CreaInklusivo

Eine blühende Kooperation

In der Schülerfirma CreaInklusivo arbeiten Schüler der BBS Syke und Teilnehmer der Delme-Werkstätten Hand in Hand. Neben der eigenständigen betriebswirtschaftlichen Umsetzung setzen sie dabei auf Kooperation.
18.03.2020, 17:18
Lesedauer: 4 Min
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Von Sarah Essing
Eine blühende Kooperation

Keine Pralinen, sondern Samenbomben hat die Schülerfirma CreaInklusivo in diesem Jahr im Angebot.

Fotos: Michael Galian

Syke. „Wir machen Matschepampe hier“, sagt Sedat Berisa mit ernstem Blick. Dann lächelt er verschmitzt, greift sich eine Handvoll der „Matschepampe“ und rollt die Masse mit beiden Händen zu einer murmelgroßen Kugel. Die fertige legt er zu einem guten Dutzend anderer, die auf ausgelegten Zeitungen bereits trocknen. Sein Partner Jonas Bergmann macht sich derweil daran, neue „Matschepampe“ herzustellen. Vier Teile Blumenerde, zwei Teile Heilerde und genügend Wasser, sodass sich beides gutes vermischen lässt, aber trotzdem nicht zu nass ist. Anschließend reißt Sedat Tütchen mit Blumensamen auf und gibt diese dazu, Sommerblumen-, Kräuter- und Wildblumen-Mischungen. Alles wird gut miteinander vermengt. Die Hände beider Schüler legen beredtes Zeugnis davon ab, was die beiden hier tun. „Da muss man schon etwas länger schrubben, dass sie wieder sauber werden“, sagt Jonas, greift aber trotzdem ebenso beherzt zu und rollt weiter, Kugel um Kugel. Schließlich darf die Produktion von „CreaInklusivo“ nicht ins Stocken geraten.

Gegründet 2016

„CreaInklusivo“ ist der Name der Schülerfirma, für die Sedat und Jonas tätig sind. Schüler der Berufsbildenden Schule Syke und Teilnehmer des Bildungszentrums Delme-Werkstätten betreiben sie in Kooperation. Gegründet wurde sie 2016 als Teil des einjährigen Bildungsgangs Hauswirtschaft und Pflege – Persönliche Assistenz. „Das ist ein Bildungsgang für Realschüler, die eine Ausbildung in der Heilerziehungspflege oder in anderen Berufsfeldern im sozial-pflegerischen Bereich ins Auge gefasst haben“, erläutert Sigrun Albrecht-Kanngeter, die das Projekt als Lehrerin betreut. Eine besondere Herausforderung sei es, dass die teilnehmenden Schüler jedes Jahr wechseln, bekennt sie. So fange man Jahr für Jahr wieder neu an. „Doch es ist auch ganz interessant zu sehen, was den Schülern immer wieder einfällt.“

Und den Schülern in diesem Jahr ist eingefallen, Samenbomben zu kreieren. Kleine Kugeln mit Blumensamen, die in die Erde gesteckt und mit ein wenig Wasser zum Blühen gebracht werden können. Ihr Beitrag zum Thema Klimaschutz. Geliefert werden die Samenbomben in bunten Säckchen mit Kordeln, selbst genäht von den weiteren Mitgliedern der Gruppe im angrenzenden Werkraum der BBS. Die Stoffe sind dabei nicht neu gekauft. „Es werden alte Reste aus dem Schulfundus recycelt“, verweist Sigrun Albrecht-Kanngeter darauf, dass sich die Schüler auch in dieser Hinsicht mit der Nachhaltigkeit ihres Produkts auseinandergesetzt haben.

