Kinobetreiber befragt

Filmtipps zur besinnlichen Zeit

Hinter dem vierten Türchen des WESER-KURIER-Adventskalenders warten Ratschläge von Menschen, die sich mit Filmen bestens auskennen. Denn sie beschäftigen sich beruflich jeden Tag mit ihnen.
03.12.2020, 17:42
Lesedauer: 4 Min
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Von Yannik Sammert

Für viele Menschen bedeutet Weihnachten nicht nur Besinnlichkeit, familiäres Zusammensein und Köstlichkeiten. Auch ein guter Film versüßt die Feiertage. So gehört zum Beispiel das Schauen von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ für einige Leute auf jeden Fall zum Weihnachtsfest dazu. Alleine an Heiligabend läuft die tschechisch-deutsche Koproduktion in diesem Jahr sechsmal im heimischen Fernsehen. Doch auch darüber gibt es eine Fülle an Streifen, die das Fest der Liebe thematisieren. Hinter dem vierten Türchen verbergen sich deshalb Tipps von heimischen Kinobetreibern, also echten Filmkennern.

Einer der Kinobetreiber ist Holger Glandorf. Ihm gehören die Kinos in Twistringen, Sulingen und Nienburg. Für den Selbstständigen sticht besonders ein Weihnachtsfilm heraus, denn er als „echten Klassiker“ bezeichnet. Die Rede ist hierbei von „Die Geister, die ich rief…“ aus dem Jahr 1988. „Das Werk mit Bill Murray passt sehr gut in die aktuelle Situation. So kann der Film trotz der Corona-Schwierigkeiten für stimmungsvolle Weihnachtsunterhaltung sorgen und dabei helfen, den Sinn des Weihnachtsfests zu erkennen“, begründet der Experte.

Geheimtipp mit Elise

Darum geht es in dem Film: Frank Cross, der jüngste Fernsehchef in den USA, ist karrieresüchtig und hartherzig. Für ihn zählen nur Einschaltquoten. Die will er nun an Weihnachten mit einer Show auf die Spitze treiben, die alles andere als christlich ist. Doch ein paar Tage vor dem Fest geschieht Unglaubliches. Ein schon lange verstorbener Bekannter taucht urplötzlich in seinem Büro auf und kündigt den Besuch von drei weiteren Geistern an. Auch wenn diese Handlung auf einen Horrorfilm hindeuten könnte, entpuppt sich der Streifen vielmehr als fantasievolle Komödien-Aneignung von Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“. Freigegeben ist die US-amerikanische Produktion ab zwölf Jahren. Der Film wird auch in diesem Jahr kurz vor Weihnachten im Fernsehen gezeigt, allerdings nur auf Sky.

Während Glandorfs Empfehlung als Kultweihnachtsfilm gilt, hat die Betreiberin des Syker Hansa-Kinos, Silvia Kahle, einen Geheimtipp parat. Sie begeistert sich für den norwegischen Film „Elise und das vergessene Weihnachtsfest“, der in deutschen Kinos aufgrund von Corona noch nicht angelaufen ist. Im skandinavischen Land erschien der Streifen allerdings schon im vergangenen Jahr und entwickelte sich zum Publikumsmagneten – laut Kahle zurecht. „Das ist ein richtig schöner Kinderfilm“, lobt die Kinobetreiberin. Besonders gefällt ihr, dass der Film nur 70 Minuten lang läuft. „So ist er auch für Dreijährige nicht zu lang.“

Im animierten Werk geht es um die kleine Elise. Sie wohnt in einem Dorf, in dem sehr gedächtnisschwache Menschen leben. In diesem Jahr haben das Mädchen und die anderen Dorfbewohner das Christfest vergessen. An Heiligabend findet Elisa dann einen verstaubten Adventskalender-Kasten auf dem Dachboden. Sie geht zum Tischler des Kastens und will wissen, was es mit Weihnachten auf sich hat. Dieser rät ihr, den Weihnachtsmann aufzusuchen. Schließlich kann jetzt nur noch er die heilige Nacht in dem Ort retten. „Ich mag die Symbolik, dass man das Weihnachtsfest nicht vergessen soll“, schildert Kahle. Eigentlich wollte sie den Film an Weihnachten zeigen. Doch aufgrund der Corona-Beschränkungen wird daraus nichts. Nun soll der Streifen nächsten Winter in die deutschen Kinos kommen – aufgeschoben ist also nicht aufgehoben.

