Die gute Tat des Monats

Ein bisschen Wertschätzung

Die Syker Tafel erhält für den Monat Februar den Preis für die „Gute Tat des Monats“. Vier bis sechs Tonnen Lebensmittel holt die Tafel wöchentlich von verschiedenen Verbrauchermärkten ab und gibt sei weiter.
29.03.2019, 18:52
Lesedauer: 3 Min
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Ein bisschen Wertschätzung
Von Micha Bustian
Ein bisschen Wertschätzung

So seh'n Sieger aus: Ralf Grey (von links) übernahm stellvertretend für die Syker Tafel die Auszeichnung für "Die gute Tat des Monats" von Harald Göcke und Ralf Schneemann. Die Tafel-Belegschaft freute sich mit.

Sebi Berens

Syke. And the winner is – die Syker Tafel. Sie hat „Die gute Tat des Monats“ vollbracht, erhält die zweite dieser Auszeichnungen, die der Syker Zahnarzt Harald Göcke initiiert hat. Tafelsprecher Ralf Grey nahm Urkunde, Tasse und 100 Euro vor versammelter Belegschaft in den Räumlichkeiten der Tafel in Syke entgegen. Grey sah diesen Preis als Schulterklopfer für alle, die bei der Syker Tafel ehrenamtliche Arbeit verrichten: „Sie tun immens viel. Ich finde es toll, wenn dann jemand von außen kommt und seine Wertschätzung zeigt.“

Vier bis sechs Tonnen Lebensmittel holt die Syker Tafel wöchentlich von verschiedenen Verbrauchermärkten ab. „Wir nehmen mit, was bei denen auf der Rampe steht“, erklärt Ralf Grey. In den Tafel-Räumlichkeiten am Feuerwehrturm angekommen, werden die Nahrungsmittel daraufhin untersucht, ob sie weitergegeben werden dürfen. Denn: Die Tafel unterliegt denselben Vorgaben wie Lebensmittelhändler. Das gilt auch für das Mindesthaltbarkeitsdatum. „Alles, was kommt, geht in der gleichen Woche wieder raus“, sagt Grey. Die Zentrale in Syke versorgt auch die Außenstellen in Leeste und Bruchhausen-Vilsen. 132 ehrenamtliche Mitglieder kümmern sich um 1000 Erwachsene und 600 Kinder, die auf günstige Lebensmittel angewiesen sind. Erwachsene zahlen zwei Euro pro Einkauf, Kinder 50 Cent.

In der Syker Zentrale führte Ralf Grey sowohl Harald Göcke als auch den 100-Euro-Spender Ralf Schneemann durch die Räumlichkeiten. In einem Raum, in dem früher der Feuerwehr-Hauptmann gewohnt hat, stapeln sich jetzt Eiertüllen. Es ging durch die Kühlräume, den Unterstellplatz für die Gabelstapler, die Ausgabe. Überall geschäftiges Gewusel, überall gute Laune. Nur bei Ralf Grey auch ein wenig Nachdenklichkeit. Denn ganz so einfach ist das Geschäft der Tafel nicht.

1000 Euro für die Reparatur eine Klimaanlage – woher nehmen? 7000 Euro für einen neuen Gabelstapler – kaum zu finanzieren. Ersatz für einen der „Glücksbringer“ genannten weißen Sprinter – fast unmöglich. 120 000 Euro hat die Syker Tafel im vergangenen Jahr ausgegeben. Die Kirche als Träger beteiligte sich daran, Förderungen von Vater Staat kamen dazu. Und natürlich die Einnahmen von den Kunden. „Etwa 30 Prozent kommen bei uns über Spenden herein“, sagt Ralf Grey. Die müssen natürlich erst einmal eingeworben werden. „Anfangs dachte ich, ich würde mich zum Drücker machen. Aber wir stoßen fast immer auf offene Türen.“ Dennoch gibt es Sorgenfalten auf Greys Stirn. Denn: „Der Landkreis möchte das Haus verkaufen“, in dem die Tafel in Syke ihre Kunden versorgt.

Als Harald Göcke das hört, wird er ganz still. Man sieht förmlich, dass sein Gehirn arbeitet. „Man müsste dem Landkreis das Haus abkaufen und zu gleichen Konditionen an die Tafel vermieten“, macht er seine Gedanken öffentlich. Eine Tafel-Kundin hat die Syker Tafel für „Die gute Tat des Monats“ vorgeschlagen. „Was die Frau mir geschildert hat, war herzzerreißend.“ Nun sei er „voll zufrieden“ mit der Wahl. Vor allem die Zahlen im Hintergrund hatten ihn beeindruckt. „Das haut schon rein.“

Genau so wie der Neid so manchen Mitbürgers. Die sehen vor dem Tafelgebäude manchmal dicke Autos stehen und vermuten Schnorrer darin. „Meistens sind es aber nette Nachbarn, die die Seniorin von nebenan zur Tafel gefahren haben, weil sie selber es nicht mehr dorthin schafft“, erläutert Ralf Grey.

Auch Ralf Schneemann wirkt durch den Besuch bei der Tafel beeindruckt. Er habe nicht lange nachgedacht, den Monatspreis von 100 Euro zu stellen. „Den Betrag merkt man als Geschäftsmann doch gar nicht“, so der Inhaber eines Gebäudereinigungsunternehmens. „Und damit kann man den Ehrenamtlichen wenigstens ein kleines bisschen Wertschätzung vermitteln. Das ist verdient, wenn man sich das hier ansieht.“


Bürger aus Syke, Twistringen, Bruchhausen-Vilsen und Bassum können noch bis zum 10. April ihre Vorschläge für den März abgeben. Das geht telefonisch unter 0 42 42 / 93 10 01 oder per E-Mail an DgTdM-syke@web.de.

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