BiB Syke

Die richtige Ansprache bricht das Eis

Zum 18. Mal lockte die Berufs-Informations-Börse Interessierte von nah und fern an. Über 100 Unternehmen stellten sich und ihre Ausbildungsberufe vor. Tausende Besucher nutzten die Gelegenheit.
23.02.2020, 18:12
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Von Karsten Bödeker
Die richtige Ansprache bricht das Eis

Auf der BiB in Syke gab es die ganze Vielfalt der Berufswelt zu entdecken. Tausende von Besuchern nutzten die Gelegenheit.

Michael Galian

Syke. Allerlei Azubi-Angebote, Praktika und Popcorn gab es an drei Tagen auf der Berufs-Informations-Börse (BiB) in den Berufsbildenden Schulen in Syke. Nach zwei Tagen für die Pennäler der allgemeinbildenden Schulen war am Sonnabend traditionell der Vormittag, an dem sich auch Eltern – idealerweise mit ihren Sprösslingen – auf Informationssuche begeben konnten. Dazu lockte auch diese 18. Auflage der Messe wieder mehrere tausend Besucher an.

Die Firmen kommen sowieso – mehr als 100 waren es diesmal wieder. Erstmalig dabei war die Gesundheit Nord, der Betreiber der Bremer Krankenhäuser. Die Anästhesie-Experten um Leiter Torsten Eggelmann hatten sogar einen Patienten als Anschauungsobjekt mitgebracht. Regungslos lag Tobi da, einen Beatmungstubus im Mund, Venenzugänge waren gelegt, EKG angeschlossen, offenbar ein schwer kranker Fall. Den blinkenden Anzeigen nach war er in stabilem Zustand – immerhin. Enya Biermann erklärte den Ablauf im OP-Saal und bereitete Tobi auf die Operation vor. Immer und immer wieder, doch Tobi blieb geduldig, schließlich war er eine Puppe. Der Dienst am Menschen nahm über die Jahre immer mehr Raum auf der BiB ein. Lebenshilfe, Deutsches Rotes Kreuz und Stiftung Waldheim stellten sich vor. Den Mangel in den Pflegeberufen thematisierte die Pflegefachschule des Landkreises Diepholz. Die vereinheitlichte Ausbildung inklusive der endlich verpflichtenden Zahlung einer Ausbildungsvergütung war nur ein Thema, über das Bernd Pache informierte. Der Schulleiter gab mit auf den Weg: „Der Pflegebereich wird immer Menschen benötigen. Denken Sie bei der Arbeitsplatzsuche an uns. Wir suchen auch für Management und Betriebsabläufe.“

Die Vielfalt der Berufswelt zeigte sich allein schon an den Ausstellern. Vom kleinen Handwerkbetrieb bis zu weltweit agierenden Unternehmen wie Siemens oder Kühne+Nagel reichte die Bandbreite. Bei der Bäckerinnung konnten nicht nur Getreidesorten erkannt werden, sondern es gab auch leckere Kaffeespezialitäten, um ins Gespräch zu kommen. Die richtige Ansprache brach das Eis. Ein Faktor, der bei den jungen Besuchern nicht zu unterschätzen sein dürfte. Da darf es auch mal locker zugehen: „Willst du nur quatschen, dann bin ich der Richtige. Oder brauchst du einen Fachmann?“, meinte ein junger Mitarbeiter eines großen Unternehmens und zeigte dabei schmunzelnd auf den Kollegen. Auch ein einprägsames Motto und natürlich Give-Aways mit dem Firmenlogo sorgten für Kontakt. „Wir sind scharf auf Dich“, prangte neben einer überdimensionalen Chilli-Schote bei der Stuhrer Firma Straschu. Mit „Einer wie du bringt Ordnung in den Großstadtdschungel“, warben Garten- und Landschaftsbauer.

Die Vielfalt der Berufe selbst bei einem Unternehmen überraschte sogar manches Elternteil. Allein bei Mercedes gab es Informationen zu neun Jobs. Insgesamt wurden auf der BiB 86 Ausbildungsberufe vorgestellt – diverse duale Studiengänge inklusive. Vom Frisör bis zum Fitnessökonom, vom Landwirt bis zum Logistiker, vom Pädagogen bis zum Polizisten war alles dabei. Lloyd-Schuhe aus Sulingen hatte Anschauungsmaterial aus der Arbeit der Schuhdesigner mitgebracht. Ob allerdings der blutig aussehende Halloween-Schuh es zur Serienproduktion schafft, blieb fraglich. In den Werkstätten gab es Einblicke in die Handwerksberufe. Die Kfz-Mechaniker zeigten ihre neue Halle, in die nicht nur mehr, sondern auch deutlich größere Fahrzeuge passen. Nebenan wurden Karosserien lackiert. Zugucken, Fragen und Ausprobieren war ausdrücklich erwünscht. Die angehenden Maler hatten jeder eine eigene Box, in der sie tapezieren und malen können. Die Tischlergesellen zeigten ihre perfekt gearbeiteten Schachbretter. Berufsschüler in Warnwesten gehörten zum Scout-Team, das die Wege zwischen den zwei Gebäudekomplexen und innerhalb der verschlungenen Werkstätten zeigte.

Während der Sohn sich über das duale Studium bei der Deutschen Bahn informierte, bekam ein begleitender Vater glänzende Augen. Denn Azubi Felix Hollwedel lernt doch tatsächlich den Traumberuf aller Jungs: Lokomotivführer. „Ich bin vor allem im Rangierbereich unterwegs. Aber ich durfte auch schon mal mit einer großen E-Lok richtig Strecke machen. Das war toll“, erzählte dieser. Bessere Werbung als ein begeisterter Azubi kann ein Unternehmen nicht machen.

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