Klassische Philharmonie Nordwest feiert 20. Geburtstag im Eichenhof Zempel Dvorák als Geburtstagsgeschenk

Asendorf. Seit 20 Jahren besteht die Klassische Philharmonie Nordwest. Eigentlich ein Grund, das Orchester mit Geschenken zu überhäufen.
09.08.2016, 00:00
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Von Bärbel Rädisch

Asendorf. Seit 20 Jahren besteht die Klassische Philharmonie Nordwest. Eigentlich ein Grund, das Orchester mit Geschenken zu überhäufen. Doch der Leiter, Ulrich Semrau, drehte den Spieß um. Es war am Sonntag das Publikum auf dem Eichenhof von Familie Zempel in Asendorf, das schon im ersten Teil des Konzertes reich beschenkt wurde: mit dem Konzert h-moll für Violoncello op. 104 von Antonin Dvorák.

Mit dem Solisten Johannes Krebs (Violoncello) stieg das musikalische Präsent im Wert immens. Nach dem kraftvollen Auftakt des ersten Satzes übernahmen die Hörner, denen das Cello einen eigenen Part entgegenstellte. Im Verlauf gelang es Krebs, in ein Zwiegespräch mit dem Orchester zu treten. Mit den Querflöten und Streichern flüsterte er, Bässen und Tuba bot er furios Kontra, um im zweiten Satz die Passagen, die Dvorák seiner verstorbenen Schwägerin gewidmet hatte, gefühlvoll melancholisch wiederzugeben. Der Schlusssatz, Allegro moderato, forderte noch einmal das ganze Können des Cellisten. Und die Aussage, die Johannes Brahms gemacht haben soll: „Warum habe ich nicht gewusst, dass man ein Cellokonzert wie dieses schreiben kann?“, muss nach dem Auftritt von Johannes Krebs lauten: „Was für ein Genuss, ein solches Cellokonzert zu hören.“ Mit der Suite aus dem Preludium von Bach als Zugabe verab-schiedete sich Krebs unter dem Beifall der Zuhörer in der Zempelschen Scheune und der mehr als 100 Besucher, die nur noch im Freien Platz gefunden hatten.

Die Sinfonie Nr. 9 e-moll op. 95 betitelte Dvorák: „Aus der neuen Welt“. Quasi eine Auftragsarbeit, mit der 1891 die Direktorin des National Conservatory Instituts den damals schon sehr bekannten Tschechen in die USA rief. Er sollte jungen amerikanischen Komponisten den Weg zu einer „Nationalmusik“ weisen. Einflüsse aus Spirituals, Indianertänzen und das epische Gedicht „Hiawatha“ von John Longfellow spiegeln sich in dem Werk wieder – wie auch böhmische Tänze. Den Musikern war die Freude anzusehen, mit der sie agierten. „Was für ein grandioses Stück“, sagte Mine Feldkamp zum Schluss. Sie saß allerdings nicht im Publikum, sondern ist die Paukerin des Orchesters. Die Frage, ob eine Frau an der Pauke nicht ungewöhnlich sei, verneinte sie. „Es gibt immer mehr Kolleginnen. Für mich kam auch kein anderes Instrument in Frage.“ Und sie ließ die Schlägel fliegen und donnernd niedersausen oder auch grummeln und schnurren. Die junge Kielerin, die zu den Proben und Konzerten anreist, hatte an diesem Abend viele Einsätze. „Heute konnte ich mal so richtig auf die Pauke hauen“, meinte sie lachend.

Wolfgang Griese vom Freundeskreis der Klassischen Philharmonie Nordwest warb nach der Pause zum Beitritt und dafür, mit dem Jahresbeitrag von 25 Euro das Orchester mit jungen Musikern aus mehr als zehn Nationen zu unterstützen. Mit „Stars And Stripes Forever“ von John Philip Sousav – diesem Stück, das offizieller Marsch der Vereinigten Staaten ist und 1969 bei der Fernsehübertragung der amerikanischen Mondlandung gespielt wurde – endete die Geburtstagsparty der Klassischen Philharmonie Nordwest.

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