Landesverband Bürgerinitiative Umweltschutz

Es regt sich Widerstand

Eine Bürgerinitiative macht mit einer Informationsveranstaltung auf den Bau einer Hähnchenmastanlage in Asendorf aufmerksam. In der Anlage sollen 39 900 Tiere schlachtreif gefüttert werden.
24.04.2018, 13:41
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Es regt sich Widerstand
Von Micha Bustian
Es regt sich Widerstand

Die Bürgerinitiative "Initiative für gute Luft – für uns und unsere Kinder" sorgt sich um Immissionen von antibiotika-resistenten Keimen, Feinstaub und Ammoniak der 39 900 Hähnchen.

Andreas Gebert

Asendorf. Im Asendorfer Ortsteil Hardenbostel soll eine Hähnchenmastanlage gebaut werden. 39 900 sollen dort schlachtreif gefüttert werden. Anwohner befürchten Immissionen von antibiotika-resistenten Keimen, Feinstaub, Ammoniak oder Geruch, heißt es in einer Pressemitteilung des Landesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) Niedersachsen. Deshalb hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Die lädt für Mittwoch, 25. April, zu einer Informationsveranstaltung ins Gasthaus Ehler, Scholer Straße 20 in Bruchhausen-Vilsen, ein.

Die Zusammenkunft wütender Bürger ab 19 Uhr nennt sich "Initiative für gute Luft – für uns und unsere Kinder". Christine Rohlfs ist Mitglied und hofft auf viele Besucher bei der Bürgerversammlung. Eingeladen sind der Grundwasserexperte Lutz Neubauer vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Eckehard Niemann, Koordinator des Netzwerks Bauernhöfe statt Agrarfabriken, und Vertreter der Kommunalpolitik. "Wir haben Angst um unsere Gesundheit und unsere Umwelt", sagt Christine Rohlfs.

Die LBU indes hat grobe Fehler bei Genehmigung der Hähnchenmast-Anlage durch den Landkreis Diepholz registriert. So seien keine Berechnungen der Futterfläche vorhanden oder veröffentlicht, obwohl Baugesetzbuch und Rechtsprechung genau diese ausreichende Futtererzeugungs-Möglichkeit als entscheidendes Kriterium für das Bauen im Außenbereich einforderten. Berechnungen von Experten zeigten, dass die Antragstellerin diese Anforderung bei Weitem nicht erfülle. Auch die von der Investorin finanzierten Gutachten über die austretenden Emissionen bewertet die LBU als fehlerhaft und unzureichend. Dies betreffe sowohl die mögliche Beeinträchtigung der Gesundheit, der Lebensqualität und der Immobilienwerte der Anwohner als auch die Schädigung von Flora und Fauna. Als besonders skandalös bezeichnete Diplom-Agraringenieur Niemann die Tatsache, dass die Gutachterin bei den angeblichen Wirkungen eines Filters einfach Daten eingesetzt habe, obwohl der Filter für diese Immissionen gar nicht zertifiziert worden sei.

Weitere Mängel benannte der LBU in seinem offiziellen Widerspruch gegen die Genehmigung beim Verbleib überschüssiger Exkremente, beim vorgelegten Brandschutz-Konzept, bei der fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfung und bei der Erschließung der Anlage. Der geplante Stall für die Masthühner-Schwermast sei systemimmanent damit verbunden, dass etwa 15 Tiere je Quadratmeter auf eigenem Kot stehen müssten und dadurch Fußballen-Entzündungen bekämen und dass der angezüchtete Turbo-Fleischansatz von Skelett, Beinen und Kreislaufsystem nicht verkraftet werde. Der nach wie vor erhebliche Antibiotika-Einsatz in der industriellen Hähnchenmast trage erheblich zu Bildung und Verbreitung antibiotika-resistenter MRSA- und ESBL-Keime auch in der Humanmedizin bei. Niederländische Untersuchungen hätten noch im Umkreis von einem Kilometer um Intensiv-Tierhaltungsanlagen eine Häufung von Atemwegskrankheiten nachgewiesen.

Sollte der Landkreis die Genehmigung nicht zurücknehmen und einen Baubeginn nicht untersagen, überlegt der LBU, das Recht durch Klagen durchzusetzen.

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