Geschichtsprojekt Fakten, Fotos, Flecken

Sie tauchen tief in die Geschichte ein: Wilfried Müller und Dieter Borcherding gestalten ein Buch über Haus- und Hofstellen in den ehemaligen Flecken Bruchhausen und Moor.
02.02.2018, 17:44
Lesedauer: 2 Min
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Von Dominik Flinkert

Bruchhausen-Vilsen. Wilfried Müller und Dieter Borcherding engagieren sich schon länger in einem Ausschuss des Verschönerungsvereins Bruchhausen-Vilsen, der sich darum kümmert, das historische Gebäude des Alten Gaswerks zu erhalten und renovieren. Jetzt geben beide in ihrer Freizeit weiter Gas: Sie sammeln Informationen und Bilder über Haus- und Hofstellen der ehemals selbstständigen Flecken Bruchhausen und Moor. Im September wollen sie ein Buch veröffentlichen – es soll 400 Seiten umfassen, etwa eine Auflage von 300 Exemplaren bekommen und maximal 30 Euro kosten. Das Titelbild des Buchs soll ein Schloss zieren, wo derzeit der Amtshof ansässig ist.

Seit acht Jahren arbeiten die beiden Hobby-Archivare bereits an dem Projekt. „Es ist ein Marathonlauf, den wir bestritten haben. Wir sind jetzt kurz vorm Ziel“, sagt Müller. Mit Borcherding durchforstete er die Grundbücher in Syke, das Brandkataster von 1753, das Hypothekenbuch von 1825, die Häuserliste vom Amt Bruchhausen über die Jahre 1830 bis 1940 und die Grundsteuermutterrolle ab 1857. Dabei bekamen sie Unterstützung von den Mitarbeitern des Samtgemeinde-Archivs Bruchhausen-Vilsen. „Das Brandkataster hat damals dazu geführt, dass Hausnummern angebracht wurden“, erzählt Borcherding. Mithilfe dieser Zuordnung konnten Feuerwehrleute die Brände schneller orten. Denn durch Kerzen und Steinöl breiteten sich Brände vor der Einführung des elektrischen Stroms wegen der engen Wohnbebauung rasend schnell aus. Beim Neubau von Häusern seien die Hausnummern meistens mitgenommen worden, ergänzt Borcherding.

In dem Buch sollen Geschichtsfreunde unter anderem ein Bild von Männern finden, die im Jahr 1880 in einem Hof am früheren Gasthaus Ehlers Karten spielen. "Das ist eine Rarität", betont Müller. Ein anderes Foto zeigt ein Fachwerkhaus und das alte Niedersachsenhaus an der Burgstraße 11. Borcherding sagt: "Die ältesten Häuser, die es heute noch gibt, stammen aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Die Brokser Müller und Borcherding haben schon viele Entwürfe für die Bücherseiten gestaltet. Eine typische Seite besteht aus mehreren Fotos, einer Liste der Besitzer der Haus- und Hofstellen und einer kurzen Erläuterung.

In Letzterer steht zum Beispiel über die heutige Bäckerei Müller Folgendes: „Nach wechselnden Besitzern, wiederum Huckstädt (Huckstede), Klages und Brems, der Schuhmacher war, taucht der Name Reka hier auf. Heinrich Reka war Sattlermeister und gebürtig aus Wöpse. Vor gut 100 Jahren kam der Bäckergeselle Arno Apel aus Weimar auf der Wanderschaft in unsere Gegend. Er heiratet die Tochter Reka und eröffnet hier eine Bäckerei, die bis heute in vierter Generation Bestand hat (Dittmar und Sabine Müller).“ Der erste Besitzer des Gebäudes an der Adresse Schöne Reihe 21 hieß im Jahr 1675 Johann Menke.

Ganz in der Nähe dieses Gebäudes seien die Hausstellen Nummer 16 und 17 in der Zeit um 1900 abgebrochen worden, schreiben Müller und Borcherding auf einem Seitenentwurf. Nummer 16 sei immer im Besitz der Familie Goltermann gewesen und an der Nummer 17 befand sich die alte „Grote Schole“. Beide Gebäude hätten für den Neubau der Sparkasse „Grafschaft Hoya – Filiale Bruchhausen“ Platz gemacht. Die Sparkasse sei davor im Haus Mestwerdt an der Kanalstraße 33 beheimatet gewesen.

Bürger, die interessante Informationen und alte Fotos haben und den Hobby-Archivaren zur Verfügung stellen wollen, können sich bei Müller unter der Telefonnummer 0 42 52 / 9 09 98 30 und bei Borcherding unter der Nummer 0 42 52 / 34 89 bis zum 30. Juni melden – damit die beiden „Marathonläufer“ endlich an ihr ersehntes Ziel kommen.

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