Landsitz Wachendorf

Für den Mann mit den schwarzen Händen

Wolfgang Schmitz hat seine Studenten nachhaltig geprägt. Wie sonst ist es zu erklären, dass einige von ihnen ab Sonnabend im Landsitz Wachendorf bei Syke mit einer Ausstellung an ihn erinnern?
11.07.2018, 10:34
Lesedauer: 3 Min
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Von Lena Mysegades
Für den Mann mit den schwarzen Händen

Renate Hoffmann (von links), Sylvia Dierks, Sabine Greulich, René Rameil, Katharina Addicks-Schäfer, Peter W. Schäfer, Joachim Pohlenk, Silke Schulze, Susanne Dittler und Martin Dierks freuen sich auf die Ausstellungseröffnung am Sonnabend.

Jonas Kako

Syke-Wachendorf. Es ist ein großer Verlust, dass der Professor der Hochschule für Kunst in Bremen, Wolfgang Schmitz, im vergangenen Jahr verstorben ist. Umso schöner ist es jedoch, dass der Landsitz Wachendorf zum Andenken an seine Person seinen Werken Raum und Kulisse verschafft. Unter dem Titel "Kunst – Europäisches Haus – Wir" lädt der Landsitz Wachendorf, Hermann-Löns-Weg 10, Kunst- und Kulturbegeisterte am Sonnabend, 14. Juli, zur Ausstellungseröffnung ab 15.30 Uhr ein.

In pittoresker Umgebung steht der Landsitz Wachendorf. Die Tür des Landsitzes öffnet sich und die Treppe hinauf geht es zu den Ausstellungsräumen. Und diese Räume sind zurzeit gefüllt mit Zeichnungen, Lithographien und Alugraphien. Zeichnungen, die das Schaffen von Wolfgang Schmitz beleuchten. Denn bei seinen Zeichnungen lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Seine Zeichnungen hat Schmitz am liebsten in Schwarz-Weiß gehalten. Doch es gibt auch einige Zeichnungen, die ein wenig Braun enthalten. Der Künstler und Landsitz-Eigentümer René Rameil erinnert sich: "Schmitz hat etwas Kaffee auf seinen Zeichnungen verschüttet und dann spontan eine braun-weiße Note in seine Zeichnungen gebracht. Das kann man beispielsweise auch auf dem Einladungsflyer sehen." Oben steht "Piazza Roma", daneben sieht man den verarbeiteten Kaffeefleck. Die unten zu sehende Aufforderung "Zählt lieber eure Tage" fand Rameil treffend als Titelbild seiner Einladung. "Die Geschichte mit dem Kaffeefleck zeigt einfach, wie spontan Schmitz gearbeitet hat", meint der Landsitz-Besitzer.

Genauso sei er auch auf seinen Reisen vorgegangen, erinnert sich eine seiner ehemaligen Studentinnen, die Bremer Künstlerin Katharina Addicks-Schäfer. "Er hat seine Zeichnungen direkt vor Ort gefertigt." Ihr Gatte Peter W. Schäfer, ebenfalls Professor an der Hochschule für Künste, ergänzt: "Seine Technik ist dabei auch oft eine Collagen-Technik gewesen." Schmidt habe für diese Collagen-Technik mit einem Lithographiestift gezeichnet, ein A1-Papier achtmal gefaltet und sei dann von Motiv zu Motiv gegangen. "Daher hatte er immer schwarze Hände", lacht Peter W. Schäfer. "Im Krankenhaus haben die Schwestern ihm einmal seine Hände mit Desinfektion und Lösemittel gewaschen und als er aufwachte, fühlte er sich dadurch gar nicht wie er selbst," weiß Addicks-Schäfer.

Peter W. Schäfer selbst plant für die Ausstellung eine Installation, und René Rameil hat Schwarz-Weiß-Zeichnungen angefertigt, die viele Details aus der Hochschule für Künste zeigen. So zum Beispiel die "Holzvitrine", in dem die ausgehenden Studierenden ihre Diplomausstellung zeigten.

Rameil hat sogar einige persönliche Werke von Schmitz. So zum Beispiel eine Dankeschön-Zeichnung, die ihm gewidmet ist. "Lieber René, danke für die Lampe", steht da, und die Leselampe ist klein und leicht erleuchtet als Zeichnung für Rameil zu sehen. Schmitz' Schüler Rameil hatte seinem Professor des Öfteren seine Leselampe geliehen. Der brauchte die Lampe für das Lesen von Lyrik und Gedichten, die er auch gern in seine Zeichnungen einband.

Sylvia Dierks, ebenfalls ehemalige Studentin und an der Ausstellung beteiligt, mochte an Schmitz besonders sein großes Herz. "Er hat zum Beispiel auch nie vermittelt, dass ein großer Kampf um die Professoren-Sitze an der Hochschule gekämpft wird." Die Studenten hatten damals erstmals von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht und ihn gewählt, weiß Abbicks-Schäfer. Sie erinnert sich weiter: "Ich hatte ihn schon auf der Documenta gesehen, bevor ich an die Hochschule für Künste gekommen bin. Dort hat er beeindruckender Weise einen ganzen Raum bestückt."

Rameil weiß noch über Schmitz und den Schwerpunkt der Ausstellung zu ergänzen: "Er hat sein Leben lang kein festes Atelier gehabt, sondern seine Umgebung zu seinem Atelier gemacht. Er war ein wandernder Normade. Und so hat er auch das ,Europäische Haus' verstanden. Man kann überall zuhause sein". Dieses Denken habe er auch vor seinen Studenten gefördert. Von der Gent-Brücke über eine Reise nach Frankreich bis nach Italien zur Scola Graphica ist er mit bis zu 100 Studenten gereist.

Ein anderer Schüler von Schmitz, der Künstler Joachim Pohlenk, schmunzelt: "Eigentlich hat man uns immer direkt überall, wo wir unterwegs waren, als Schmitz-Klasse erkannt, weil wir immer mit Stift unterwegs waren, rußige Gesichter und kaputte Finger hatten." Pohlenk weiß auch, dass Schmitz sich immer für Flüchtlinge eingesetzt hat und deshalb Immigrations-Gegner wie Trump nicht verstehen konnte. Rameil betont zum Schluss noch mal: "Deshalb heißt die Ausstellung auch "Kunst – Europäisches Haus – Wir". Denn nur in einer Demokratie des Wir sei Kunst überhaupt möglich.

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