Azubi-Finder

Fachkräftemangel und Generation Z

Ein Azubi-Finder soll das gegenseitige Kennenlernen von Arbeitgebern und Bewerbern erleichtern. Bruchhausen-Vilser Oberschüler stellen sich in der Broschüre vor.
23.08.2017, 17:20
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Dagmar Voss
Fachkräftemangel und Generation Z

Alle sind angetan vom Projekt „Azubi-Finder“: Schulsozialarbeiter, Sponsoren, die Samtgemeindeverwaltung, professionelle Mitarbeiter sowie die Schüler Marlon und Paula (Zweiter und Dritte von rechts).

Dagmar Voss

Bruchhausen-Vilsen. Ein Büchlein ganz in Grün präsentierte das Team der Schulsozialarbeit am Mittwochvormittag: ihr neues Projekt, den „Azubi-Finder“. Ein ungewöhnliches, fast schon einzigartiges Bewerberbuch in der bundesweiten Schullandschaft, in dem sich die Schüler der Oberschul-Abschlussklassen potenziellen Arbeitgebern vorstellen. „Es soll nicht nur ein Vermittler von Ausbildungsplätzen oder Praktika sein, sondern es hat schon die Schüler auf einen Weg zu sich selbst geschickt“, formulieren es Andrea Sordon und Anja Westers. Die Idee dahinter war, in „Zeiten von Fachkräftemangel und Generation Z hoffentlich eine adäquate Möglichkeit zu bieten, sich außerhalb eines offiziellen Bewerbungsverfahrens vorab zu beschnuppern und in Kontakt zu kommen".

In dem 95-seitigen Heft stellen sich knapp 90 Schüler aus den vier Oberschulklassen vor, die im Jahr 2018 ihren Abschluss machen werden. Jeder auf einer Seite mit Foto, Geburtsdatum, Berufswünschen, Zielen und kleinen Auflistungen von geistigen, körperlichen und sozialen Stärken. Um dahin zu gelangen, war eine relativ lange Vorlaufzeit von zwei Jahren notwendig; zunächst gab es diese Idee zu einer solchen Broschüre dank einer Reportage darüber in einem anderen Ort. Jörg Nedderman vom Förderverein und Ansprechpartner Oberschule klemmte sich dahinter und hatte schnell die Schulsozialarbeiter auf seiner Seite. Für die Zukunft hoffen alle Beteiligten: „Das soll keine einmalige Geschichte sein, sondern etabliert werden.“

Es wurden Fragebogen erarbeitet und ein Zeitstrahl aufgebaut, die Klassenlehrer, danach die Klassen unterrichtet und dann in Kleingruppen mit jeweils fünf Schülern das Projekt erklärt und an den Fähigkeiten und Wünschen gearbeitet. „Ich dachte, das dauert vielleicht eine Viertelstunde, aber daraus wurde dann eine Stunde“, erinnert sich die 16-jährige Paula Schulte. „Es gab Gespräche unter uns und gutes Feed-Back, was die anderen schätzen, was wir können – es ist einfach eine gute Idee, weil viele gar nicht wussten, was man hier im Umkreis machen kann, und viele hatten keine große Lust, sich darum zu kümmern.“ Bei ihr kam heraus, dass ihr Berufswunsch in den sozialen Bereich geht. Eher in den kaufmännischen Bereich tendierte das Interesse von Marlon Frese, und dass er zunächst seinen Realschulabschluss machen will.

Bei der Erstellung dieses praktischen DIN-A5-Führers durch die Bewerber der Oberschule war auch Steffi Wolfermann aus Schwarme beteiligt, die das Layout gestaltete. Ebenso professionell sind die Fotos der Jugendlichen, die der Syker Fotograf Matthias Strohmeyer schließlich allen zur Verfügung stellt, sodass jeder damit seine klassischen Bewerbungsunterlagen versehen kann. Einige wenige Schüler sind ohne Foto vertreten, weil sie entweder den Termin versäumt hatten oder die Eltern nicht wollten, dass ihre Kinder so veröffentlicht werden. Das letzte Wort zu ihren Seiten hatten übrigens die Schüler selbst, sie gaben letztlich das Okay zur Fertigstellung des Buches.

„Der Azubi-Finder ist ein wesentliches Projekt der Weiterentwicklung nicht nur des schulischen, sondern auch des gesellschaftlichen Lebensraumes – Brücken zwischen Schule und Berufsleben schlagen ist uns als Idee außerordentlich wichtig“, so Jörg Neddermann. Das Buch hat eine Auflage von 500 und soll in der Woche nach dem Brokser Markt an die Firmen im Umkreis, in Bruchhausen-Vilsen, Hoya und Syke verschickt werden – „dahin, wo man als 17-jähriger Azubi eben leicht hinkommen kann“, erklärt die kommissarische Leiterin der Oberschule Friederike Heyne.

Für Cattrin Siemers aus dem Rathaus ist klar, dass das Ganze auch von der Wirtschaftsförderung unterstützt wird, die neben etlichen Sponsoren das Projekt mitfinanziert hat. Betriebe, die Interesse anmelden möchten, können das nur unter einer E-Mail-Adresse tun, damit keine unerwünschten Mails zu anderen gelangen. Wer als Unternehmer Einblick in die Broschüre nehmen möchte, kann diese demnächst auch als PDF im Netz herunterladen: www.obs-bruvi.de

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+