möchte, kann sich unter Telefon 04242/5749378 bei Anja Wohlfarth melden. "Wir haben gerne Besuch hier", sagt die leitende Erzieherin. Ein Hospitationstermin sei allerdings sinnvoll, weil die Waldzwerge "manchmal auch ausgeflogen" seien.

Die Frischluft-Knirpse

Der Waldkindergarten in Syke hat noch freie Plätze / Sorgsamer Umgang mit der Natur

Zitat:

"Am Anfang stolpern

die meistern Kinder

über jede Wurzel."

Susanne Kohl-Hoff

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+