Frauenfreundschaften

Durch Freundschaft zu sich selbst finden

Familien- und Paartherapeutin Gertraud Matthies hat ein Buch geschrieben. In ihrem Erstling widmet sie sich dem Thema Frauenfreundschaften.
14.04.2021, 07:02
Lesedauer: 2 Min
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Von Sarah Essing
Durch Freundschaft zu sich selbst finden

Gertraud Matthies hat sich schon länger mit dem Thema Frauenfreundschaften beschäftigt. Dazu hat die Sykerin nun ein Buch geschrieben.

Vasil Dinev

Freundschaften unter Frauen haben sie schon immer fasziniert. Jetzt hat Gertraud Matthies ein Buch darüber geschrieben. „Frauenfreundschaften – Wege zum weiblichen Glück“ heißt ihr Erstling, der im Vier-Türme-Verlag erschienen ist.

Sie sei etwa Mitte 30 gewesen, berichtet die Frau aus Steimke, als sie begonnen habe, über das Thema intensiver nachzudenken. „Ich war in einer Beziehung, beruflich etabliert, da habe ich an meine Freundinnen gedacht und gewusst: Das musst du pflegen“, schildert sie den Anfang des Gedankens, der sie rund 30 Jahre später zu diesem Buch geführt hat. Denn Frauenfreundschaften seien etwas anderes als eine Beziehung.

„Bei Beziehungen geht es eher um die Vereinigung von Gegensätzen“, sagt die 69-Jährige. Frauenfreundschaften hingegen haben eine ganz andere Dynamik, einen anderen Stellenwert. „Frauen können sich gegenseitig unterstützen, sich austauschen, sich trösten“, sagt sie. Und: „Frauen können ganz toll miteinander lachen oder sich auch mal gegenseitig auf den Pott setzen.“

Der Weg zu ihrem Buch war allerdings nicht unbedingt eine gerade Linie. Die gelernte Grundschullehrerin bildete sich aus und weiter zur systemischen Körperpsychotherapeutin sowie systemischen Paar- und Familientherapeutin, zog mehrfach um, trennte sich und verliebte sich neu. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie heute eine Praxis in Syke. „Weil wir das gern machen“, wie sie sagt. In der Zeit davor, als alte Sicherheiten sich auflösten und viele Wechsel anstanden, habe das Thema Freundschaft sie quasi wieder eingeholt. Sie habe sich eine Freundin gewünscht, erzählt sie. Eine, die ihr zur Seite steht, mit der sich Freundschaft leicht und locker gestalten lässt. So eine habe sie gefunden. Das Buch sei daher „auf jeden Fall persönlich motiviert“.

Aus ihren Wunschformulierungen wurde schließlich ein Vortrag bei der Volkshochschule. Dort hatte sie bereits zu „allen möglichen pädagogischen und psychologischen Themen“, Vorträge gehalten. Den Zuhörerinnen gab sie einen Fragebogen mit, der in angepasster Form auch Bestandteil des Buches ist. „Fragen zum Nachspüren“ nennt Gertraud Matthies das. Denn: In einer Freundschaft mit einer Frau können Frauen sich spiegeln und dadurch selbst reflektieren, wer sie sind und was sie wollen. „Bei Frauenfreundschaften geht es immer auch um Selbstfindung“, ist die systemische Familien- und Paartherapeutin überzeugt. Eine Bekannte sah das nach dem Lesen des Vortragsmanuskripts ähnlich. „Das muss weiter verbreitet werden“, habe sie gesagt, erinnert sich Getraud Matthies mit einem Lachen. Sie wagte den Schritt und daraus entstand ihr erstes Buch.

In den einzelnen Kapiteln spürt Getraud Matthies den unterschiedlichen Beziehungen von Frauen untereinander nach, wie sie das eigene Verhalten - im Guten wie im Schlechten - beeinflussen können. Denn sie betrachte die Dinge gern durch die „systemische Brille“, wie sie es selbst beschreibt. Daraus resultiere aber auch, dass Frauen durch die Spiegelung in einer Frauenfreundschaft gewisse Verhaltensmuster aufspüren können, die sie unglücklich machen. Frauen können durch diese Freundschaften dann ihren eigenen Weg finden und am Ende glücklicher und zufriedener werden. Das sei „ganz wichtig für die Selbstfürsorge“, ist Gertraud Matthies überzeugt. Freundschaft unter Frauen sei in dieser Hinsicht „nährend“. „Man bekommt ganz viel.“

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