New Tec

Die Problemlöser

Bei der Firma New Tec in Heiligenfelde dreht sich alles um Landwirtschaft. So verkaufen Hendrik Hüsker und seine 30 Mitarbeiter verschiedene Landmaschinen, reparieren und vernetzen sie aber auch.
19.02.2019, 09:44
Lesedauer: 4 Min
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Die Problemlöser
Von Tobias Denne
Die Problemlöser

Ein Mann mit Profil: Betriebsleiter Hendrik Hüsker vor einem New-Holland-Traktor.

Janina Rahn

Syke-Heiligenfelde. Große Maschinen stehen auf dem Hof, der direkt an der Straße liegt. Ihre Hinterreifen sind mannshoch. Sie lassen erahnen, dass bei New Tec in Heiligenfelde alles eine Nummer größer ist – und bald noch größer wird. „Für 2019 ist der Bau einer komplett neuen Halle geplant“, sagt Hendrik Hüsker, der seit 23 Jahren an der Bundesstraße 6 aktiv und seit 22 Jahren Betriebsleiter ist. Dabei war er noch in der Ausbildung, als sein Vorgänger in den Ruhestand ging.

Seitdem hat sich bei New Tec einiges verändert. Und vergrößert. Angefangen hat das Unternehmen mit einer Zusammenlegung der beiden Raiffeisenfilialen Syke und Bassum vor 26 Jahren für Landmaschinen-Handel und -Reparatur mit zehn Mitarbeitern. „2016 hatten wir mehr als 9000 Quadratmeter Betriebsgelände und rund 30 Mitarbeiter“, erzählt Hüsker, dessen Firma Landwirte aus den Landkreisen Diepholz, Nienburg und Verden betreut. Insgesamt sind die Niederlassungen von New Tec in insgesamt sieben Bundesländern vertreten, neun Standorte gibt es in Niedersachsen. So verkaufen Hüsker und seine Mitarbeiter unter anderem Traktoren der Marke New Holland oder Grünlandgeräte der Firma Krone, um nur zwei Beispiele zu nennen. In Heiligenfelde arbeiten die Mitarbeiter mit 300 bis 400 Landwirten und Lohnunternehmern zusammen. Das bedeutet: „Der Landwirt kommt mit einem Problem zu uns. Entweder braucht er für eine bestimmte Arbeit eine Maschine, oder seine ist kaputt und muss repariert werden“, spricht Hüsker über die verschiedenen Aufgaben bei New Tec. Denn Landmaschinen sind nicht gerade klein und meist ständig im Einsatz: „Oft müssen etwa Kartoffeln nachts zu den Chips-Fabriken gebracht werden. Und wenn die Maschine dann unterwegs plötzlich stehen bleibt, was dann?“, fragt der Wachendorfer. Daher hat New Tec sieben Werkstattfahrzeuge im Einsatz, die bei Problemen zum Einsatzort fahren und dort helfen. „Wir wollen kein reiner Handelspartner sein, sondern verstehen uns als Partner des Kunden. Wir sind Problemlöser“, verspricht Hüsker, dass auch mitten in der Nacht jemand bei Notfällen mit einem ausgestatteten Wagen zum Einsatz fährt. „Vom Vorschlaghammer bis zum Laptop“, sind die Kleintransporter laut Hüsker ausgestattet. Denn gerade in der heutigen Zeit sei etwa ein Laptop für die Fehlerdiagnose unerlässlich.

