Joachim "Bommel" Fischer begeistert das Publikum in der Barrier Wassermühle mit Ostergrüßen und hintersinnigen Geschichten Ein Herz für Silberfische im Bad

Syke-Barrien. "Ostereier, Osterglocken, Osterhase, Osterdorf, Osterwald, Osterberg, Ostermarsch, Osteria", zählte Joachim "Bommel" Fischer Wörter auf, die den Begriff Ostern enthalten. Wobei die Osteria, die italienische Gastwirtschaft, aufgrund der Sprache ein klein wenig aus der Reihe fällt. Die Wünsche für ein frohes Osterfest gehen an ein Publikum, das konzentriert seiner Lesung in der Barrier Wassermühle gefolgt ist und den Autor immer wieder mit Zwischenapplaus bedacht hat.
26.04.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Dorit Schlemermeyer

Syke-Barrien. "Ostereier, Osterglocken, Osterhase, Osterdorf, Osterwald, Osterberg, Ostermarsch, Osteria", zählte Joachim "Bommel" Fischer Wörter auf, die den Begriff Ostern enthalten. Wobei die Osteria, die italienische Gastwirtschaft, aufgrund der Sprache ein klein wenig aus der Reihe fällt. Die Wünsche für ein frohes Osterfest gehen an ein Publikum, das konzentriert seiner Lesung in der Barrier Wassermühle gefolgt ist und den Autor immer wieder mit Zwischenapplaus bedacht hat.

Es ist ein schöner Gründonnerstagabend, den die Gäste aufmerksam lauschend mit den Geschichten aus dem Alltag verbringen, "weil dieser so nah liegt". Und weil es Joachim Fischer auf Anhieb gelingt, die Gäste so zu fesseln, dass es still ist in der Mühle und nur das Wasserrad zu hören ist. Fischers Geschichte handelt von einem älteren Ehepaar, das gerade einen Volkshochschulkurs in moderner Kunst absolviert hat und nun in einem Museum vor einem Kehrichthaufen mit Blech und Besen steht und versucht, die Aussage dieser Installation zu entschlüsseln. "Ich finde, es ist ein sehr politisches Werk", kommentiert der Mann. Die Frau ist erstaunt, wie sehr der Volkshochschulkurs bei ihrem Mann gewirkt hat. Doch auch sie will mit ihrem Wissen glänzen und vermutet ein künstlerisches Zitat von Joseph Beuys: "Hat der nicht einmal an einem 1. Mai einen Platz nach der Kundgebung ausgefegt? Vielleicht hängt es damit zusammen und ist ein weiteres Werk von ihm", spekuliert sie. Als Hausmeister und

Putzfrau sich nähern und letztere nach harscher Kritik den Kehrichthaufen beseitigt, ist das Ehepaar beeindruckt von der guten Performance und die Gäste in der Wassermühle von der Geschichte.

Ein beeindruckender Einfallsreichtum, eine dem Menschen sehr nahe Beobachtungsgabe, gepaart mit Erzählstil und Eleganz zeichnet Joachim "Bommel" Fischer aus. 1960 in Woltmershausen geboren, macht der Künstler auch noch mit anderen künstlerischen und friedenspolitischen Aktivitäten von sich reden. Viele kennen seine Bewicklungsaktionen mit rot-weißem Baustellenband in der Bremer Innenstadt, von ihm zur Kunst im öffentlichen Raum erklärt. Auch seine Aktion Büroklammern für den Frieden, die sich gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan richtet, hat viele zum Mitmachen animiert. Aber am Gründonnerstag waren es seine Geschichten, die sowohl nachdenklich machten, als auch amüsierten mit ihrer Situationskomik und ihrem Erinnerungspotenzial. So die Geschichte über Flipper, den Freund aller Kinder, der für das Gute kämpft, sich aber natürlich nicht als Haustier eignet. So freundet sich der kleine Joachim also mit den Silberfischchen im Bad an und betrauert ihren Tod zutiefst, nachdem

seine Mutter ihnen mit Chlor den Garaus gemacht hat. "Bis heute stellt Chlor für mich den Geruch des Todes dar", erinnert sich Fischer mit Schaudern.

Neben seinen Geschichten sind es Gedanken über die deutsche Sprache, die ihn immer wieder bewegen, wie die Verwendung des Wortes bierernst, das sich jedweder Herleitung entziehe. "Wann gibt es ihre Geschichten in Buchform?", wird er von einem Gast am Ende der Lesung gefragt, als sich "Bommel" mit individuellen Osterwünschen verabschiedet.

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