Doch in der Schülerfirma wird nicht nur auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit geschaut. Auch alle anderen organisatorischen Schritte liegen in der Hand der Schüler. Produktion, Marketing, Verkauf, Finanzen und Buchhaltung. Da hilft es, wenn es eine Geschäftsführung gibt, die den Überblick behält. Maximilian Raudzus und Lillith Thom wurden von ihren Klassenkameraden für diese Posten gewählt. „Wir konnten uns den Bereich aussuchen, der uns interessiert“, erklärt Maximilian Raudzus. „Und das ist auch nicht in Stein gemeißelt“, fügt seine Mit-Geschäftsführerin Lillith Thom hinzu. „Wenn jemand feststellt, dass sein gewählter Bereich nichts für ihn ist, kann auch gewechselt werden.“

Der typische Geschäftstag für die Schülerfirma, die sich immer donnerstags trifft, beginnt mit einer Einstiegsrunde. In dieser wird ein Plan erstellt, worum sich die einzelnen Bereiche kümmern müssen, erläutern die beiden. So hat die Marketing-Abteilung nicht nur die Werbung im Blick, sondern sie muss auch die Produktinformationen erstellen und gestalten, die den kleinen Säckchen beigelegt werden. „Die musste in diesem Jahr auch ins Englische übersetzt werden“, fügt Sigrun Albrecht-Kanngeter hinzu, denn die Schülerfirma hat schon die erste Bestellung bekommen. Vom Europabüro der BBS, 15 Säckchen für den nächsten Austausch mit der Partnerschule in Amsterdam. „Die Produkte der Schülerfirmen werden gerne als Gastgeschenke mitgenommen.“ Einen weiteren Lerneffekt gab es dabei hinsichtlich des Urheberrechts. Fotos einfach aus dem Internet zu ziehen, ist nicht erlaubt. „Daraufhin haben wir entschieden, die Bilder selbst zu machen“, sagen die beiden Geschäftsführer.

Arbeitsteilung in der Schülerfirma

Die Verkaufsabteilung wiederum ist nicht nur dafür zuständig, das Geld zu kassieren. Sie muss sich auch mit Verkaufswegen auseinandersetzen, also wie und wo die Samenbomben überhaupt erhältlich sein werden. Innerhalb der BBS ist nicht nur CreaInklusivo sondern auch die anderen Schülerfirmen bekannt, aber was ist mit potentiellen Kunden, die nichts mit den Schulen zu tun haben „Wir wollen noch einen Link auf die Internetseite der BBS stellen und versuchen auch, Kooperationen mit Geschäftsleuten hier in Syke einzugehen“, erläutert Lillith Thom ihren weiteren Geschäftsplan. In der Buchhaltung hingegen wird fleißig kalkuliert. Da die Schüler in diesem Jahr auf Upcycling und Nachhaltigkeit setzen, entstehen wenige eigene Kosten. Die Stoffe für die Säckchen sind im Fundus der Schule bereits vorhanden, die Blumenerde hat Famila gesponsort, das Saatgut wurde von Raiffeisen und BBM gespendet. „Bisher mussten wir nur die Heilerde kaufen“, ist Lillith Thom dankbar für die Unterstützung der Unternehmen aus der Region.

Auch in der Produktion ist Arbeitsteilung gefragt. BBS-Schüler und die Teilnehmer der Delme-Werkstätten arbeiten Seite an Seite beim Zuschnitt der Stoffe, beim Nähen, beim Einfädeln der Kordeln und eben beim Formen der kleinen Samenbomben. Dabei ist auch Geduld gefordert – von beiden Seiten. „Die Delme-Werkstätten und die BBS haben eine unterschiedliche Herangehensweise“, erläutert Sigrun Albrecht-Kanngeter. Zum einen organisatorisch: Es gibt unterschiedliche Ferienzeiten und Planungen. Beispielsweise gehen die BBS-Schüler bald ins Berufspraktikum. In dieser Zeit ruht auch die Produktion bei „CreaInklusivo“. Zum anderen arbeiten die BBS-Schüler leistungsorientiert auf einen Abschluss hin. Bei den Delme-Werkstätten hingegen geht es darum, die Teilnehmer so weit wie möglich nach ihren Fertig- und Fähigkeiten zu schulen und zu fördern. „Das bedarf einer gewissen Annäherung“, weiß Sigrun Albrecht-Kanngeter. „Alles ist ein bisschen langsamer“, haben auch Lillith Thom und Maximilian Raudzus festgestellt, aber sie sehen es pragmatisch. Schließlich wollen sie in diesem Bereich beruflich tätig werden. Da sei auch diese Erfahrung hilfreich, finden beide.

Die kleinen Beutelchen mit den Samenbomben kosten 3,50 Euro pro Stück. Im Dreierpack gibt es sie preisgünstiger für neun Euro. Zu bestellen sind sie per E-Mail an creainklusivo@bbs-syke.de.

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