Kunstverein Syke Fernweh als Motivation

Hanna Behrens wollte schon als Mädchen weg aus Deutschland. Ihr Fernweh hat sie mit Reisen gestillt. Nun ist sie diejenige, die anderen Reisewünsche erfüllt.
19.07.2021, 15:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss

Syke. „Schon immer wollte ich weg aus Deutschland, schon als Mädchen war dieser Wunsch da, und dazu gehörte auch eine frühe Selbstständigkeit“, sagt Hanna Behrens. Zu ihrem Bedauern gelang das nie, oder jedenfalls nicht dauerhaft – dafür aber stillte sie ihr Fernweh mit vielen Reisen in die Ferne und die Nähe. „Nun bin ich tatsächlich aber gar nicht weit gekommen beim Wohnen, denn ich lebe immer noch in meinem Elternhaus in Delmenhorst“, schmunzelt die rüstige 81-Jährige. Ein bisschen konnte sie während ihres Berufslebens als kaufmännische Angestellte und Sekretärin bei den vereinigten flugtechnischen Werken (VFW), die später VFW-Fokker und dann MBB wurden, die Reisesehnsucht dank deren weltweiten Kontakten befriedigen.

Sie ist diejenige, die seit Jahren im Hintergrund rödelt, um Mitgliedern und Nichtmitgliedern des Kunstvereins Syke (KVS) spannende Kunstreisen zu ermöglichen. Und damit auch dem eigenen Reisevirus zu frönen. „Blut geleckt habe ich Ende der 1980er-Jahre auf einer Fahrt nach Mittelasien gemeinsam mit einem VHS-Kurs (Volkshochschule im Landkreis Diepholz, d. Red.) von Helmut Kastens“, erinnert sie sich – also beim Mitbegründer der Kreisvolkshochschule. Bei ihm sei sie dann sehr oft mitgefahren und habe quasi ihre „Ausbildungsjahre“ in Sachen Organisation solcher Reisen bei Kastens gemacht. Aus ihrer Erinnerung holt sie einige der damaligen Ziele: „Er bot tolle, informative Studienreisen in die ganze Welt an, die mein Mann und ich begeistert mitgemacht haben. Wir haben die Seidenstraße von Karachi im Westen über den Karakorum-Highway nach Peking im Osten bereist." Zudem hätten sie Afrika, Tibet, Usbekistan, den Jemen, Iran und Polen besucht.

Dazu absolvierte sie in den 90er-Jahren außerdem eine pädagogische Fortbildung für Erwachsenenbildung beim Landesverband der VHS. Als sie 1994 bei der VHS Wildeshausen nachfragte, ob sie Studienreisen anbieten solle, „habe ich wohl offene Türen eingerannt, denn da fehlte gerade jemand“. Dann ging es richtig los – bis heute: „Dieses Jahr wird es zum letzten Mal sein.“

Schon 1985 hatte sie zuhause in Delmenhorst begonnen, Kurse über gesunde Lebensweise, Farbberatung sowie politische Bildung zu geben, später auch einen Frauengesprächskreis und Diavorträge über Reisen. Nach und nach wurde sie selbst zu einer kompetenten Reiseleiterin, die genau weiß, was wichtig ist und unerlässlich, um alle Aspekte zu berücksichtigen. Um einer Reisegruppe die relevanten Informationen zum Ziel und Klima, zu Historie und politischen sowie kulturellen Highlights zu präsentieren. Des Weiteren der Umgang mit Menschen, die mitfahren und Gespräche brauchen, oder auch Notfälle zu bewältigen. „Wichtig ist immer, die Nerven zu bewahren und auf Erfahrungen sowie Ideen zurückzugreifen“, weiß die reiselustige Frau.

Vieles kann sie vermitteln, was nicht in gängigen Reiseführern steht; wenn es etwas Außergewöhnliches zu erkunden gibt, scheut sie auch keinen Umweg. Die Gäste, die zum Teil seit 20 Jahren mit ihr reisen, also seit sie für den KVS aktiv ist, schätzen diese Art der Wissensvermittlung sehr. Das ließ sich vor der Corona-Pandemie immer wieder bei den regelmäßigen Treffen des KVS feststellen, wenn man sich über vergangene Reisen unterhalten hat und allenthalben noch Begeisterung darüber zu hören war.

Das wird sicherlich auch nach der nächsten Fahrt so sein, wenn alle Mitte Oktober zurückkehren von der Reise nach Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Das war eigentlich schon für letztes Jahr geplant, aber es kam ja anders“, sagt Behrens. „Wir fahren nach Dessau in Sachsen-Anhalt und weiter nach Thüringen, wo wir Weimar, Erfurt, Saalfeld und noch einige andere Orte und Landschaften besuchen werden.“ Diese Reise ist bereits ausgebucht, da sie ungern mehr als 25 Mitreisende einplant: „Wenn die Gruppe zu groß ist, bleibt sie irgendwann keine Gruppe mehr, sondern spaltet sich auf, und das ist für alle nicht angenehm. Es ist sehr viel befriedigender, wenn alle miteinander reden und wir gemeinsame Erlebnisse haben können.“

Zur Sache

Tagesreisen möglich

Welche weiteren kurzfristigen Tagesreisen zu Museen oder Galerien wie in vergangenen Jahren eventuell wieder möglich werden, bleibt zunächst abzuwarten. Der Vorsitzende des Kunstvereins Syke, Manfred Palm, meint, dass das vorgesehen sei, aber wegen der Pandemie noch nicht konkret.

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