Druckgrafiken im Syker Vorwerk

Fantastisches Handwerk

Nein, es ist kein Festival der Popmusik. Obwohl die Namen T-Rex, Madonna und Judith Holofernes durchaus diesen Eindruck erwecken könnten.
22.01.2016, 00:00
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Von Micha Bustian
Fantastisches Handwerk

Künstlerin trifft Amazone: Maria Mathieu richtet der Figur Jeanne D’Arc die Anzugjacke, während Nils-Arne Kässens, künstlerischer Leiter des Syker Vorwerks, neugierig zuschaut. Die Ausstellung mit Werken von Mathieu und Gerhard Marcks eröffnet am 24. Januar.

Janina Rahn

Nein, es ist kein Festival der Popmusik. Obwohl die Namen T-Rex, Madonna und Judith Holofernes durchaus diesen Eindruck erwecken könnten. Doch der Name des Mannes, dessen Werke künftig im Syker Vorwerk ausgestellt werden, hat ähnlichen Hall: Gerhard Marcks.

Der international renommierte Künstler hat 1951 die Skulptur der Bremer Stadtmusikanten erstellt, die jetzt vor dem Rathaus steht und als Wahrzeichen der Hansestadt gilt. 1981 starb Gerhard Marks, hinterließ rund 1200 Skulpturen. Doch die Präsentation, die am Sonntag, 24. Januar, ab 12 Uhr im Syker Vorwerk eröffnet wird, beschäftigt sich mit einer Art Kunst, für die der gebürtige Berliner nicht so bekannt – ja, berühmt – ist: mit Druckgrafiken.

Nils-Arne Kässens ist ganz aufgeregt. Ganz klar, immerhin ist es seine erste Ausstellung als neuer künstlerischer Leiter des Vorwerks. „Die ersten Ideen und die Kontakte zum Gerhard-Marcks-Haus in Bremen stammen noch von Nicole Giese“, gibt der 36-Jährige neidlos zu. Da er aber die Konzeption mit erarbeitet habe, habe die Präsentation natürlich auch für ihn etwas Besonderes. „Weil wir von einem renommierten Künstler Kunstwerke ausstellen, die man sonst nicht zu sehen bekommt“, begründet er. „Wegen der Kooperation, von der auch das Gerhard-Marcks-Haus profitiert, weil es ja bis Oktober geschlossen hat.“ Und wegen des persönlichen Blicks von Maria Mathieu auf die Werke von Gerhard Marcks.

Maria Mathieu? Die Künstlerin aus Sottrum wurde von der hochschwangeren Nicole Giese auserwählt, ihre Werke in Dialog mit dem Holzdrucken von Gerhard Marcks zu stellen. „Ich war schon sehr überrascht, als mich das Syker Vorwerk angesprochen hat“, erzählt die 68-Jährige, die 2009 ihren Meisterabschluss gemacht hat, „das passiert uns Künstlern ja auch nicht so oft.“ Nach dem Erstkontakt sei gleich klar gewesen: Die Zeit war knapp. „Aber ich liebe Herausforderungen.“ Also packte sie es an. Das Gerhard-Marcks-Haus ließ sie im Archiv recherchieren, „da habe ich dann endgültig Feuer gefangen“. Ihr Eindruck: „Wow, was für ein fantastischer Handwerker.“ Letztlich habe sie Parallelen zwischen seinen und ihren Arbeiten gesucht und gefunden. „Der Rest war leicht.“

Der Rest hängt – oder steht oder liegt – vom 24. Januar bis zum 28. März im Erdgeschoss und im ersten Stock des Syker Vorwerks. Der Einfachheit halber haben die Veranstalter die Arbeiten von Gerhard Marcks in Holzrahmen gefasst, die von Maria Mathieu indes weiß umrandet. Damit die Werke entsprechend in Dialog treten können, wurden Themen-Räume zusammengestellt. Dabei geht es um Linien, Akte, Bäume, Muster, Tiere, Krieg und Vertreibung, Amazonen und Marcks höchstselbst. Das Gerhard-Marcks Haus aus Bremen hat dafür ausschließlich Holzdrucke zur Verfügung gestellt. Die meistens zeigen düstere Bilder und eine fast unglaubliche Kleinteiligkeit. Man bedenke: Dies sind keine Zeichnungen, der Künstler musste die Vorlage mit dem Bildhauereisen in hartes Holz ritzen.

Die Arbeiten von Maria Mathieu indes sind vornehmlich auf der Basis des Linoldrucks entstanden. Sie sind weniger realistisch, liegen häufig auf mit einer Lochkamera gemachten Fotografien, nicht auf weißem Papier. Auch die einzige Installation ist von Maria Mathieu: Sie zeigt Jeanne D’Arc, ihr zur Füßen das Heer. Die Schafsköpfe dazwischen stehen für die Künstlerin für den „Widersinn des Krieges“. Nils-Arne Kässens findet, dass „Mythen und Gegenwart hier ineinander über gehen“.

Fast alle im Vorwerk ausgestellten Werke hat Maria Mathieu extra für diese Präsentation angefertigt. „Ich habe erst im Dezember angefangen“, erzählt die dreifache Mutter. Irgendwie sei es aber auch gut gewesen, dass sie so konzentriert hätte arbeiten können. „Weihnachten war bei mir sehr ruhig.“

Womit letztlich immer noch nicht geklärt wäre, was nun T-Rex, Madonna und Judith Holofernes mit der Ausstellung im Syker Vorwerk zu tun haben. Hier nun also die Auflösung: T-Rex und Madonna sind die Titel zweier Werke von Maria Mathieu. Und auf einer Druckgrafik von Gerhard Marcks trägt die heilige Judith den Kopf des Heerführers Holofernes in den Händen. Wenig musikalisch . . .

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