Ermittlung gegen Syker Finanzbeamten

Steuerhinterziehung in 81 Einzeltaten

Die Staatsanwaltschaft Verden hat Anklage gegen einen Beamten des Finanzamtes Syke erhoben. Dem 29-Jährigen werden gewerbsmäßige Untreue sowie Steuerhinterziehung zur Last gelegt.
20.11.2020, 18:07
Lesedauer: 2 Min
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Von Angelika Siepmann
Steuerhinterziehung in 81 Einzeltaten

Der suspendierte Beamte des Finanzamtes hat rund 900 000 Euro am Fiskus vorbeigeschleust.

Michael Galian

Syke/Verden. Die Staatsanwaltschaft Verden hat Anklage gegen einen Beamten des Finanzamtes Syke erhoben. Dem 29-Jährigen werden gewerbsmäßige Untreue sowie Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Die Vorwürfe wiegen schwer: Zwischen Herbst 2017 und April dieses Jahres soll der Mann 81 Einzeltaten begangen und unterm Strich mehr als 900 000 Euro auf sein eigenes Konto geschleust haben. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Alexander Hege, auf Nachfrage weiter mitteilte, wurden die Ermittlungen gegen weitere fünf Mitarbeiter des Finanzamtes mittlerweile eingestellt.

Der einzig verbliebene Angeschuldigte muss sich auf eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Verden gefasst machen. Es ist im großen Verdener Landgerichtsbezirk zentral für Steuerstrafsachen zuständig. Dem Vernehmen nach ist damit zu rechnen, dass das Amtsgericht die umfangreiche Anklage zulassen und das Hauptverfahren eröffnen wird. Ein möglicher Strafprozessbeginn steht indes noch in den Sternen. Bis dahin können nach Einschätzung Heges aufgrund der starken Belastung der Gerichte, gerade auch unter Corona-Bedingungen, noch mehrere Monate vergehen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte derweil, dass ausschließlich Anklage gegen den 29-jährigen Beamten erhoben worden sei. Der Mann soll im Landkreis Diepholz zu Hause sein. Die Behörde hatte zunächst auch intensive Ermittlungen gegen fünf andere Mitarbeiter des Syker Finanzamtes geführt, die unter Umständen von Machenschaften des Mannes zumindest gewusst haben könnten. Aber, so Alexander Hege: „Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie Kenntnis davon hatten.“

Dass der heute 29-Jährige seinen Arbeitsplatz mutmaßlich seit geraumer Zeit dazu missbrauchte, quasi eine reiche Quelle zu eigenen Gunsten sprudeln zu lassen, soll durch die Kontrollmitteilung eines Bankhauses im Zuge des Geldwäschegesetzes ruchbar geworden sein. Laut Alexander Hege haben sich durch den Hinweis auf auffällige Kontobewegungen erste Verdachtsanhalte ergeben. Wie die Ermittler dann herausfanden, dürfte der Mann seinen „Zugriff auf Finanzkonten“ ausgenutzt haben, um auf verschiedenen Wegen immer wieder Beträge auf sein Konto zu transferieren. Als „Beispielfall“ nannte Hege, dass der Angeschuldigte sich „inaktiv gestellter“ Steuernummern bediente. Näheres zu den festgestellten Vorgehensweisen wollte der Pressesprecher nicht nennen.

Die Anzahl der einzelnen Taten, die dem 29-jährigen Mann vorgeworfen werden, summiert sich auf genau 81. Dabei soll er dem Fiskus im Zeitraum von etwa zweieinhalb Jahre einen Verlust von mehr als 900 000 Euro beschert haben. Der mit dem Auffliegen der mutmaßlichen Untreuetaten vom Dienst suspendierte Beamte muss im Falle eines Schuldspruchs mit einer empfindlichen Strafe rechnen. Denn allein mit einer Geldleistung dürfte das nicht getan sein. Der gesetzliche Strafrahmen reicht pro Tat von sechs Monaten bis zu insgesamt zehn Jahren Haft.

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