Wie aus einem Volkshochschul-Kurs eine Theatergruppe von selbstbewussten Frauen entsteht Die spinnen, die Dorfweiber

Gelöste Stimmung, Gelächter, lautes Durcheinander - das ist die Atmosphäre, wenn sich die "Spinnenden Dorfweiber" in der Seminaretage des Hofes Arbste 7 jeden Montagabend treffen. Spinnen tun die Dorfweiber dabei nicht nur im wörtlichen Sinne mit Wolle und Spinnrad, sondern auch geistig - indem sie Geschichten ersinnen, erzählen, Theater spielen.
07.03.2012, 05:00
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Von Karin Neukirchen-Stratmann

Gelöste Stimmung, Gelächter, lautes Durcheinander - das ist die Atmosphäre, wenn sich die "Spinnenden Dorfweiber" in der Seminaretage des Hofes Arbste 7 jeden Montagabend treffen. Spinnen tun die Dorfweiber dabei nicht nur im wörtlichen Sinne mit Wolle und Spinnrad, sondern auch geistig - indem sie Geschichten ersinnen, erzählen, Theater spielen.

Asendorf-Arbste. Die "Spinnenden Dorfweiber" sind ein Theaterprojekt, das in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, Christine Schröder, auf dem Hof Arbste 7 unter Leitung von Vera Briewig stattfindet. Entstanden ist es im vergangenen Jahr aus einem Volkshochschul-Kurs heraus. Der hieß "Theaterluft schnuppern - Verborgene Talente sind gesucht". "Das war ein Schnupperkurs, um zu gucken, ob es Interessenten an einem Theaterkurs gibt", erklärt Vera Briewig. In der Tat hatten sich damals einige Frauen zusammengefunden, die Geschichten sammeln wollten, Interesse am Theater hatten. Aus diesem VHS-Kurs hat sich eine Gruppe entwickelt, die schließlich unter dem Namen "Spinnende Dorfweiber" weitermachte.

Vera Briewig hatte damals nach Kooperationspartnern gesucht und mit Christine Schröder eine Unterstützerin gefunden. "Das Projekt passt super zum landesweiten Projekt ,älter, bunter, weiblicher', das vom Land und der Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, Frauen und Gleichstellungsbeauftragte Hannover gefördert wird", berichtet Christine Schröder. Einen hohen Zuschuss erhalten die "Spinnenden Dorfweiber" auch vom Landschaftsverband Weser-Hunte , der die Arbeit des Hofes Arbste 7 schon seit geraumer Zeit unterstützt, und vom Verein Land und Kunst sowie dem Kunst- und Kulturverein (KuK) der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen.

Die Idee zum Namen "Spinnende Dorfweiber" hatte Annette Bullig aus Asendorf. "Wir haben überlegt, wie wir uns präsentieren könnten. Früher gab es ja Spinnstuben, in denen man sich vor allem im Winter zum Zusammensein und Erzählen getroffen hat." Ein Spinnrad konnte Teilnehmerin Margrit Brümmer beisteuern, Lieselotte Kunkel wusste dieses noch zu bedienen. "Das Spinnen ist in zweierlei Hinsicht gemeint", erklärt Vera Briewig. "Hier wird nicht nur Wolle gesponnen, sondern es werden auch Geschichten gesponnen, erzählt, ausgedacht." Geschichten und Erfahrungen der zehn Teilnehmerinnen, die ein breites Altersspektrum von 36 bis 77 Jahren abdecken. Initiative und Kreativität, die Stärkung des Selbstbewusstseins gerade älterer Frauen im ländlichen Raum sowie neue Bilder vom Alter entstehen zu lassen, das sind die Ziele des Projektes.

Nach gut einem halben Jahr Zusammenarbeit zieht auch Christine Schröder nach einem Besuch in der Gruppe ein positives Fazit: "Ich bin völlig begeistert vom Selbstbewusstsein und der Ausstrahlung." In der Tat: Kleine Kostproben ihrer Arbeit lieferten die "Spinnenden Dorfweiber" am Montagabend, als die Gleichstellungsbeauftragte die Gruppe besuchte. Talente wie Gesang, Erzählkunst, Mimik und Schauspielerei wurden in kleinen Szenen dargeboten. Vom "Badelied" von Annette Bullig bis hin zu einer kleinen Anekdote, die Edith Döhle zum Besten gab.

Die Theatergruppe trifft sich regelmäßig einmal wöchentlich, und zusätzliche Treffen finden an den Wochenenden statt. Die teilnehmenden Frauen bestimmen selber, wie die Treffen inhaltlich ausgestaltet werden und welche Themen sie sich kreativ erarbeiten wollen. Das Theaterstück entwickelt sich über drei Phasen. In der ersten Phase geht es um Kennenlernen, Selbstwahrnehmung, Materialsammlung und um das Spinnen und Sammeln von Geschichten. Danach wird ein gemeinsames Konzept erarbeitet und schließlich wird improvisiert, ausprobiert, geprobt.

Aufgeführt haben die "Spinnenden Dorfweiber" eine kleine Kostprobe ihres Könnens bereits im vergangenen Jahr auf dem Hoffest vom Hof Arbste 7. Das Theaterstück, das derzeit im Entstehen ist, soll in diesem Jahr auf dem Hoffest am 22. Juli aufgeführt werden.

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