Karl-Heinz Meier ist 70 Jahre alt. Bereits seit vielen Jahrzehnten führt er das Kino Lichtburg in Quernheim (wir berichteten). „Die Weihnachtswoche war und ist normalerweise unsere besucherstärkste Woche. Das gilt übrigens auch für deutsche Kinos allgemein. An Weihnachten wollen die Leute ausgehen“, erzählt der erfahrene Kinobetreiber. „Kevin – Allein zu Haus“ sei in den 1990er-Jahren zum Beispiel „ein echter Renner“ gewesen.

Meiers Lieblingsweihnachtsfilm ist indes „Der Polarexpress“. Der Kinderfilm mit Tom Hanks erschien 2004 und handelt von einem Jungen, der sich gerade bettfertig macht, als er zu grübeln beginnt. Das Kind fragt sich: Gibt es den Weihnachtsmann wirklich? Da hält plötzlich eine Dampflok vor seinem Haus und der Schaffner lädt den Jungen zum Einsteigen in den Polarexpress ein. Das Kind nimmt die Einladung an und befindet sich auf einmal auf einer abenteuerlichen Reise zum Nordpol – dem angeblichen Zuhause von Santa Claus. Die Altersfreigabe liegt bei sechs Jahren.

„Nicht zuletzt die Animationen mithilfe der damals neuen Produktionsweise sind wirklich klasse“, hebt der Filmexperte hervor. Denn bei „Der Polarexpress“ kam eine neue Technik zum Einsatz, die zuvor bereits bei den Dreharbeiten zu „Der Herr der Ringe“ verwendet wurde. Die Schauspieler wurden zunächst real gefilmt. Ihre Darstellung wurde dann auf die digitalen Figuren übertragen. Übrigens: An diesem Freitag, 4. Dezember, wird der Kinderfilm um 20.15 Uhr auf Super RTL gezeigt.

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Bei Silvia Kahle, Karl-Heinz Meier und Holger Glandorf macht sich aktuell noch keine vorweihnachtliche Stimmung breit. Denn ihre Kinos müssen auch während des Christfests geschlossen bleiben. Nicht nur Meier ist darüber „zutiefst betrübt“. Zumindest im Hinblick auf die Zukunft der Branche überwiegen beim 70-Jährigen allerdings positive Gefühle. Denn er betont: „Kino hat einen so hohen Stellenwert wie noch nie. Die Leute merken, dass ihnen dieses Erlebnis fehlt.“ Auch Glandorf blickt optimistisch auf die Zukunft, vor allem auf 2021. Der Selbstständige skizziert: „Der Kinomarkt wird voll mit Filmen sein, weil viele Neuerscheinungen auf das nächste Jahr verschoben wurden.“ Die Gegenwart bereitet dem Unternehmer jedoch große Sorgen. „Wir haben unseren Filmpalast in Nienburg erst vergangenes Jahr eröffnet und zuvor mehrere Millionen Euro investiert.“ Nun drücken die Verbindlichkeiten. Die staatliche Novemberhilfe hilft ihm deshalb besonders. „Das Geld sorgt dafür, dass wir finanziell erstmal gesichert sind.“ Kahle verweist hingegen darauf, dass die Gelder erst zum 26. November beantragt werden konnten. Zudem kritisiert die Sykerin: „Ich kann die erneute Schließung nicht verstehen. Durch die vorsichtigen Hygieneregeln besteht so gut wie keine Ansteckungsgefahr in Kinos, zumal sich unsere Besucher mustergültig verhalten haben.“

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