Europa-Union Syke

Filigraner Blickfang für Europa

Zum 75. Bestehen der Europa-Union schuf Mirsad Herenda eine neue Statue für den Europagarten in Syke. Nun wurde das Kunstwerk im Zuge eines Festes eingeweiht.
19.07.2021, 15:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Karsten Bödeker/kbö

Syke. Recht keck sitzt sie im Damensitz auf dem Rücken des Stieres. Angemessen gülden glänzt sie, denn sie ist Europa, die Geliebte des Zeus, nach der ein Erdteil benannt wurde. Europa ist seit vielen Jahrzehnten eine Idee, für manche gar eine Philosophie. Deshalb und vor allem weil die Europa-Union in Syke ihre Wurzeln hat, wurden die Dame und ihr Stier (der in Wirklichkeit Zeus ist) am Sonntag in der Hachestadt eingeweiht.

Das goldene Liebespaar, rund 150 Gäste sowie der Europa-schaffende Künstler Mirsad Herenda lauschten den Worten von Arie Hartog. Der ist Direktor des Bremer Gerhard-Marcks-Hauses und pointierte mit einem mehr als zarten Hinweis: „Die Figur ist so gut, dass sie das Verkehrsschild daneben aushält.“ Hier wird der Bauhof der Stadt Syke wohl noch mal ausrücken, um der Kunst zur vollen Entfaltung zu verhelfen. Dann spielte die Bläserklasse des Syker Gymnasiums die Europahymne, und die Gesellschaft wanderte zur Konzertmuschel, wo die Arrested Amtsbrüder musikalisch kreativ unterhielten – unter anderem mit einer sehr freien Übersetzung von John Lennons Friedeshymne „Imagine“.

Mitten im Organisationsgeschehen waren Gerd Thiel und Karsten Galipp von der Europa-Union. Die Zufriedenheit über Wetter und Resonanz war ihnen anzumerken. Schließlich ist der Europagarten nun um eine Attraktion reicher. Die Dame Europa blickt aus knapp drei Metern Höhe herab. „Die Geschichte Europas ist die eines Menschenraubes“, berichtete Hartog in seiner ebenso unterhaltsamen wie informativen Ansprache. Schließlich habe Zeus die phönizische Königstochter nach Kreta entführt. Aufs Festland habe es die Dame allerdings nie geschafft. Kulturgeschichtlich gebe es viele Sichtweisen und Interpretationen der Frau und des Stiers. Mehrdeutig und wandelbar nannte Hartog das. „Mann und Frau, Mensch und Gott, Mensch und Tier“, es gebe viele Ansätze. „Nehmen Sie sich Zeit, schauen sie von allen Seiten, aus der Nähe und aus der Ferne“, empfahl der Kunstexperte. Mirsad Herenda habe in seine Skulptur soviel Bewegung gebracht, wie es einem Bildhauer nur möglich sei. So sei ein feines filigranes Etwas entstanden.

Mirsad Herenda übrigens stammt aus Bosnien-Herzegowina, dem Land, in dem sich in den 1990er-Jahren das dunkelste Kapitel Europas seit 1945 ereignete. Seit 17 Jahren lebt der Meisterschüler in Bremen und wird aus eigenem Erleben berichten können von all den Errungenschaften eines freien Europas. Auch davon zeugt sein Blickfang in Syke, der nun den Weg von der Innenstadt zum Hachepark belebt und bereichert.

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