Betriebsausschuss des Kreismuseums findet Herwig Kenzlers Konzept zum Gesseler Schatz gut Ein goldenes Alleinstellungsmerkmal

Der Gesseler Goldschatz soll einen festen Platz im Syker Kreismuseum bekommen. Jetzt folgte der erste praktische Schritt: Herwig Kenzler aus Münster stellte dem Betriebsausschuss des Kreismuseums am Dienstagabend sein Konzept vor.
21.03.2013, 05:00
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Ein goldenes Alleinstellungsmerkmal
Von Micha Bustian

Der Gesseler Goldschatz soll einen festen Platz im Syker Kreismuseum bekommen. Jetzt folgte der erste praktische Schritt: Herwig Kenzler aus Münster stellte dem Betriebsausschuss des Kreismuseums am Dienstagabend sein Konzept vor.

Syke·Landkreis Diepholz. Vom Erweiterungsbau des Kreismuseums führt ein Gang in Richtung Freibadgelände. Direkt in den Neubau. Dort hängt ein viereckiger Block von der Decke – ganz wie der Erdblock, in dem der Gesseler Goldschatz im Oktober 2011 aus der Ackerkrume geholt wurde. Links daran vorbei öffnet sich der Raum und gibt den Blick frei auf fünf quadratische Tischchen mit Informationen zur Pipeline-Archäologie. Noch eine kleine Linksdrehung, und der Besucher ist am Ziel: Ein Schritt durch die Tür und das Gold liegt vor ihm. Vorne, in einer großen Tisch-Vitrine, der gesamte Fund als Replik. Hinten, in drei kleinen Glasschränken an der Wand, immer wechselnde Originalteile.

Am Dienstagabend stellte Herwig Kenzler aus Münster sein Konzept der Goldschatzausstellung im Syker Kreismuseum vor. Und der Betriebsausschuss des Kreismuseums belohnte diesen Vortrag mit dem einstimmigen Beschluss, die Landkreis-Verwaltung zu beauftragen, auf Basis dieses Konzeptes und der Gespräche mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (wir berichteten) konkrete Planungen für einen Erweiterungsbau vorzulegen. Darin soll es sich in erster Linie um die Pipeline-Archäologie, die Bronzezeit und den Goldschatz drehen.

420 Quadratmeter groß soll er werden, der Anbau an das Kreismuseum. Die zwei Stockwerke – ein Erd- und ein Untergeschoss – sollen inklusive Architektur, Gestaltung, kuratorischen Leistungen, Ausarbeitung des museumspädagogischen Programms, Marketing und einem Puffer für mögliche Kostensteigerung 2,5 Millionen Euro kosten. Bei einer von Herwig Kenzer vorgeschlagenen Überarbeitung und Modernisierung der "Handwerkerstraße" sowie der Sanierung des Sanitärbereichs würde sich der Aufwand auf drei Millionen Euro erhöhen.

Was bekäme das Kreismuseum dafür? Bleibt es beim Konzept von Herwig Kenzler, werde "alles eingesetzt, was eine moderne Ausstellung ausmacht". Forschen, entdecken, erleben, ausprobieren "und spielerisches Lernen durch Mitmachaktionen".

Für das Erdgeschoss hat sich Herwig Kenzler einen Raum mit vier Kabinetten vorgestellt. "Kabinette bieten Möglichkeiten und schaffen Räume im Raum", begründete der Autor, Kurator und Planer aus Münster. In diesen Würfeln sind der Goldschatz, Informationen zur Bronzezeit allgemein und in der Region, ausgewählte Funde aus der Pipelinegrabung im Landkreis Diepholz und Auskünfte über die wissenschaftliche Untersuchung des Goldhortes untergebracht. Letzteren Kubus stellt sich Kenzler gläsern als Verbindung vom Erd- zum Untergeschoss vor: "Dadurch würden die beiden Etagen inhaltlich und optisch verbunden."

Unter der Erde breitet sich in Herwig Kenzlers Vorschlag auf der gleichen Fläche eine Art Forscherlabor aus. Im etagenübergreifenden gläsernen Kabinett soll das gesamte Fundmaterial der Pipelinegrabung präsentiert werden. Ansonsten ist der Raum nur mit Stühlen und Tischen gefüllt, an denen die Besucher "die naturwissenschaftlichen Methoden nach der Grabung" praktisch nachvollziehen können – beispielsweise an Mikroskopen. "Es sollten aber auch Vorträge und Seminare in diesem Raum möglich sein", sprach Kenzler eine Mehrfachverwendung an.

Die anschließende Diskussion im Betriebsausschuss des Kreismuseums drehte sich vornehmlich um die Finanzen. Herwig Kenzler beruhigte Wolfgang Griese (CDU) damit, dass seine auf Erfahrungswerten basierenden Zahlen "schon sehr hoch kalkuliert" seien. Griese plädierte dafür, ein Auge auf die Kosten zu haben, "damit die nicht aus dem Ruder laufen". Museumsleiter Ralf Vogeding wies allerdings darauf hin, dass es die "zweieinhalb bis drei Millionen Euro ja nicht werden" müssten. Die Frage sei: "Was wollen wir?"

Das wurde in aller Genauigkeit im Konzept von Herwig Kenzler nicht deutlich. So fehlte Ingrid Söfty (CDU) "ein gestalterischer Entwurf". Die Einrichtung sei bestenfalls angerissen worden, nach außen mache das Gebäude den Eindruck eines quadratischen Klotzes. Herwig Kenzler machte den Vorschlag, einen Gestaltungswettbewerb auszuschreiben, Ralf Vogeding war dafür, denn: "Ein Gestaltungsbüro brauchen wir sowieso."

Der Museumsleiter dachte bei den Finanzen aber weiter als an Mauern, Glasvitrinen und Mikroskope. "Wir müssen auch an das Personal denken. Vielleicht benötigen wir nach Vorgaben des Ministeriums ja sogar einen Sicherheitsdienst. Wir müssen auf jeden Fall vorher wissen, welche Möglichkeiten uns finanziell mitgegeben werden." Herwig Kenzler war da auf Vogedings Seite: "So ein Konzept bedarf selbstverständlich zusätzlicher Betreuung."

Trotz der Sorgen um die möglicherweise ausufernden Kosten gab der Betriebsausschuss des Kreismuseums dem Landkreis den Auftrag, konkrete Planungen anzupacken. Denn, so Ralf Vogeding: "Mit dem Goldschatz haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, dass uns mehr nach außen dringen lässt."

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