Damit die Fahrzeuge auch perfekt ausgestattet sind, gibt es ein Ersatzteillager direkt neben der Werkstatt. Auf zwei Etagen lagern alles das, was ein Bastlerherz begehrt. „Das Lager fasst mehr als 20 000 einzelne Positionen wie Elektronikkomponenten, Sensoren, Steuerungsmodule oder Keilriemen. Derartige Teile brauchen wir vor Ort, damit wir schnell arbeiten können“, sagt Hüsker. So wie etwa bei Mähdreschern, bei denen vor der Erntesaison eine Wartung nötig sei. „Die Leute können nicht mit ihrem Fahrzeug zu uns fahren, deswegen machen wir das vor Ort, wenn es möglich ist.“ Ansonsten übernehmen die Mitarbeiter die Reparatur in der großen Halle. Auf rund 480 Quadratmetern können gleich mehrere Traktoren und andere Landmaschinen repariert werden. Dass in der 25 Jahre alten Halle viel Arbeit herrscht, ist nicht nur wegen der Reifenspuren des Gabelstaplers auf dem Boden zu erkennen. Momentan stehen vier Traktoren in der Halle, die noch nicht wieder funktionstüchtig sind. Noch stehen ihre Reifen an der Wand, demnächst soll es für sie aber wieder raus aufs Feld gehen.

Dass es immer weniger kleine Landwirte gibt, die die Dienste von New Tec in Anspruch nehmen, das merkt auch Hüsker. So seien die Betriebe mittlerweile zwischen 150 und 200 Hektar groß. Er selbst betreibt einen Putenmasthof in Bruchhausen-Vilsen. „Die Landwirtschaft wird immer größer, das merkt man vor allem in den letzten Jahren mit einer gewissen Brutalität. Bäuerliche Betriebe haben immer mehr Probleme zu überleben“, weiß der Wachendorfer. Er selbst habe jedes Jahr drei Aktenordner mit Dokumenten für die Vorschriften. „Eine Flut, die kaum noch zu beherrschen ist“, denn nur noch größere Betriebe können sich Mitarbeiter leisten, die sich nur mit dem Dokumentieren beschäftigten.

Daher lohne sich auch nicht die Anschaffung von Maschinen. „Im Sommer hat man durchschnittlich nur 15 gute Erntetage“, rechnet Hüsker vor. Wenn eine Maschine etwa 400 000 oder 500 000 Euro kosten würde, würde sich das für viele kleinere Landwirte nicht mehr rentieren. Die Größe der Betriebe ist derweil nicht die einzige Veränderung, die der gelernte Landwirt erkennt. „Digitalisierung ist ein riesiges Thema bei uns“, erzählt er. So ist gerade eines der Hauptthemen die Navigation auf dem Feld. So können Landwirte heutzutage mit Navigationsgeräten ihre Felder zentimetergenau bewirtschaften, wie etwa bei der Menge Saatgut oder Dünger, die auf ein Feld kommen. Wenn es beispielsweise eine Stelle auf dem Feld gibt, wo es wenig Sinn ergibt, dort zu düngen, ist das in den Systemen vermerkt und es wird weniger Dünger ausgeworfen. „Wir sorgen für die Vernetzung des Traktors und helfen bei der Anwendung der Geräte“, bietet New Tec laut Hüsker auch Schulungen für die elektronischen Assistenzsysteme in den Räumen an der Bundesstraße an. „Die Maschinen werden immer größer und komplexer“, weiß der Wachendorfer.

Daher müssten seine Auszubildenden in ihrer dreieinhalbjährigen Lehre mehr als nur die reine Mechanik der Maschinen lernen. Vor allem die Elektronik spielt eine immer wichtigere Rolle. Hüsker selbst hat nach seiner Ausbildung zum Landwirt noch eine zweite absolviert. So begann er seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in Heiligenfelde. Doch dann ging der damalige Betriebsleiter in Rente. „Da hat man sich ganz spontan überlegt, mich zum Nachfolger zu machen. Das Witzige war: Am Tag, als ich Betriebsleiter wurde, war ich noch Auszubildender“, erinnert sich Hüsker, der mit der neuen Halle, die doppelt so groß sein soll wie die alte, den nächsten Wachstumsschritt geplant hat. Größer kann New Tec dann aber nicht mehr werden. Dafür fehlt der Platz an der Straße.

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