Wo unsere Nahrungsmittel herkommen: Zu Besuch bei Henning Mysegades und seinem Spargelhof in Riethausen Die Königin der Gemüse läuft grün an

Riethausen. Eingebettet in eine leicht hügelige Landschaft am Rand des Sellingsloh liegt der Spargelhof Mysegades, dessen Hofstelle schon im Jahre 1667 erstmalig erwähnt wurde. Spargel ist hier der Haupterwerbszweig, dazu hat Landwirt Henning Mysegades eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) für gemeinsame 230 Hektar Ackerland mit Hauke Brünjes aus Bruchhausen gegründet (wir berichteten).
16.03.2016, 00:00
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Von Karin Neukirchen-Stratmann

Eingebettet in eine leicht hügelige Landschaft am Rand des Sellingsloh liegt der Spargelhof Mysegades, dessen Hofstelle schon im Jahre 1667 erstmalig erwähnt wurde. Spargel ist hier der Haupterwerbszweig, dazu hat Landwirt Henning Mysegades eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) für gemeinsame 230 Hektar Ackerland mit Hauke Brünjes aus Bruchhausen gegründet (wir berichteten). Spargel spielt auf dem Familienbetrieb die Hauptrolle, und das seit 35 Jahren. „Mit einem Hektar Spargel haben wir 1981 angefangen“, sagt Henning Mysegades.

Davor sei der Hof ein konventionell geführter Betrieb mit Milchvieh, Schweinemast, Getreide- und Kartoffelanbau gewesen. „Mein Vater stand damals vor der Frage, einen größeren Stall zu bauen. Zu dieser Zeit hatte mein Onkel schon Spargel. Das hat meinem Vater gefallen, und so haben wir die Tiere abgeschafft und mit Spargel angefangen“, so der 44-Jährige. „Mit Hausfrauen aus dem Ort und in sehr überschaubarem Rahmen“, wie Mysegades ergänzt. Anfang der 1990er-Jahre dann, als die Ostgrenze aufging, habe man auf polnische Arbeitskräfte zugreifen können. Das ist bis heute so geblieben, neu will Henning Mysegades in diesem Jahr auch erstmals Rumänen beschäftigen. „Von den Polen sind viele von Anfang an dabei, oder zumindest schon sehr lange.“ Rund 35 Arbeiter sind in der Spargelsaison beschäftigt, die Ende März/Anfang April beginnt, und am 24. Juni endet. Die Anbaufläche ist auf rund 16 Hektar angewachsen. In der GbR mit Hauke Brünjes werden dann unter anderem auch noch Kartoffeln angebaut, die Henning Mysegades wie den Spargel direkt vermarktet. Dazu gibt es einen Hofladen, der im Winter noch einmal vergrößert und modernisiert wurde. Verkaufsstände auf Wochenmärkten, vor Supermärkten oder im Straßenverkauf gehören ebenfalls zum Direktvertrieb.

1999 schaffte sich der Betrieb eine Spargelschälmaschine an, und reagierte damit auch auf Kundenwünsche. „Geschälter Spargel wird nicht nur in der Gastronomie, sondern auch im privaten Bereich immer stärker nachgefragt“, so Henning Mysegades. Bevor der erste Spargel gestochen wird, beginnt auf dem Betrieb schon die arbeitsintensive Zeit. Im März steht die Pflege der Junganlagen auf dem Programm, und neue Anlagen müssen gepflanzt werden. „Die Pflanzen, einjährig, bekomme ich von einem Züchter geliefert“, erklärt Henning Mysegades. Mit einer Maschine werden diese ausgepflanzt, etwa 15 000 bis 20 000 Pflanzen pro Hektar. Im darauffolgenden Jahr kann man schon etwa zwei Wochen lang diesen Spargel stechen, das Jahr darauf schon die halbe Saison, im dritten Jahr dann die ganze Saison. „Mit vier bis sechs Jahren hat die Spargelpflanze ihren Höhepunkt erreicht, danach sinkt der Ertrag wieder.“ Neben der Neuanpflanzung gilt es im zeitigen Frühjahr auch, die Altanlagen auf die Ernte vorzubereiten. Damit diese ein paar Tage früher starten kann, nutzt der Spargelbauer Folien, um die Wärme der ersten Sonnenstrahlen im Boden zu speichern. Schwarze Folie wird auf den Spargeldamm gelegt, Metallstäbe darüber gesteckt und als Abschluss kommt eine durchsichtige Folie zum Einsatz. So entsteht ein Tunnel, in dem warme Luft zirkulieren kann.

Neben weißem Spargel baut Henning Mysegades auch grünen Spargel und Spargel mit violetten Köpfen an. „Gerade die Nachfrage nach Grünspargel steigt immer mehr.“ Die „Königin der Gemüse“, so heißt der Spargel auch im Volksmund, sei immer mehr ein „Massenprodukt“ geworden. Wenn der Spargel auf dem Feld gestochen ist, kommt er zum Waschen und Sortieren auf den Hof. Anschließend wird das Gemüse für eine kurze Zeit im Kühlhaus auf bis zu zwei bis drei Grad Celsius heruntergekühlt. Am nächsten Morgen gegen 4 Uhr geht es schon Richtung Märkte und Verkaufsstände. Kaum ein Lebensmittel wird so frisch vermarktet wie Spargel.

Während es auf den Feldern also langsam Richtung Erntebeginn geht, hat Henning Mysegades noch ein zweites Projekt in Arbeit. „Wir werden um Ostern herum ein Restaurant eröffnen“, so Ehefrau Silvia. Dieses soll in der Spargelsaison Freunden des edlen Gemüses offen stehen. Allerdings nur für Gruppen. Platz in dem umgebauten Anbau am Hof gibt es für etwa 30 Personen, die dort nach Voranmeldung klassischen Spargel – wahlweise mit Schnitzel oder Schinken – kosten können. „Dazu gibt es natürlich unsere eigenen Kartoffeln, und das Fleisch kommt von Landwirten aus der Region“, betonen Silvia und Henning Mysegades. Zusammen mit ihren drei Kindern Stian, Deerk und Jonna sowie Jagdhund Jerry wohnt die Familie im Haupthaus des alten Hofes. Die Kinder haben von jung an plattdeutsch gelernt, „sprechen es aber leider nicht so oft“, bedauert Henning Mysegades. Tradition wird in dem Haus gepflegt, nicht nur was die Sprache anbelangt, sondern auch die Landwirtschaft. „Mein Vater hat immer gesagt, Du musst den Spargel genauso behandeln wie die Kartoffeln.“ An diesen Ratschlag hält sich Henning Mysegades – mit viel Erfolg.

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