Rollentausch: Gerd Brüning ist Landwirt aus Leidenschaft / Weser-Kurier-Mitarbeiterin Kaya Leimann versucht sich beim Kühe melken

Ein Tag auf dem Bauernhof

Seit dem 16. Jahrhundert gibt es die Brünings mit ihrem Hof in Lahausen. Gerd Brüning ist der jetzige Betriebsleiter und verdient hauptsächlich mit den 43 Milchkühen sein Geld. Dass die Arbeit auf einem Bauernhof nicht immer einfach, aber sehr abwechslungsreich ist, fand WESER-KURIER- Volontärin Kaya Leimann bei ihrem Tag als Landwirtin heraus.
30.05.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Kaya Leimann

Seit dem 16. Jahrhundert gibt es die Brünings mit ihrem Hof in Lahausen. Gerd Brüning ist der jetzige Betriebsleiter und verdient hauptsächlich mit den 43 Milchkühen sein Geld. Dass die Arbeit auf einem Bauernhof nicht immer einfach, aber sehr abwechslungsreich ist, fand WESER-KURIER- Volontärin Kaya Leimann bei ihrem Tag als Landwirtin heraus.

Weyhe-Lahausen. Klingeling, klingeling – als ich am Freitagmorgen auf meinen Wecker schaue, kann ich es kaum glauben. Warum weckt er mich um 4.30 Uhr in der Früh? So langsam kommt die Erinnerung zurück. Heute würde ich einen Tag auf dem Bauernhof von Gerd Brüning in Lahausen verbringen. Das bessert meine Laune schlagartig. Darauf hatte ich mich schon die ganze Woche gefreut.

Als ich auf dem Hof von Bauer Brüning ankomme, begrüßt mich schon gleich eine etwas mopsige, aber sehr liebenswürdig aussehende Hündin. Maja, ein Schweizer Sennenhund, wird mich den ganzen Tag auf Schritt und Tritt begleiten. Erst nach einigen Streicheleinheiten kann ich dem Herren des Hofes die Hand reichen. Betriebsleiter Gerd Brüning führt mich schon kurz darauf den Kuhstall. Schnell sind die Gummistiefel angezogen, der Blaumann übergeworfen und mit einer Schaufel in der Hand geht es an die Arbeit. Bauer Brüning hat insgesamt rund 43 Milchkühe und einige Kälber auf dem Hof stehen. Alle haben einen eigenen Namen. Brüning: "Vielleicht nennen wir ja bald eine Kaya, den Namen gibt es bei uns noch nicht." Na toll, denke ich und muss grinsen.

"Wir behalten nur die weiblichen Kühe und verdienen mit deren Milch unser Geld", so der 47-Jährige, der bereits in der 18. Generation auf dem Hof lebt. Die Geschichte der Brünings reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. "Unsere Kühe geben am Tag rund 1000 Liter Milch. Sie werden gleich als erstes morgens und abends ein zweites Mal gemolken", erklärt er mir. Die Milch wird jeden zweiten Tag von einem Lastwagen abgeholt und vom Deutschen Milchkontor angenommen. Pro Liter verdient Brüning zurzeit 31 Cent. "Da machen ein paar Cent mehr oder weniger schon einiges aus", gibt Brüning zu bedenken.

Jetzt muss die Milch gewonnen werden. Mit der Hilfe von Jörg Meyer vom Nachbarhof werden die Tiere vom Stall aus in den Melkstand getrieben. Bevor die Kühe das Melkgeschirr angelegt bekommen, werden ihre Zitzen mit einem Feuchttuch gereinigt. Danach wird die Kuh kurz "angemolken" – mein großer Auftritt. Mit ein paar Tipps und Handgriffen von Bauer Brüning bekomme ich es hin. Hund Maja schaut mir zu, ob ich auch alles richtig mache.

Während wir uns um die Kühe kümmern unterhalten wir uns. Gerd Brüning klagt nicht, er sagt aber auch, dass sein Job kein einfacher ist. "Die Menschen akzeptieren zwar die Produktpreise, wissen aber oft gar nicht, wie viel Arbeit dahinter steckt." Während er spricht, läuft im Hintergrund das Radio. Plötzlich geht Brüning darauf zu und dreht lauter. "Und auch heute erwarten wir tolles Wetter mit viel Sonnenschein bis zu 25 Grad", tönt es aus den Lautsprechern. "Die Menschen wollen am liebsten dauerhaft Sonne. Für uns ist das im Moment noch nicht so tragisch, es gab aber schon einige fatale Trockenphasen, in der wir so dringend Regen gebrauchen konnten", sagt der 47-Jährige. Mir wird immer deutlicher, dass er als Landwirt die Welt aus ganz anderen Augen sieht.

Meine nächste Station sind die Kälber. Gemeinsam mit Wiebke Albers, Lehrling auf dem Hof, wird warmem Wasser Milchpulver zugefügt. Die Kälber trinken gierig aus ihren Eimern und Maja schleckt ihnen nach dem Füttern die Mäuler ab. Wiebke erzählt mir, dass sie selbst auf einem Hof groß geworden ist. "Bevor ich hierher gekommen bin, habe ich schon einen anderen Hof kennengelernt und gehe auch zur Schule. Das ist Teil meiner Ausbildung zur Landwirtin." Wiebke ist 19 und wohnt mit einem weiteren Lehrling während ihrer Ausbildung dort, wo sie arbeitet. Seit 1983 bilden die Brünings aus.

Die erste Arbeit ist getan. Gegen acht Uhr gibt es Frühstück und der weitere Tag wird besprochen. Heute ist Grasmähen angesagt und gegen zehn Uhr besucht dann eine Kindergartengruppe den Bauernhof. Unser nächster Weg führt uns zum Traktor. Hinter dem elf Jahre alten Fahrzeug befindet sich ein Kreismäher mit zwei runden, scharfen Schneiden. Später werden sich diese sehr schnell drehen und das hohe Gras mähen. An der Wiese angekommen darf ich beim Mähen allerdings nur zuschauen. Später übernimmt Wiebke das Steuer, Bauer Brüning und ich machen uns auf den Heimweg.

Hier werden wir schon sehnsüchtig von der Kindergartengruppe erwartet. Man merkt Bauer Brüning sofort an, dass er Kinder mag und mit diesen gut umgehen kann. Ich werde erst in dem Moment interessant, als ich eine von den kleinen Babykatzen des Hofes auf dem Arm halte. Die wollen sie natürlich alle streicheln. Bei einem Gang in Brünings Werkstatt tauen auch die letzten Kinder auf. Während er einigen zeigt, wie man einen Reifen repariert, hebe ich immer wieder den einen oder anderen auf Brünings Aufsitzrasenmäher.

Während die Gruppe noch einige Zeit auf dem Bauernhof bleibt, trete ich meinen Rückweg an. Obwohl es viele Landwirte in meiner näheren Umgebung gibt, habe ich mir über viele Dinge bis jetzt noch keine Gedanken gemacht. Und wenn es das nächste mal im Radio heißt, eine Woche Sonnenschein und kein Regen, dann geht mein erster Gedanke bestimmt an Bauer Brüning und seine Felder.

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