Kabarettist Martin Herrmann in Barrien

Ein Abend mit Geben und Nehmen

Martin Herrmann hat zahlreiche Kabarettpreise bekommen. Am Dienstagabend brachte er als Weihnachts-Herrmann einen Sack voll abgehobener Wortkombinationen und Liedgut mit nach Barrien.
08.12.2016, 00:00
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Von Bärbel Rädisch
Ein Abend mit Geben und Nehmen

Martin Herrmanns "Weihnachtsvorspiel" brachte die Zuhörer zum Lachen.

UDO MEISSNER

Martin Herrmann hat zahlreiche Kabarettpreise bekommen. Am Dienstagabend brachte er als Weihnachts-Herrmann einen Sack voll abgehobener Wortkombinationen und Liedgut mit nach Barrien.

Dazu hatte er noch Tipps und Tricks für Geschenke. Kuschelig und anheimelnd, wie sich vielleicht mancher so ein vorweihnachtliches Programm gedacht hatte, war es allerdings nur insofern, dass die vielen Zuhörer dicht an dicht saßen.

„Krippenvorspiel“ als Überschrift seines Programms deutete schon mit der eingeschobenen Silbe „vor“ auf eine etwas andere Sicht der Dinge hin. So stritt sich Josef mit Maria auf Bayerisch darum, dass er nicht der Vater des Säuglings sein könne. Und das Lied über „das Kind zwischen Esel und Ochs in seiner Box“, beendete er mit dem Slogan einer Windel-Reklame. Herrmann, der sich wegen der Doppelkonsonanten in seinem Namen als doppelt maskulin fühlt, wie er sagte, griff auf Teufel komm raus in die Reimekiste. Er sang vom „Anonymen Überholiker“, der temposüchtig und turbogeil ist, und vom Kernkraftdirektor, der Stimmen hört im Kopf. „Dann drückt er einfach mal den Knopf.“

Bitterböses Gedicht

Bei einem Geschenktipp, erwies sich ein um den Kopf geschlungenes Seilende, String-Kopftuch von Herrmann genannt, als Gag, der bestens beim Publikum ankam. Bitterböse war gleich darauf das Gedicht um eine deutsche Polizistin in Afghanistan. Sie hält einen Attentäter an, er stehe im Halteverbot. Seine Antwort: „Ich bin sowieso gleich weg.“ Und wie lautete die Bezeichnung für ein vors Gesicht gehaltenes Buch? Na klar, Facebook. Dass eine 65-jährige Frau dank einer Samenspende noch einmal unbedingt Mutter werden wollte, erklärte er dem lachenden Publikum damit: „Sobald die Schwierigkeiten in der Pubertät des Kindes beginnen, macht sie sich vom Acker.“

Oft musste erst einmal zu Ende gelacht werden, ehe das Pointenfeuer weiterging, wie bei der Empfehlung aus der Apotheken-Umschau für den Allgäuer Latschenkieferbalsam für die Füße. „Das bietet sich ja an, Latschen hat man halt an den Füßen.“ Die Pille für den Mann ging allein schon des Körperbaus wegen unter die Gürtellinie. „Er war nicht mehr der King, weil bei ihm alles hing. Runter mit der Pille und Schwänzchen in die Höh.“ Und wenn ein Sohn seinen Vater als Mother-Fucker bezeichnet, seufze der vielleicht nur: „Schön wär‘s.“ Einmal Ursalz zu verschenken, riet Herrmann, es sei doch erhebend, so etwas Millionen Jahre Altes in Händen zu halten. Dann stutzte er, als er auf der Dose las: „Verfall 2015.“

Wie den ganzen Abend begleitete er sich beim Singen auf seiner Gitarre so auch beim umgedichteten Bergvagabundenlied. „Messner vergess mer, Trenkner verschenk mer“. Sein Kommentar zum Almvieh: Es gäbe die Tal-Kuh für die vollfette Milch, die Berg-Kuh höher im Gelände liefere die fettreduzierte, und die Kuh, die bis zum Gipfel kraxeln müsse, hätte nur noch laktosefreie Milch. „Machen Sie so weiter“, gab Herrmann dem Publikum am Schluss mit, denn die Resonanz und der Beifall der Besucher an diesem Abend in der Barrier Wassermühle zeigte: Martin Herrmann hatte sie alle im Sack.

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