Kulturstation-Konzert

Duo stimmt sich auf Wettbewerb ein

Felipe Egaña und Sara Johnson musizieren in der Kulturstation des Bassumer Bahnhofs.
22.04.2018, 16:44
Lesedauer: 3 Min
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Duo stimmt sich auf Wettbewerb ein
Von Jürgen Juschkat
Duo stimmt sich auf Wettbewerb ein

Bunte Mischung: Das Cancrizans Duo interpretiert nicht nur Werke von Händel und Bach, sondern auch von Stanley und Nichelmann.

Jonas Kako

Bassum. Große Musik im kleinen Saal: Das 2015 in Bremen gegründete Cancrizans Duo entführte die Besucher in der Kulturstation im Bassumer Bahnhof in die Welt der Barockmusik. Es sorgte mit der Ouvertüre aus der „Musik für die königlichen Feuerwerke“ für einen musikalischen Höhepunkt und erntete viel Applaus. Gespielt wurden nicht nur Werke von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart, sondern auch von weniger bekannten Komponisten wie John Stanley, Christoph Nichelmann und Gabriele Fauré.

Für Felipe Egaña und Sara Johnson vom Cancrizans Duo, die beide schon in mehreren Orchestern gespielt haben, war es in Bassum am Wochenende eine Art Generalprobe. In drei Wochen nehmen sie nämlich am Wettbewerb „Göttingen Händel Competition“ teil und hoffen auf einen weiteren Preis während ihrer gemeinsamen Zeit als befreundete Interpreten.

„Wir spielen immer Werke bekannter, aber auch unbekannter Komponisten. Das ist wichtig“, erklärte Egaña am Rande des Konzertes. „Stücke, die liegen geblieben sind und kaum noch gespielt wurden. Wir wollen Werke, die vor Jahrhunderten geschrieben wurden, wieder ins Leben zurückbringen“, ergänzte Johnson, die an diesem Abend erst auf dem Cembalo spielte und später auch am Flügel überzeugte.

Auf die Frage, was für sie das Besondere an der Barock-Musik sei, antwortete die in Bremen lebende Spanierin: „Der Klang zum Beispiel des Cembalos – etwas lauter als Gitarre und sehr warm.“ Egaña hingegen begeistert „die Freiheit in der Interpretation“.

Der Rahmen der Veranstaltung in der Kulturstation Bassum war schlicht, aber doch gemütlich. Vor den beiden großen Instrumenten Cembalo und Flügel standen der Notenständer für den Flöte spielenden Chilenen und ein vierarmiger Kerzenhalter. Das Publikum saß den elegant gekleideten Interpreten im Halbrund gegenüber. Eröffnet wurde das Konzert mit großen Hits aus dem Barock und der Klassik durch ein „Solo n.2“ für Flöte und Continuo, das mit dem blinden Engländer John Stanley (1717 – 1786) ein Freund Händels komponiert hat. Ein langsames Adagio und zwei lebhafte Allegri standen dabei auf dem kammermusikalischen Barock-Programm.

Die anschließend interpretierte Ouvertüre der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel (1685 - 1757) ist der Kern der gesamten Komposition und in einer dreiteiligen Da-capo-Form gehalten. Sie ist in D-Dur geschrieben und besteht aus zwei unterschiedlichen Themen, die aus zwei ursprünglich vorher komponierten Ouvertüren (F-Dur und D-Dur) stammen. Der erste Teil ist ein Adagio, der zweite ein Allegro. Was eigentlich für 112 Musiker geschrieben wurde, brachten an diesem Abend der in Chile geborene Felipe Egaña mit seiner Traversflöte und Sara Johnson aus Spanien am Cembalo eindrucksvoll zum fachkundigen Publikum hinüber.

Mit Adagio, Allegro, Grave und Menuett der Sonata in E-Moll für Flöte und Continuo von Händel ging es in die Pause. „Da muss ich das Cembalo noch einmal neu stimmen“, erklärte Sara Johnson, die derzeit an der Hochschule für Künste Bremen an Cembalo, Orgel und Hammerklavier korrepetiert. Im zweiten Teil folgten eine Sonata in A-Dur in den Passagen Vivace, Largo e dolce und Allegro von Johann Sebastian Bach, eine Sonata in C-Dur mit Moderato, Largo und Presto für Flöte und Cembalo von Christoph Nickelmann (1717 - 1762) sowie eine Fantasie in D-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791). Aus einer späteren Zeit stammt das Siciliènne, Op. 78 aus der Oper „Pelléas et Mélisande“ des französischen Komponisten Gabriel Fauré (1845 - 1924).

Das Konzert des Cancrizans Duos am vergangenen Sonnabend fügte sich hervorragend in die Reihe der musikalischen Leckerbissen in der Kulturstation Bassum ein. „Wir bieten alle zwei Monate solch eine Veranstaltung an“, erklärte Anna Shuliakovska, die Leiterin der Musikschule im gleichen Gebäude. So begeisterte im Februar der weltbekannte Meisterpianist Artem Yasynskyy aus der Ukraine bei einem Einweihungskonzert für den neuen Flügel. Im kommenden Juni wird der Gitarrenlehrer Aladdin Haddad aus Syrien auftreten. In der Kulturstation im Bassumer Bahnhof, wo draußen die Züge anhalten oder durchfahren und die Bahnfahrer oftmals rastlos vorbeieilen, ist im Inneren in aller Ruhe auch künstlerisch immer etwas los.

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